Darum gehts
- Die Ölversorgung könnte durch den Angriff der USA und Israel auf den Iran stark beeinträchtigt werden
- Bereits am Freitag vor dem Angriff haben die Ölpreise zugelegt
- Iran droht wiederholt mit der Sperrung der wichtigen Strasse von Hormus
Der am Samstag von Israel und den USA gestartete Angriff gegen den Iran könnte die weltweite Ölversorgung erheblich stören. Im Wort Case könnte der Konflikt die Ölpreise gar auf seit Jahren nicht mehr gesehene Höhen treiben.
Die Ölpreise waren am Freitag angesichts der steigenden Spannungen rund um den Iran deutlich gestiegen. Zum Handelsschluss haben sie in den USA um fast 3 Prozent zugelegt. Der Preis für ein Barrel der Nordseeölsorte Brent stieg auf 72,48 Dollar – der höchste Stand seit Juli 2025. Am Wochenende sind die Ölmärkte geschlossen. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass bei dem Angriff auf den Iran Ölproduktionsanlagen getroffen wurden.
Opec könnte Ölförderung wegen Iran-Krieg stärker ausweiten
Die Mitglieder des Ölproduzentenkartells Opec+ wollen am morgigen Sonntag über die Möglichkeit beraten, ihre Ölproduktion nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran weiter zu erhöhen, erklärte ein Vertreter des Kartells. Bereits Anfang der Woche war angekündigt worden, dass die von Saudi-Arabien und Russland geführte Gruppe ab April nach einem dreimonatigen Förderstopp wieder eine leichte Produktionsausweitung aufnehmen dürfte; nun werde eine zusätzliche Erhöhung erwogen.
Der Iran, dessen Wirtschaft stark von Öleinnahmen abhängt, zählt mit rund 3,1 Millionen Barrel pro Tag zu den zehn grössten Produzenten weltweit, wie die Opec angibt. In den 1970er Jahren lag die Förderung fast doppelt so hoch, bevor die Islamische Revolution von 1979 und US-Sanktionen sie drückten.
Das Land verfügt über die drittgrössten Reserven weltweit, weshalb Angriffe auf seine Infrastruktur Folgen für den Markt hätten. Heute exportiert Teheran wegen US-Sanktionen nur 1,3 bis 1,5 Millionen Barrel täglich – mehr als 80 Prozent des Exportvolumens gehen laut Saxo-Bank-Analyst Ole Hansen nach China.
Iran blockiert offenbar Strasse von Hormus
Das grösste Marktrisiko bleibt eine Blockade der wichtigen Strasse von Hormus, die der Iran im Angriffsfall mehrfach angedroht hat. Nun scheint er diese in die Tat umzusetzen: Ein Beamter der Marinemission der Europäischen Union Aspides berichtet gegenüber Reuters, dass Schiffe auf dem Weg zur Strasse von Hormus derzeit die Meldung empfangen würden, dass die Durchfahrt nicht gestattet sei. Der Iran hat den Befehl bislang nicht offiziell bestätigt.
Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist die wichtigste Route für Ölexporte aus dem Nahen Osten. 2024 wurden dort laut der US-Energiebehörde täglich etwa 20 Millionen Barrel transportiert – rund ein Fünftel des weltweiten Verbrauchs. Wegen ihrer geringen Breite und Tiefe gilt die Passage als besonders verwundbar. Schon Zweifel an der Sicherheit könnten laut Rasmussen Versicherungsprämien hochtreiben und Schiffe abschrecken.
Nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen laut Hansen über nennenswerte Umgehungsleitungen; sie fassen höchstens 2,6 Millionen Barrel pro Tag.
Regionale Eskalation würde Ölpreise in die Höhe treiben
Irans Nachbarn von den Golfstaaten bis Pakistan fürchten Vergeltung, da sie US-Stützpunkte beherbergen. In Riad wurden Explosionen gehört, nachdem US-Basen in Bahrain und Katar attackiert worden waren.
Die Staaten «wissen, dass sie verwundbar sind», sagt Militärexperte Pierre Razoux von der französischen Denkfabrik FMES. Iranische Mittelstreckenraketen könnten im Extremfall Entsalzungsanlagen, Energie-Hubs oder Kraftwerke treffen.
Eine regionale Eskalation würde die Ölpreise wegen möglicher Lieferausfälle stark steigen lassen. Für Teheran wäre ein Preissprung zudem ein Druckmittel gegen das Weisse Haus. Angesichts der US-Zwischenwahlen und Trumps Versprechen niedriger Energiepreise könnte die Regierung laut Analyst John Evans «ein 100-Dollar-Barrel» vermeiden wollen – ein Niveau, das zuletzt zu Beginn des Ukrainekriegs erreicht wurde.