«Es wird deutlich anspruchsvoller als beim letzten Mal»
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Laura Zimmermann:«Es wird deutlich anspruchsvoller als beim letzten Mal»

Laura Zimmermann führt die Kampagne gegen die Halbierungs-Initative
«Ich will auch dieses Mal nicht verlieren!»

2018 war Laura Zimmermann strahlende Siegerin bei der Niederlage von «No Billag». Jetzt kämpft sie wieder für die SRG und gegen die Halbierungsinitiative – doch es harzt beim Geld.
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Der Kampf gegen die Halbierungs-Initiative sei anspruchsvoller als damals gegen No Billag, sagt Zimmermann. Es werde knapp ausgehen.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

  • Schweiz stimmt am 8. März über Halbierungs-Initiative zur SRG ab
  • Laura Zimmermann führt Kampagne, betont Bedeutung der Medien für Demokratie
  • Nein-Lager sammelte bisher 1,3 Millionen Franken von geplanten zwei Millionen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Es geht wieder um das gleiche Thema – aber diesmal ist vieles anders.

Als das Schweizer Volk am 4. März 2018 die No-Billag-Initiative mit rund 72 Prozent Nein-Stimmen abschmetterte, war Laura Zimmermann 26 Jahre alt, Co-Präsidentin der Operation Libero – und strahlende Siegerin: Sie hatte nicht nur die Kampagne gegen die Abschaffung der Radio- und TV-Gebühren orchestriert, sondern auch selbst an vorderster Front dagegen gekämpft – unter anderem in der SRF-«Arena».

Acht Jahre und vier Tage nach der wuchtigen Abfuhr für «No Billag» stimmt die Schweiz am 8. März erneut über die Beschneidung der SRG ab – und wieder ist Laura Zimmermann dabei, mittlerweile 34-jährig und Mutter eines einjährigen Kindes: Sie leitet die Kampagne gegen die Halbierungs-Initiative.

«Ich werde nicht auf Podien mitreden»

2021 gab Zimmermann ihr Amt bei der Operation Libero ab. Beruflich fasste die Juristin in der Werbebranche Fuss. Heute arbeitet sie für die Agentur von David Schärer (51), der ebenfalls bei der Kampagne gegen No Billag mitgewirkt hatte und 2022 zum «Werber des Jahres» gekürt wurde.

Dass sie nun wieder in einem Abstimmungskampf mitmischt, bedeute jedoch nicht, dass sie erneut politische Ambitionen verfolge, stellt Zimmermann klar, als Blick sie an ihrem Arbeitsplatz in Zürich-Enge besucht. «Ich konzentriere mich auf die Strategie der Kampagne und werde weder auf Podien mitreden noch in der Arena auftreten.»

«Die Demokratie wird geschwächt»

Anders als vor acht Jahren ist ihr Einsatz für die SRG also ein Job – aber einer, den Zimmermann mit Leidenschaft macht. Das wird hörbar, wenn sie erklärt, wie wichtig eine Ablehnung der aktuellen Initiative für die Schweiz sei.

Man werfe ihr vor, sie rede stets von der Demokratie, sagt sie mit Anspielung auf ein Porträt in der «NZZ», in dem es hiess, egal bei welchem Thema, immer gehe es Zimmermann um die «Rettung der Demokratie». «Institutionen werden laufend angegriffen, auch hier wieder», insistiert sie. «Die Medien sind die Wächter der Demokratie. Wenn man sie kaputtmacht, schwächt man die Demokratie und wird anfälliger für Fake News und Desinformation.»

Dass es für diese «Schwächung der Demokratie» am 8. März eine demokratische Mehrheit gibt, ist nicht unwahrscheinlich. Im Oktober 2025 ergab eine Umfrage zur Halbierungs-Initiative einen Ja-Anteil von 56 Prozent. Eine weitere Umfrage, die das Nein-Lager Anfang Dezember durchführen liess, aber geheim halten wollte, ergab noch eine Mehrheit von 52 Prozent – und eine mit 4 Prozent sehr geringe Zahl von Unentschiedenen.

«Die Initiative ist schlau formuliert»

Zimmermann betont, sie sei mittlerweile etwas optimistischer als auch schon, doch der Abstimmungskampf werde anspruchsvoll. Es sei ein grosses Problem, dass die Initiative moderat wirke, weil sie die Gebühren nicht abschaffen, sondern begrenzen wolle. «Die Urheber haben ihre Initiative schlau formuliert. Sie ist aber nicht weniger gefährlich als No Billag.»

Die Kampagne des Ja-Lagers komm daher, als ginge es darum, den Armen in der Schweiz zu helfen, sagt Zimmermann. «Sie setzt voll auf das Thema der hohen Lebenshaltungskosten.» Sie befürchtet, dass diese Argumentation viele überzeugt, zumal sich die Tendenz bei Abstimmungen verstärkt habe, mehr auf Eigeninteressen als auf die der Allgemeinheit zu schauen.

Für den Durchschnittskonsumenten wäre die Senkung der Gebühren laut Zimmermann allerdings ein Eigengoal: «Wenn der SRG künftig das Geld fehlt, Sportereignisse zu übertragen und gute Filme und Serien zu zeigen, werden die Leute private Streamingabos lösen müssen, die sie insgesamt mehr kosten werden als die Serafe.»

«Wir haben es mit einem starken Gegner zu tun»

Finanziell gibt es im Nein-Lager noch Luft nach oben. Das Ziel, zwei Millionen Franken für die Kampagne zu sammeln, wurde verfehlt. Rund 1,3 Millionen Franken seien bislang in der Kasse, sagt Zimmermann. Dass ein beträchtlicher Teil davon – 400’000 Franken – von der Trägerschaft der SRG stamme, sorgte für Aufruhr.

Zu Unrecht, wie Zimmermann findet: «Dieses Geld stammt ja nicht aus Gebühreneinnahmen.» Von vielen Organisationen und Personen seien Grossspenden eingegangen, mehrere Hundert hätten Kleinspenden beigesteuert. Klar sei aber, dass das Ja-Lager über mehr Mittel verfüge. «Wir haben es mit einem starken Gegner zu tun, der alle Register zieht, um die SRG zu schwächen.»

«Ich hoffe, die Gesellschaft wacht auf»

Kann Zimmermann ihren No-Billag-Coup wiederholen? Die Welt sei eine andere als noch vor acht Jahren, räumt sie ein. «Seither gab es Corona, zwei Kriege – und im Weissen Haus sitzt ein Präsident, der immer irrer wird.» Die Demokratie stehe weltweit unter Beschuss. «In solchen Zeiten brauchen wir ein gesundes Mediensystem, zumal die Schweiz ein Sonderfall mit vier Sprachen ist.»

Ende Januar startet die nationale Plakatkampagne gegen die Halbierungs-Initiative. Zimmermann hofft, dass die Gesellschaft aufwacht und sich für den Service public engagiert. «Wir müssen es jetzt schaffen, diesen Abstimmungskampf auf die Strasse zu bringen.» Dann sei es möglich, das Blatt noch zu wenden. «Eines ist klar: Ich will auch dieses Mal nicht verlieren!»

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