Die Schweizer – viel Potenzial aber wenig Medaillen
Eigentlich hätte die Schweizer Delegation bei dieser Junioren-WM mehr Edelmetall mit nach Hause bringen müssen. Gleich sechsmal klassierten sich Schweizer Athletinnen und Athleten auf dem undankbaren vierten Rang. Besonders bei den Frauen wäre aufgrund der vorhandenen Qualität und Erfahrung mehr möglich gewesen.
Dania Allenbach (19) und Sue Piller (20) gehörten im Riesenslalom von Narvik beide zum Kreis der Favoritinnen. Im zweiten Lauf patzten jedoch beide: Allenbach kam überhaupt nicht in ihren Rhythmus, während Piller eine sichere Medaille mit einem groben Fahrfehler verspielte.
Düster sieht die Schweizer Ski-Zukunft deswegen aber keineswegs aus. Die beiden Talente aus dem Berner Saanenland sicherten sich im Team-Event gemeinsam mit Giuliano Fux (20) und Jack Spencer (20) immerhin Bronze. Allenbach fuhr zudem im Super-G auf Rang vier und zeigt immer wieder, dass sie keine Angst hat, voll anzugreifen. Dass beide während der laufenden Junioren-WM beim Riesenslalom in Are erneut Weltcup-Punkte holten, unterstreicht ihr Potenzial. Es dürfte kaum das letzte Mal gewesen sein.
Eine heisse Anwärterin auf erste Weltcup-Punkte ist auch Shaienne Zehnder (20) aus Faulensee BE. In drei von vier Rennen klassierte sie sich unter den besten zehn. Besonders im Riesenslalom fehlte als Vierte nur ein Wimpernschlag zum Podest (neun Hundertstel).
Bei den Männern gilt der erste Weltcup-Start von Sandro Manser als Frage der Zeit. Im Schweizer Speed-Team ist die Konkurrenz zwar knallhart, doch der 20-Jährige aus Pfäffikon SZ wird unter anderem von Weltmeister Franz Heinzer als nächstes Schweizer Ski-Juwel gehandelt. Wie Franjo von Allmen zuvor gewann auch Manser bereits zwei Silbermedaillen an Junioren-Weltmeisterschaften.
Noch schneller in Richtung Weltcup geht es für den Walliser Giuliano Fux. Dank seines Slalom-Goldes hat er einen Startplatz beim Weltcup-Finale in Lillehammer auf sicher. Und seine Bilanz in Narvik liest sich beeindruckend: Neben der Goldmedaille holte Fux auch Bronze im Team-Parallelrennen sowie zwei vierte Plätze. Wäre er in seinen vier Einsätzen insgesamt nur neun Hundertstel schneller gewesen, hätte er allein vier Medaillen gewonnen. Eine beeindruckende Zahl.
Ebenfalls überzeugen konnte der Stöckli-Pilot Aurelio Wyrsch (21) aus dem St. Galler Rheintal, der im Riesenslalom mit Rang sechs ein starkes Resultat zeigte.
Anna Trocker (17) – die Überfliegerin von Narvik
Was die blutjunge Südtirolerin an dieser Junioren-WM zeigte, war schlicht beeindruckend. Bei drei Starts gewann sie drei Medaillen. Den Auftakt machte Silber in der Team-Kombination, danach folgten zwei Goldmedaillen – und zwar in dominanter Manier. Den Riesenslalom gewann sie mit 1,37 Sekunden Vorsprung, im Slalom nahm sie der Konkurrenz sogar unglaubliche 2,29 Sekunden ab.
Cornelia Öhlund (20) – der Spezialfall
Die Schwedin ist ein spezieller Fall. Mit Rang sieben im Riesenslalom fällt ihr Resultat in Narvik auf den ersten Blick kaum auf. Doch die erst 19-Jährige bestritt bewusst nur dieses eine Rennen. Die Slalom-Juniorenweltmeisterin von 2025 hat sich bereits in der Weltspitze etabliert. Statt ihren Titel zu verteidigen, reiste sie direkt weiter nach Are – und wurde dort im Weltcup-Slalom prompt siebte.
Benno Brandis (19) – der junge Deutsche
Seine Resultate an der Junioren-WM wirken auf den ersten Blick wenig spektakulär. Doch ein genauer Blick relativiert das Bild: Im Super-G lag der Deutsche bis zu seinem Ausfall auf Goldkurs. Und berücksichtigt man seine starken Saisonresultate sowie seinen Junioren-Weltmeistertitel im Super-G von 2025, wird schnell klar: Dieser Name dürfte im internationalen Skizirkus noch öfter auftauchen. Zumal Brandis im kommenden Jahr nochmals an einer Junioren-WM starten darf.
Die Carrick-Smith-Brüder
Eine besondere Geschichte schreiben die drei britischen Brüder Luca (20), Zak (19) und Freddy Carrick-Smith (19). Das Trio wird von den eigenen Eltern trainiert und gilt seit einiger Zeit als eingeschworene Slalom-Einheit. Vor der WM wurden sie mehrfach zum erweiterten Favoritenkreis gezählt. Mit einer Silbermedaille erfüllten sie die hohen Erwartungen nur teilweise – doch es dürfte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass die Brüder gemeinsam um Spitzenplätze kämpfen. Besonders bitter: Luca hätte den Slalom mit grossem Vorsprung gewonnen, wäre ihm im entscheidenden Moment nicht ein Einfädler passiert.
Victor Haghighat und Emy Charbonnier
Schliesslich sorgte auch Frankreich für Schlagzeilen. Die «Grande Nation» verdankt einen grossen Teil ihres Medaillenerfolgs Victor Haghighat (18) und Emy Charbonnier (20). Beide krönten sich im Super-G zu Juniorenweltmeistern. Weil ihre Zeiten auch in der Team-Kombination gewertet wurden, durften sie nur wenige Stunden später gleich die nächste Goldmedaille entgegennehmen. Zwar waren sie dabei auch auf starke Slalom-Leistungen ihrer Teamkollegen angewiesen, doch spätestens seit Narvik zählen sowohl Charbonnier als auch der erst 18-jährige Haghighat zu den spannendsten Nachwuchshoffnungen im alpinen Skisport. Haghighat ist zudem noch so jung, dass er noch zweimal an Junioren-Weltmeisterschaften starten darf.
Die 45. alpinen Junioren-Weltmeisterschaften finden vom 5. bis 15. März in Narvik (No) statt. Bei den Wettkämpfen startberechtigt sind Nachwuchsfahrer der Jahrgänge 2005 bis 2009. Von Swiss-Ski sind neun Frauen und sieben Männer vor Ort.
Der norwegische Skiort trägt die alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2029 aus und war bereits 2020 Gastgeber der Junioren-WM. Damals mussten die Titelkämpfe jedoch wegen der Corona-Pandemie vorzeitig abgebrochen werden. Die Hafenstadt mit rund 14'000 Einwohner liegt nördlich des Polarkreises und ist direkt am Meer.
Die 45. alpinen Junioren-Weltmeisterschaften finden vom 5. bis 15. März in Narvik (No) statt. Bei den Wettkämpfen startberechtigt sind Nachwuchsfahrer der Jahrgänge 2005 bis 2009. Von Swiss-Ski sind neun Frauen und sieben Männer vor Ort.
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