Badran kratzt die Serafe-Gebühr nicht
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Deutliche Worte:Badran kratzt die Serafe-Gebühr nicht

SP-Badran teilt am Stammtisch aus
«Die Gebühr kratzt mich gar nicht»

Schweizer Politik am Stammtisch: Im SRF-«Club» in Altdorf UR debattierten nationale Schwergewichte und Lokalpolitiker über die Halbierung der SRG. Besonders IT-Unternehmerin Jacqueline Badran schoss scharf gegen die Befürworter.
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Wie weiter mit der SRG? Bald stimmt die Schweizer Stimmbevölkerung darüber ab, ob die Serafe-Gebühren auf 200 Franken sinken sollen.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • SRF verlegte «Club» zur Halbierungsinitiative in Beiz in Altdorf UR
  • Badran und Cina warnen vor Kulturverlust, Dettling kritisiert SRF-Ausgaben
  • Badran zahlt 900 Franken Serafe, sieht SRG als wichtiges Bollwerk
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Über die wichtigen Dinge diskutieren Herr und Frau Schweizer am Stammtisch. Das hat sich wohl auch das SRF gedacht und verlegte den «Club» zur Halbierungsinitiative in eine Beiz in Altdorf UR. Es ist ein symbolischer Akt, der sich auch in der Diskussion ausdrückte: Welchen Stellenwert hat die SRG in den ländlichen Regionen?

Auf den Holzstühlen gab dennoch vorwiegend die nationale Politik den Ton an: SVP-Präsident Marcel Dettling (44, SZ) und Gewerbeverbandspräsident Urs Furrer (53) stritten mit dem SRG-Verwaltungsratspräsidenten Jean-Michel Cina (62) und SP-Nationalrätin Jacqueline Badran (64, ZH). Besonders IT-Unternehmerin Badran schoss dabei nicht nur scharf gegen die SVP, sondern auch gegen Gewerbevertreter Furrer.

Streit um die Schweizer Identität

An der Seite der politischen Schwergewichte diskutierten auch Vertreterinnen der Jungfreisinnigen und der GLP mit. Und auch Urner Lokalpolitiker durften am Tisch Platz nehmen, um über die Zukunft des öffentlichen Radios und Fernsehens in der Schweiz zu debattieren.

Beim SRF und Moderatorin Barbara Lüthi (52) sorgte das durchaus auch für Schwierigkeiten: Der Partei-Chef der Urner Mitte, der Präsident der Jungen SVP des Kantons und ein SVP-Unternehmer – sie alle hatten denselben Nachnamen. «In Altdorf heissen fast alle Gisler, das hat unsere Recherche recht erschwert», witzelte Lüthi.

Während Befürworter Loris Gisler (26) von der SVP-Jungpartei sowie Mitte-Kantonsrat Flavio Gisler (37) sich besonders darüber uneinig waren, ob es nun die Privaten auf dem Land tatsächlich besser machen würden, ging es bei den nationalen Vertretern vor allem ums Grundsätzliche: Die «Swissness» würde mit der Initiative verschwinden, warnten Badran und Cina. Besonders Sportübertragungen und Kultursendungen hätten nach der Kürzung einen schweren Stand. «Es ist ein Kahlschlag mit gravierenden Konsequenzen», so SRG-Häuptling Cina.

Dettling und Gewerbe-Chef Furrer hielten dagegen: Aus wenig viel machen sei genau der Kern der Schweizer Identität. «Das ist auch die Erwartung an das SRF», sagte Furrer. «Mit 200 Franken kann man die guten Sachen weiterhin machen», so Dettling. Den ganzen «Schrott» könne man dadurch aber eindämmen. «RTL-Kopien sind kein Kernauftrag.» Dem SVP-Präsidenten war dabei besonders die Sendung «Shaolin Challenge» ein Dorn im Auge. Das Dokuformat, in dem Schweizer Promis im Shaolin-Tempel trainieren, drehte das SRF in Südkorea.

«Bollwerk» SRG?

Ein weiterer wunder Punkt: die Unternehmensabgabe. Firmen hätten keine Augen und Ohren, wiederholte Gewerbeverbandspräsident Furrer das Argument der SRG-Gegnerschaft. «Darf ich als Unternehmerin, die tatsächlich davon betroffen ist, auch noch etwas dazu sagen?», grätschte Badran dazwischen.

Für ihr Unternehmen zahle sie rund 900 Franken Serafe. Demgegenüber stünden monatlich eine Viertelmillion Franken an Lohnkosten. «Die Gebühr kratzt mich gar nicht. Es ist quasi ein Rundungsfehler.» Dazu: Sie sei angewiesen auf gut ausgebildete, informierte und unterhaltene Mitarbeiter. «Ich brauche als Unternehmerin die SRG.»

Sowieso ist für SP-Frau Badran die SRG ein Bollwerk im weltweiten Desinformationskrieg. Das gelte besonders auch auf den sozialen Medien. «Es gehört uns und kein Milliardär kann es uns abkaufen», so Badran. Ein starkes öffentliches Radio und Fernsehen gehöre genauso wie die Privaten zu einem starken Schweizer Mediensystem, fügte SRG-Mann Cina an.

Auch gegen die kolportierte Linkslastigkeit der SRF-Journalistinnen und -Journalisten wehrte sich Cina vehement: «Es gibt Fehler, wir sind nicht perfekt. Im Verhältnis ist das aber ein kleiner Teil», so der SRG-Chef. «Bei der SBB kommen 6,8 Prozent der Züge verspätet an, aber dort kam noch niemand auf die Idee, das Schienennetz zu halbieren.»

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