So erklärt Rösti seinen Positionswechsel bei SRG-Debatte
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Früher war er für Halbierung:So erklärt Rösti seinen Positionswechsel bei SRG-Debatte

Showdown bei Sandro Brotz
So schlugen sich Rösti, Wille und Co. in der SRG-«Arena»

Rund zwei Wochen vor der Abstimmung über die SRF-Initiative kam es zum grossen Showdown im SRF-Studio. Bundesrat Albert Rösti trat gegen die Initiative der eigenen Partei an.
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Die Schweiz entscheidet über die Zukunft der SRG.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • «Arena»-Sendung zur SRG-Initiative mit Moderator Sandro Brotz fand in Bern statt
  • Initiative fordert Senkung der Radio- und TV-Gebühren von 335 auf 200 Franken
  • Abstimmung über die Initiative findet am 8. März 2026 statt
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Tobias BruggmannRedaktor Politik

Alle Augen waren am Freitagabend auf «Arena»-Dompteur Sandro Brotz (56) gerichtet. Er moderierte die Abstimmungssendung zur SRG-Initiative. Diese verlangt, dass die Radio- und Fernsehgebühren auf 200 Franken gesenkt werden. Kommt sie durch, ist für Brotz und viele seiner Kolleginnen und Kollegen der Job gefährdet. 

Doch nicht nur Brotz stand unter genauer Beobachtung: Medienminister Albert Rösti (58) weibelte gegen die Initiative – die er als SVP-Nationalrat einst noch selbst mitinitiert hatte.

Rösti: «Nicht gegen meine Überzeugung»

Jetzt musste er für das Nein werben. «Gegen die eigene Partei tritt man nicht gerne an, aber es ist nicht gegen meine Überzeugung», sagte Rösti. Als Bundesrat habe er die Möglichkeit genutzt, den Initianten entgegenzukommen. Er verwies dabei auf sein Gegenprojekt. Bis 2029 sinken die Gebühren auf 300 Franken, auch wenn die Initiative abgelehnt wird. Nun erfüllte er seinen Auftritt als Bundesrat und absolvierte den obligaten «Arena»-Aufenthalt zurückhaltend – vertrat aber die Meinung von Parlament und Regierung gewissenhaft. 

So erklärt Rösti seinen Positionswechsel bei SRG-Debatte
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Früher war er für Halbierung:So erklärt Rösti seinen Positionswechsel bei SRG-Debatte

Ihm gegenüber stand mit SVP-Nationalrat Gregor Rutz (53) ein «guter Kollege», wie Rösti betonte. Doch einig waren sie sich nur in einem Punkt: «Wir brauchen eine SRG» – das gab auch Rutz zu. Doch diese könne auch mit weniger Geld auskommen. «Mit 200 Franken kann man den verfassungsrechtlichen Auftrag erfüllen.» In der Schweizer Medienlandschaft dürfe sich nicht alles um die SRG drehen. «Im Zentrum stehen die Privaten.» Die SRG würde diesen das Wasser abgraben, so Rutz.

Kein Ins-Wort-fallen

Die SRG-Befürworter hatten es vergleichsweise einfacher. Denn am Expertenpult stand mit SRG-Generalsekretärin Susanne Wille (51) eine erfahrene Moderatorin. Gekonnt spulte sie die bekannten Parolen ab. Mit 200 Franken könne man nicht das gleichstarke und vielfältige Programm anbieten, wie bisher. «Wir reissen eine Brücke ein, bevor wir eine neue gebaut haben.» Die SRG habe einen Verfassungsauftrag. «Den Preis wird das Publikum bezahlen.»

Die «Arena» verlief für einmal gesittet. Kein Ins-Wort-fallen, kaum persönliche Angriffe. Krach gab es höchstens in den hinteren Reihen: Dort sassen mit SP-Nationalrat Jon Pult (41) und SVP-Grossrat Jan Koch (41) zwei Bündner. Deren SVP-Sektion befürwortete die Initiative – nur um gleichzeitig darauf hinzuweisen, dass es dann beim rätoromanischen Radio und Fernsehen bitte keine Einsparungen geben soll. «Es muss dort produziert werden, wo nachher dann auch sprachlich der Inhalt herkommt», sagte Koch.

