Darum gehts
- Schweiz bekämpft Phänomen «Crime as a Service» mit neuer Taskforce seit Frühjahr 2026
- Luxusautos im Millionenwert in der Schweiz gestohlen, Täter oft Jugendliche
- Deliktsumme in einem Fall aus dem März 2026: Über 1,5 Millionen Franken
Europaweit beschäftigt ein brisantes Phänomen die Strafverfolgungsbehörden: «Crime as a Service». Gangsterbosse heuern über Tiktok und Co. Kinder, Jugendliche und Erwachsene für Straftaten an. Europol hat eine Taskforce gegründet, auch in der Schweiz gibt es eine kantonsübergreifende Sondereinheit, die sich seit dem Frühjahr mit dem Problem befasst. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) hat Blick einige Fälle genannt, bei denen mutmassliche Täter verhaftet werden konnten. Sie zeigen, warum es die Taskforce braucht.
April 2026: Französischer Luxusauto-Dieb im Kanton Zürich verhaftet
Am 30. April 2026 brechen zwei Männer in einen Garagenbetrieb in Urdorf ZH ein. Sie krallen sich die Fahrzeugschlüssel für ein Auto und einen Van. Anschliessend rasen sie auf der Autobahn A3 durch den Uetliberg-Tunnel in Richtung Bern. Einer polizeilichen Kontrolle brausen sie beim Anschluss Urdorf-Nord davon.
Ein Crash auf der A1 bei der Ausfahrt Zürich-Seebach stoppt den Fahrer des Autos schliesslich. Polizisten verhaften den Franzosen (19) daraufhin. Der Van-Fahrer verursacht zeitgleich auf der Autobahn eine Auffahrkollision – und macht sich anschliessend zu Fuss aus dem Staub.
April 2026: Kriminelle stehlen Luxusautos im Millionenwert
An einem Wochenende Ende April klauen sie in Murten FR vier Luxuswagen aus einem Autohaus. «Bei den gestohlenen Autos handelt es sich um einen Lamborghini Urus, einen Mercedes-AMG GT 63 S, einen Lamborghini Huracan LP640-4 Spyder Performante DCT und einen BMW X6 Competition», sagt der Besitzer nach der Tat zu Blick. «Für mich ist das eine Katastrophe!» Von den Tätern fehlt zunächst jede Spur, mittlerweile ist es zur Verhaftung gekommen.
April 2026: Verfolgungsjagd auf der A1 – Autodiebe fliehen mit BMW und Audi
Am 25. April verfolgt die Kantonspolizei Aargau auf der A1 zwei PS-starke Wagen. Die beiden jungen Männer, die den BMW X5 und den Audi RS Q8 lenken, haben die Autos zuvor in Herisau AR gestohlen. Ihr Ziel: Frankreich. Doch daraus wird nichts. Sie werden festgenommen und an die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Appenzell Ausserrhoden überstellt.
April 2026: Unfälle beenden Flucht von Autodieben
Am 22. April entwenden zwei Personen einen BMW X6 und einen BMW X7 in Widnau SG. Schnell kommt die Kantonspolizei St. Gallen den beiden Autodieben auf die Schliche. Aufhalten lassen sie sich aber nicht so schnell. Auf Höhe Wil SG durchbricht eines der Fluchtfahrzeuge eine Polizeisperre – mitten auf der Autobahn A1. Ein Polizist wird bei der Streifkollision leicht verletzt. Es kommt sogar zu einer Schussabgabe, bei der niemand verletzt wird.
Erst in Hagenbuch ZH kann der BMW X6 in Kooperation mit den Kantonspolizeien Thurgau und Zürich gestoppt werden. Der Fahrer des BMW X7 baut auf der A3 in Richtung Basel einen Unfall. Die Tatverdächtigen sind ein 19-Jähriger und ein 16-Jähriger.
März 2026: Trio aus Frankreich im Thurgau festgenommen
Am 28. März 2026 brechen mehrere Täter in eine Autogarage in Engwilen TG ein. Dort verschaffen sie sich Zugang zu mehreren Luxusautos und flüchten. Gleichzeitig kommt es auch in Matzingen TG, Wäldi TG und Hagenwil TG zu Einbrüchen und Diebstählen von Autokennzeichen und Fahrzeugschlüsseln.
Am Samstagmorgen, gegen 6.30 Uhr, kontrolliert eine Patrouille in Frauenfeld mehrere Personen. Ihre Fahrzeuge hatten gestohlene Kontrollschilder montiert. Eine Frau (31) und zwei Männer im Alter von 24 und 43 Jahren mit französischer Staatsbürgerschaft werden festgenommen und inhaftiert. In der Nacht hatten sie nicht nur in Engwilen Autos geklaut, sondern auch in Muolen SG. «Die Deliktsumme beträgt insgesamt mehr als 1,5 Millionen Franken», teilt die Kantonspolizei Thurgau in einer Medienmitteilung mit.
