Darum gehts
- Die Schweiz stimmt am 8. März 2026 über SRG-Gebühren ab
- Initiative fordert Senkung auf 200 Franken, Firmen sollen befreit werden
- SRG könnte ab 2029 Einnahmen von 630 Millionen Franken verlieren
Regelmässig flattert eine Rechnung in den Briefkasten, die manchem sauer aufstösst: 335 Franken pro Jahr kosten die Radio- und Fernsehgebühren. Bald wird es weniger sein. Doch wie viel? Das entscheidet die Schweiz am 8. März 2026. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Was fordert die SRG-Initiative?
Die Radio- und Fernsehgebühren sollen auf maximal 200 Franken sinken. Firmen wären davon komplett befreit. Heute zahlen alle Firmen ab einem Umsatz von 500'000 Franken.
Hat Bundesrat Albert Rösti (58) nicht schon eine Senkung beschlossen?
Doch. Auch der Bundesrat sieht Handlungsbedarf und hat ein Gegenprojekt beschlossen. Bis 2029 sinkt die Abgabe schrittweise: 2027 auf 312 Franken, 2029 auf 300 Franken. Zudem sollen weniger Unternehmen zahlen – nur noch 20 Prozent, vor allem Konzerne mit viel Umsatz. Dies, wenn die Initiative nicht angenommen wird.
Der Bundesrat setzt das per Verordnungsänderung um. Das Volk stimmt also nicht darüber ab.
Was ist die SRG? Wie unterscheidet sie sich vom SRF?
Die SRG ist ein Verein, der das gleichnamige Medienhaus betreibt. Ihr Auftrag: Radio und Fernsehen in den vier Landessprachen liefern. Eine Einheit davon ist SRF, das deutschsprachige Radio und Fernsehen. RTS bedient die Westschweiz, RSI das Tessin und RTR die rätoromanische Schweiz.
Wie viel Geld hat die SRG zur Verfügung?
Die SRG erhielt 2024 rund 1,3 Milliarden Franken. Das sind etwa 80 Prozent der gesamten Gebühren. Der Rest geht an Lokalradios und -fernsehen, sowie unter anderem an eine Nachrichtenagentur.
Die SRG verteilt ihren Teil der Einnahmen auf die Sprachregionen. Dabei greift ein Finanzausgleich: Von den 930 Millionen Franken, die die Deutschschweiz einnimmt, behält sie 560 Millionen Franken. Der Rest fliesst in die Westschweiz, ins Tessin und an die rätoromanische Schweiz.
Mit Röstis Gegenprojekt verliert die SRG ab 2029 270 Millionen Franken. Darin enthalten sind auch ein Rückgang von Werbeeinnahmen und der fehlende Teuerungsausgleich. Kommt die Initiative durch, bleiben der SRG 630 Millionen Franken – etwa halb so viel wie bisher. Sie müsste schätzungsweise 3000 Arbeitsplätze abbauen, weitere 3000 gingen Zulieferern verloren, etwa in der Bauwirtschaft, Gastronomie oder bei Autoren und Schauspielern.
Welche Sendungen fallen weg, wenn die Initiative durchkommt?
Das ist unklar. «Wenn wir von einer halbierten SRG reden, geht es um sehr viel mehr als nur um einzelne Sendungen», sagte SRG-Chefin Susanne Wille. Viersprachiger Regionaljournalismus sei nicht mehr möglich. «Wir müssten Standorte und Büros schliessen.»
Welche Sendungen bleiben, entscheidet die Programmleitung. Wir können also nicht darüber abstimmen.
Warum streicht die SRG schon jetzt Stellen und Sendungen?
Formate wie «G & G – Gesichter und Geschichten», «We, Myself & Why» und das SRF-«Wissenschaftsmagazin» sind bereits weg. Bis 2029 will die SRG 900 Vollzeitstellen streichen. Ein Teil des Stellenabbaus ist bereits im Gang. Grund ist das Gegenprojekt, das die Einnahmen so oder so kürzt. Sparen muss die SRG also unabhängig davon, wie die Abstimmung ausgeht. Ein «gleichwertiges, insbesondere regionales Angebot» bleibe möglich, so Bundesrat Rösti.
Was bedeutet die Initiative für Regionalsender wie TVO, Tele M1 oder Tele Bärn?
Die Initiative betrifft nur die SRG. Privaten Lokalradios und -fernsehen bekommen weiterhin die gleichen Mittel.
Haben wir nicht schonmal über die Radio- und Fernsehgebühren abgestimmt?
Ja. 2018 lehnte die Schweiz die «No-Billag-Initiative» deutlich ab. Sie wollte die öffentliche Finanzierung der SRG aber auch jene der privaten Lokalsender ganz abgeschaffen. Die neue Initiative geht weniger weit.
Was zahlt man im Ausland?
In der EU zahlt ein Haushalt im Schnitt 116 Euro für den öffentlichen Rundfunk. Italien verlangt 70 Euro, Österreich rund 200 Euro und Deutschland 220 Euro. Die Schweiz liegt mit 335 Franken höher, finanziert aber Radio- und Fernsehen in vier Landessprachen. Wäre die Schweiz ein einsprachiges Land, wären die Produktionskosten der SRG um 40 Prozent tiefer.
Wer ist für die Initiative?
Befürworter kommen aus der SVP, den Jungfreisinnigen, dem Gewerbeverein und Teilen der FDP. Werde die Gebühr gesenkt, hätten alle Schweizerinnen und Schweizer mehr Geld zum Leben. Zudem sei es unsinnig, dass auch die Unternehmen bezahlen müssten. Die SRG konkurrenziere die privaten Medien.
Wer ist gegen die Initiative?
Bundesrat und Parlament sind dagegen. Das Nein-Lager umfasst Politiker von SP, Grünen, GLP, Mitte und FDP. Sie warnen, dass eine geschwächte SRG die mediale Versorgung in den Randregionen gefährde. In Zeiten von Desinformation und Krisen brauche es starken Journalismus. Kulturschaffende würden weniger sichtbar werden.