Darum gehts
- Die SVP nutzt ausländische Stockfotos für Kampagne zur Halbierungs-Initiative
- Fotos aus Serbien und der Ukraine sorgen für Fragezeichen
- Ja-Komitee begründet Einsatz günstiger Symbolbilder mit kleinem Kampagnenbudget
Die Befürworter der Halbierungs-Initiative um die SVP und den Gewerbeverband werben mit emotionalen Sujets. Auf ihrer Kampagnen-Website finden sich mehrere Motive, die mit pointierten Slogans für ein Ja zur SRG-Initiative werben. Eines davon zeigt einen Bauarbeiter in Arbeitskleidung, dazu der Schriftzug: «Mehr Geld für unsere Büezer».
Doch ausgerechnet dieses Bild stammt nicht aus der Schweiz. Recherchen zeigen: Das Sujet wurde in Serbien aufgenommen. Das zeigt ein Abgleich mit der Bilddatenbank, über die das Foto bezogen wurde. Dort ist ein sogenannter Location-Stempel ersichtlich. Das verwendete Model ist demnach kein Schweizer Arbeiter, sondern ein professionelles Fotomodell vom Balkan.
Bildsprache wirft Fragen auf
Anders gesagt: Die Kampagne bedient sich eines Sujets, das gezielt Nähe zur Schweizer Arbeiterschaft herstellen soll – greift dafür aber auf ein Foto zurück, das weit weg von der Schweiz entstanden ist.
Auch sonst wirft die Bildsprache des Befürworter-Komitees Fragen auf. Ein weiteres Kampagnen-Sujet zeigt eine Mutter mit ihrer Tochter. Auch dieses Bild wurde offenbar nicht in der Schweiz aufgenommen. Gemäss den Metadaten der Bilddatenbank stammt das Foto mutmasslich aus der Ukraine. Der Slogan dazu: «Endlich mehr Geld für uns alle».
Symbolfotos – sogenannte Stockbilder – sind in politischen Kampagnen weit verbreitet, weil sie schnell verfügbar und rechtlich abgesichert sind. Gleichzeitig leben Abstimmungskampagnen von Authentizität und Identifikation. Gerade bei Sujets, die explizit mit «unseren» Arbeitnehmern oder Familien werben, kann der Einsatz von Bildern aus dem Ausland als Widerspruch wahrgenommen werden.
Ja-Komitee erklärt sich
Da stellt sich die Frage, warum ausgerechnet die Schweizerische Volkspartei auf das Schweizer Gütesiegel verzichtet und Bilder aus dem Ausland verwendet. «Die Diskussion über die Herkunft der Foto-Testimonials weisen wir als rassistisch motiviert zurück», empört sich SVP-Politikerin Susanne Brunner (53) im Namen des Ja-Komitees gegenüber Blick.
Die Zahlung der SRG-Gebühren sei nicht an den Pass oder eine Nationalität gebunden. «Auch Arbeiter und Angestellte mit ausländischen Nationalitäten müssen diese weltweit höchste Gebühr bezahlen.»
Im Gegensatz zu den Gegnern der Halbierungs-Initiative verfüge das Ja-Komitee nur über ein kleines Budget, erklärt Brunner. Daher könne man sich keine teuren Fotoshootings leisten, sondern müsse auf Symbolbilder zurückgreifen.
«Diese Symbolbilder zeigen, dass vor allem Angestellte und Arbeiter mit geringen Löhnen am meisten von der Gebühren-Senkung profitieren, da die Gebühr nicht nach Höhe des Einkommens, sondern pro Haushalt abgerechnet wird», sagt Brunner. Egal, ob es sich um den Haushalt eines Millionärs oder eines Arbeiters mit kleinem Einkommen handle. «Die Initiative ist daher äusserst sozial!»