Dezember 2025: Grosse Operation in Frankreich
Sie sollen für mehr als 50 teils versuchte, teils erfolgreiche Fahrzeugdiebstähle sowie ein Dutzend Angriffe auf Waffengeschäfte in der Schweiz verantwortlich sein: Im Dezember 2025 legt ihnen die französische Polizei das Handwerk – dank Ermittlungserfolgen in der Schweiz. Die Kriminellen operierten von Frankreich aus und schlugen in mehreren Kantonen zu. Das Herz des Netzwerks befand sich in der Region Pays de Gex im Département Ain. In Frankreich werden sich alle Mitglieder des Netzwerks – vom Drahtzieher bis zum Fusssoldaten – vor Gericht verantworten müssen.
Die Erkenntnisse der Europol-Taskforce «Grimm» zeigen exemplarisch, wie das Geschäftsmodell «Crime as a Service» funktioniert. Auftraggeber erteilen und finanzieren die Straftaten. Rekrutierer werben potenzielle Ausführende vor allem über soziale Medien an. Bei Fällen mit Schweiz-Bezug geschieht dies laut Fedpol meist über Snapchat, Werbevideos werden zudem auf Tiktok und Telegram verbreitet. Weitere Absprachen erfolgen häufig über verschlüsselte Nachrichtendienste.
Logistiker organisieren die für die Tat erforderlichen Mittel – etwa Fahrzeuge, Werkzeuge, Kontakte oder Geld. Die eigentliche Ausführung übernehmen rekrutierte Tatausführende. Dabei handelt es sich meist um unerfahrene Minderjährige oder junge Erwachsene, die keine direkte Verbindung zu einer kriminellen Organisation haben. Die in der Schweiz eingesetzten Ausführenden sind fast ausschliesslich männlich, vereinzelt sind auch Frauen an den Taten beteiligt.
Die Jugendlichen werden in der Regel verpflichtet, die Tatausführung zu filmen. Das Material dient einerseits als Propaganda, um weitere Personen anzuwerben. Andererseits kann es zur Erpressung der Minderjährigen genutzt werden und dazu dienen, sie zu weiteren Straftaten zu zwingen. Scheitert ein Auftrag – etwa weil der oder die Ausführende festgenommen wird –, müssen die Jugendlichen mit Repressalien durch die Rekrutierer rechnen.
Die bisherigen Fälle mit Schweiz-Bezug deuten laut Fedpol darauf hin, dass mehrere Faktoren eine Rekrutierung begünstigen können:
- ein tiefes Bildungsniveau
- Armut
- fehlende Chancen auf dem Arbeitsmarkt, etwa in bestimmten französischen Vororten
- Identitätsunsicherheit, die durch den Vergleich mit anderen in den sozialen Medien verstärkt werden kann
- die dortige Darstellung von Luxusautos, teuren Produkten und grossen Geldsummen
- der Wunsch nach Zugehörigkeit zu einer kriminellen Gruppe
- das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und einer sinnstiftenden Identität.
Die Erkenntnisse der Europol-Taskforce «Grimm» zeigen exemplarisch, wie das Geschäftsmodell «Crime as a Service» funktioniert. Auftraggeber erteilen und finanzieren die Straftaten. Rekrutierer werben potenzielle Ausführende vor allem über soziale Medien an. Bei Fällen mit Schweiz-Bezug geschieht dies laut Fedpol meist über Snapchat, Werbevideos werden zudem auf Tiktok und Telegram verbreitet. Weitere Absprachen erfolgen häufig über verschlüsselte Nachrichtendienste.
Logistiker organisieren die für die Tat erforderlichen Mittel – etwa Fahrzeuge, Werkzeuge, Kontakte oder Geld. Die eigentliche Ausführung übernehmen rekrutierte Tatausführende. Dabei handelt es sich meist um unerfahrene Minderjährige oder junge Erwachsene, die keine direkte Verbindung zu einer kriminellen Organisation haben. Die in der Schweiz eingesetzten Ausführenden sind fast ausschliesslich männlich, vereinzelt sind auch Frauen an den Taten beteiligt.
Die Jugendlichen werden in der Regel verpflichtet, die Tatausführung zu filmen. Das Material dient einerseits als Propaganda, um weitere Personen anzuwerben. Andererseits kann es zur Erpressung der Minderjährigen genutzt werden und dazu dienen, sie zu weiteren Straftaten zu zwingen. Scheitert ein Auftrag – etwa weil der oder die Ausführende festgenommen wird –, müssen die Jugendlichen mit Repressalien durch die Rekrutierer rechnen.
Die bisherigen Fälle mit Schweiz-Bezug deuten laut Fedpol darauf hin, dass mehrere Faktoren eine Rekrutierung begünstigen können:
- ein tiefes Bildungsniveau
- Armut
- fehlende Chancen auf dem Arbeitsmarkt, etwa in bestimmten französischen Vororten
- Identitätsunsicherheit, die durch den Vergleich mit anderen in den sozialen Medien verstärkt werden kann
- die dortige Darstellung von Luxusautos, teuren Produkten und grossen Geldsummen
- der Wunsch nach Zugehörigkeit zu einer kriminellen Gruppe
- das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und einer sinnstiftenden Identität.