Darum gehts
- Valérie Dittli könnte 2027 erneut für den Waadtländer Staatsrat kandidieren
- Interne Konkurrenz ausgeschlossen, Entscheidung der Partei am 2. September erwartet
- Allianzen der Mitte gefährdet, Chancen für Dittlis Wiederwahl gelten als gering
Die Spekulationen laufen auf Hochtouren. Am heutigen Dienstag dürfte Valérie Dittli ihren Entscheid vor dem Vorstand der Waadtländer Mitte-Partei bekannt geben: Wird sie sich 2027 um ein weiteres Mandat im Staatsrat bewerben?
Gemäss Blick-Informationen ist es sehr wahrscheinlich, dass Dittli für eine zweite Amtszeit kandidieren will. Und das trotz der zahlreichen und heftigen Auseinandersetzungen, die ihre aktuelle Legislaturperiode als Staatsrätin geprägt haben.
Dittli hat auf Blick-Anfragen nicht geantwortet. Doch es gibt mehrere Anzeichen für eine erneute Kandidatur. Zum einen geniesst sie ein Privileg: Die Partei räumt ihr Vorrang ein. Solange sie nicht auf eine erneute Kandidatur verzichtet, gibt es keine interne Kandidatur parallel dazu.
Dittlis erneute Kandidatur käme bei Bündnispartnern nicht gut an
In ihren jüngsten Medienauftritten fiel Dittli auf, sie setzt auf eine gewisse Imagepflege. So hat sie etwa ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, das einen für sie kritischen Bericht in die Mangel nimmt. Schliesslich sagte sie zuletzt in Interviews, sie stelle sich «in den Dienst ihrer Partei». Ein Signal, dass sie zu einer erneuten Kandidatur bereit wäre.
Die eigentliche Entscheidung wird jedoch am kommenden 2. September fallen. Dann werden die Delegierten der Waadtländer Mitte entscheiden, ob sie Dittli als Kandidatin nominieren oder nicht.
Mit einer Dittli-Kandidatur riskiert die Waadtländer Mitte jedoch ihre Bündnisse. Der Partei würde die Aussicht auf eine Zusammenarbeit mit anderen bürgerlichen Parteien der Mitte genommen. Eine Zusammenarbeit gibt es nur ohne Dittli.
Jahrelange Diskussionen
Die Affäre rund um Valérie Dittli schwirrt seit über einem Jahr. Im Frühling 2025 wird ein Bericht veröffentlicht, der die Staatsrätin in zwei Punkten belastet: Es geht um einen Streit zwischen Dittli und ihrer Steuerdirektorin. Die Zusammenarbeit sei schwer belastet. Der zweite Vorwurf: Im Juni 2024 soll Valérie Dittli bei Steuerdossiers reicher Steuerzahler eingegriffen haben. Ein illegales Vorgehen und eine «Überschreitung der Befugnisse», heisst es im Bericht. Dittli soll zudem das Amtsgeheimnis verletzt haben. Das Finanzdepartement wird ihr entzogen, neu ist sie nur noch für Themen wie Landwirtschaft und digitale Transformation zuständig.
Ein Jahr später sorgt dann ein neuer Bericht für Aufsehen. Demnach hat Dittli entscheidende Informationen zurückgehalten – und ohne Genehmigung öffentliche Gelder verwendet. So seien die Aufträge an den ehemaligen Präsidenten der Kommission für ländlichen Grundbesitz, Jean-Claude Mathey, vergeben worden, nachdem dieser eine Strafanzeige gegen Dittli zurückgezogen hatte. Die Rede ist von einer Vergütung über 10'000 Franken an Mathey. Mittlerweile läuft eine Strafuntersuchung, im Parlament wurde der Rücktritt Dittlis gefordert.