Generaldirektorin Wille sagte, es werde Zentralisierungen geben. Bei einem Ja müsste man an die Fixkosten gehen. «Das sind die Standorte.» Dann drohe ein «Rückzug aus den Regionen». 

Was müssen Unternehmen zahlen?

Ein grosses Thema waren die Abgaben der Unternehmen. Mit der Initiative würden Firmen gar nichts mehr bezahlen, mit Röstis Gegenprojekt würden insbesondere grosse Unternehmen noch etwas abgeben müssen. SVP-Grossrat Koch sitzt in der Geschäftsleitung einer Gerüstbaufirma. «In unserem Fall sind das 7110 Franken! Das ist ein relevanter Betrag.» 

Pult konterte: «Wir schwächen Sport, Kultur, Unterhaltung, Information, Bildung. Für was? Um etwas weniger zu bezahlen!» Man müsse die «Kirche im Dorf lassen». Gemessen an den Umsätzen sei die Gebühr klein. 

Bei diesem Thema hatte Gewerbeverband-Direktor Urs Furrer (53), seine besten Momente. Auch mit Röstis Gegenprojekt werden «über 80'000 KMU die Mediensteuer bezahlen müssen». Dies führe zu absurden Situationen. «Eine Firma, die Verlust macht, muss trotzdem mehrere Tausend Franken Mediensteuer zahlen», so Furrer. 

«Bei der SRG haben wir Löhne 30 % über dem Durchschnitt»
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Zu hohe Personalkosten?«Bei der SRG haben wir Löhne 30 % über dem Durchschnitt»

«Die Frage meinen Sie ernst?»

Gregor Rutz war derweil bemüht, etwas Feuer in die Diskussion zu bringen. «Die Frage meinen Sie ernst?», konterte er Moderator Brotz, als dieser ihn fragte, ob ihn die Unterstützung des Propagandakanals «Russia Today» freue. «Haben Sie das Gefühl, irgendein Schweizer Stimmbürger lässt sich davon beeinflussen?» Es brauche eine breite Palette von Informationen. «Darum ist die Vielfalt so wichtig.» Und diese würden die Privaten bieten können.

Rutz wurde von der Jungfreisinnigen-Vize Melanie Racine (27) unterstützt. Sie brachte die Perspektive der Jungen ein, ärgerte sich über die «Shaolin Challenge» auf SRF und die hohe Anzahl von Social-Media-Accounts. «Für viele junge Leute in der Lehre, die früh ausziehen, sind die 300 Franken viel Geld.»

Bundesrat Rösti erinnerte daran, dass man den Initianten entgegengekommen sei. Die SRG müsse 17 Prozent des Umsatzes einsparen. «Sie muss sich einschränken, das ist ein guter Kompromiss.»

Keine Beschwerde wegen 16 Sekunden

Die Runde arbeitete die bekannten Themen ab. Die Initiativgegner hatten mit den fernseherfahrenen Rösti, Wille, Pult und Mitte-Nationalrätin Priska Wismer-Felder (55) ein leichteres Spiel. Gewerbeverband-Direktor Furrer blieb vergleichsweise blass, Racine absolvierte erst die zweite «Arena» – ein Versprechen für die Zukunft, doch neben Rutz tauchte sie etwas ab. Lichtblick der Befürworter war hingegen SVP-Grossrat Koch, der seine Position eingängig einbrachte.

Um Ausgewogenheit war Moderator Brotz besorgt, der die Sendung trotz grosser Beobachtung souverän meisterte. Wie üblich müssen vor Abstimmungen die Lager gleich viel zu Wort kommen – und weil die Gegner viel mehr gesprochen hatten, durften am Schluss die Befürworter ausführlich ihre Argumente wiederholen. Mit dem Versprechen der SRG-Kritiker, dass sie wegen 16 Sekunden Differenz keine Beschwerde bei der Ombudsstelle machen, entliess Brotz die Lager in die Nacht. Entschieden wird am 8. März. 


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