US-israelischer Angriff tötet Irans obersten Führer Ali Chamenei (†86)
Konfrontation war sein System

Der Tod von Irans oberstem Führer Ali Chamenei durch US-israelische Angriffe erschüttert den Nahen Osten. Jahrzehntelang prägte er die Politik der Konfrontation – nun hinterlässt der Architekt des Widerstands ein Land im Krieg und eine Region am Abgrund.
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Ali Chamenei führte den Iran fast vier Jahrzehnte lang als oberster politischer und religiöser Entscheider.
Foto: Imago

Darum gehts

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  • Ali Chamenei, Irans oberster Führer, bei US-Israel-Angriff am 1. März getötet
  • Chamenei etablierte Revolutionsgarden als militärische Elite und regionale Machtbasis
  • 37 Jahre Herrschaft: Iran militärisch gefürchtet, wirtschaftlich geschwächt, politisch ungewiss
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Chiara SchlenzAusland-Redaktorin

Als die Explosionen über Teheran noch nicht verklungen waren, verbreiteten iranische Staatsmedien bereits die Nachricht, die den Nahen Osten erschüttern sollte: Ali Chamenei (†86) ist tot. Der oberste Führer des Iran, fast vier Jahrzehnte lang mächtigster Mann der Islamischen Republik, wurde bei gemeinsamen Angriffen der USA und Israels getötet. Sein Tod markiert nicht nur das Ende einer Ära – sondern den Beginn einer neuen Eskalation in einer Region, die er wie kaum ein anderer geprägt hat.

Politik als Zustand der Bedrohung

Chamenei war kein Revolutionär mit Massencharisma, kein Visionär im klassischen Sinn. Seine Stärke lag im Durchhalten. Der 1939 in Maschhad geborene Geistliche verstand Politik als Dauerzustand der Bedrohung. Geprägt vom Krieg gegen den Irak und der Erfahrung internationaler Isolation entwickelte er eine einfache Grundüberzeugung: Iran könne nur überleben, wenn es Stärke demonstriere und Misstrauen zur Staatsdoktrin mache.

Dass ausgerechnet er 1989 Nachfolger von Revolutionsführer Ruhollah Chomeini (1902–1989) wurde, überraschte viele. Religiös galt Chamenei als zu wenig bedeutend für das höchste Amt. Politisch jedoch erwies er sich als aussergewöhnlich geschickt. Schrittweise verwandelte er die Position des obersten Führers in das eigentliche Machtzentrum des Landes. Armee, Justiz, Geheimdienste und Staatsmedien unterstanden letztlich ihm. Präsidenten kamen und gingen – Chamenei blieb.

Die Macht der Revolutionsgarden

Sein wichtigstes Machtinstrument waren die Revolutionsgarden. Unter seiner Führung wurden sie zur militärischen Elite, Wirtschaftsmacht und ideologischen Schutztruppe zugleich. Über sie baute Iran ein Netzwerk verbündeter Milizen im Libanon, Irak, in Syrien und im Jemen auf. Diese «Achse des Widerstands» sollte Feinde auf Distanz halten – und machte Teheran zu einem zentralen Akteur regionaler Konflikte.

Die Allianz blieb nicht auf den Nahen Osten beschränkt. Mit Russland vertiefte Teheran militärische Kooperationen bis hin zu Waffenlieferungen und strategischer Abstimmung, während China wirtschaftliche und diplomatische Rückendeckung bot. Gemeinsam bildete sich eine lose antiwestliche Interessenachse, die Sanktionen umgehen und den globalen Einfluss der USA herausfordern sollte.

Auch das Atomprogramm folgte dieser Logik. Offiziell diente es ziviler Energie, strategisch jedoch war es Chameneis wichtigstes Druckmittel. Seit den frühen 2000er-Jahren wurde Irans Urananreicherung zum zentralen Konflikt zwischen Teheran und der internationalen Gemeinschaft. Die USA, europäische Staaten und Israel warfen Iran vor, heimlich den Bau einer Atombombe vorzubereiten, während Teheran auf sein Recht zur friedlichen Nutzung der Kernenergie pochte. Sanktionen isolierten das Land wirtschaftlich, zugleich machte gerade dieser Druck das Programm innenpolitisch zum Symbol nationaler Souveränität.

Härte nach innen

Im Innern zeigte sich eine andere Seite seiner Herrschaft. Protestbewegungen – von der Grünen Bewegung 2009 bis zu den Frauenprotesten Jahrzehnte später – wurden mit Gewalt beendet. Kritiker sahen in ihm einen Autokraten, der Reformen blockierte und ein zunehmend junges, frustriertes Land politisch erstarren liess. Unterstützer hingegen betrachteten ihn als standhaften Verteidiger iranischer Souveränität gegen äusseren Druck.

Bis zuletzt wich Chamenei nicht von seinem Kurs ab. Selbst als Sanktionen die Wirtschaft schwächten und regionale Verbündete unter Druck gerieten, hielt er an der Idee des Widerstands fest. Nachgeben hätte bedeutet, sein politisches Lebenswerk infrage zu stellen.

Ein Tod mit politischer Ironie

Ironischerweise starb er durch jene Allianz, vor der er jahrzehntelang gewarnt hatte. Für seine Anhänger wird er als Märtyrer gelten. Für viele Iraner endet mit ihm die Herrschaft eines Mannes, der Stabilität versprach, aber Stillstand brachte. Ali Chamenei hinterlässt ein Land, das militärisch gefürchtet, wirtschaftlich geschwächt und politisch ungewisser ist denn je. Sein grösstes Vermächtnis ist ein System, das auf Widerstand gebaut wurde – und nun ohne seinen Architekten bestehen muss.

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