Darum geht es bei der Halbierungs-Initiative
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Sparmassnahmen für die SRG:Darum geht es bei der Halbierungs-Initiative

Wohin verschwindet unser Gebühren-Geld?
So trifft die Halbierungsinitiative die SRG wirklich

Woher nimmt die SRG ihr Geld? Wohin verschwindet es? Und was wird passieren, wenn die Halbierungsinitiative angenommen würde? Der grosse Überblick.
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Am 8. März muss die Schweizer Stimmbevölkerung entscheiden, ob die Rundfunkgebühr von heute 335 auf 200 Franken sinken soll.
Foto: CHRISTIAN BEUTLER

Darum gehts

  • Die Halbierungsinitiative für SRG-Gebühren wird vor der Abstimmung kontrovers diskutiert
  • 2024 erhielt die SRG 1,29 Milliarden Franken, 80 Prozent aus Serafe-Rechnungen
  • Bei Annahme blieben nur 630 Millionen Franken Gebühren übrig
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Wie viel Geld braucht der öffentliche Rundfunk in der Schweiz? Die Frage wird vor der Abstimmung zur SRG-Halbierungsinitiative heiss diskutiert. Nur: Klare Antworten fehlen sowohl bei Befürworterinnen als auch Gegnern weiterhin.

Eine Halbierung des Gebührentopfs käme einem Kahlschlag gleich, warnen die SRG-Unterstützer. Das aufgeblähte Angebot verkrafte eine zünftige Sparkur, so die Initianten. Blick zeigt auf, wo das Geld bei der SRG heute hinfliesst – und wo es zukünftig fehlen könnte.

Noch sieht es gut aus

Die aktuellste Jahresrechnung der SRG ist aus dem Jahr 2024. Und: Sie weist eine äusserst ausgeglichene Rechnung aus – so wie auch in den Jahren zuvor. Die Ausgaben steigen jedoch fortlaufend, unter anderem wegen der Teuerung. Vom Bund wird sie durch einen Teuerungsausgleich abgefedert, den er der SRG jährlich zusätzlich aus dem Gebührentopf ausbezahlt.

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Gleichzeitig sanken die zusätzlichen Einnahmen durch Werbung und Sponsoring in den letzten Jahren empfindlich. Seit letztem Jahr gibt es für die SRG einen weiteren empfindlichen Einschnitt: Wie der Bundesrat entschieden hat, erhält das Medienhaus zukünftig nicht mehr den vollen Teuerungsausgleich. Statt wie 2024 noch 69 Millionen waren es für 2025 nur noch 35 Millionen Franken.

Die Gebühren bestimmen das Angebot

Über 80 Prozent der Mittel der SRG stammen aus Serafe-Rechnungen, die jährlich an Privatpersonen und Unternehmen verschickt werden. 2024 flossen insgesamt 1,29 Milliarden Franken in den öffentlichen Rundfunk. Das ist nicht der gesamte Betrag: 6 Prozent der Abgabe gehen an private Anbieter mit Konzession.

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In den nächsten Jahren wird der Geldtopf zusätzlich verkleinert. Würde die Halbierungsinitiative angenommen, blieben der SRG laut Berechnungen des Bundes noch 630 Millionen Franken aus dem Gebührentopf.

Für das viersprachige Angebot wäre dies verheerend, so der Bundesrat – und griff mit einer Gegenmassnahme durch: Die Abgabe sinkt auch bei einem Nein bis 2029 schrittweise von heute 335 auf 300 Franken. Zur SRG gehen damit noch 1,2 Milliarden Franken – rund 120 Millionen Franken weniger. Gleichzeitig würden auch die Werbeeinnahmen weiter einbrechen, warnte die SRG. Bis 2029 müssten insgesamt rund 270 Millionen Franken eingespart werden.

Das Personal ist der Kostentreiber

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Ende 2024 arbeiteten 7130 Personen bei der SRG – in Teil- und Vollzeitpensen. Das geht ins Geld: Der Personalaufwand macht über die Hälfte der Ausgaben aus. Er ist somit der grösste Hebel des Konzerns, um die Kosten zu dämpfen.

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Das weiss auch Generaldirektorin Susanne Wille (51): 2024 kündigte sie mit «Enavant» die bisher grösste Transformation der SRG-Geschichte an. Dabei sollen bis in drei Jahren auch rund 900 Stellen abgebaut werden.

Gleichzeitig wird auch die SRG-Geschäftsleitung verkleinert. Das Rundfunk-Kader ist im Abstimmungskampf regelmässig Thema – auch wenn es bloss 7 Prozent der Lohnsumme ausmacht. Letztes Jahr merkte der Bund in seinem Kaderlohnbericht die SRG an, dass die Verwaltungsratsmitglieder 2024 die vorgesehene Lohnsumme von insgesamt 409’000 Franken knapp überschritten hatten. Ein unglückliches Signal hinsichtlich des Abstimmungskampfs.

Auch als bekannt wurde, dass Generaldirektorin Wille letztes Jahr rund 518’000 Franken und die weiteren acht Mitglieder der Geschäftsleitung je um die 390’000 Franken verdienten, gab es sogleich Wortsalven vonseiten der SRG-Gegner.

Die Unterhaltung steht unter Beschuss

Bei der jährlichen SRG-Lohnsumme von rund 657 Millionen Franken spielen die Kaderlöhne nur eine kleine Rolle. Das wissen auch die Halbierungsbefürworter: Hans-Ulrich Bigler (67), Komiteemitglied und ehemaliger Direktor des Gewerbeverbands, nannte die Rufe nach Lohnkürzungen gegenüber «20 Minuten» eine «Scheindebatte».

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Stattdessen gehe es um «eine Rückbesinnung auf den Grundauftrag», so die Initianten. Die SRG produziere zu viel «Schrott», drückte es etwa SVP-Präsident Marcel Dettling (45) kürzlich in der SRF-Sendung «Club» aus.

Die viel gescholtenen Film- und Unterhaltungsformate machen jedoch kaum ein Viertel der SRG-Programmausgaben aus. Den grössten Anteil haben weiterhin die Informationssendungen. Das liegt auch an den Vorgaben des Bundes: Die Konzession bedingt, dass mindestens 50 Prozent der Gebührengelder für Information aufgewendet werden.

Transformation auf Kosten der Regionen?

Neben Einschnitten bei Film, Kultur und teuren Sportproduktionen wird der Umbruch daher vermutlich besonders bei der Vielfalt in den Regionen stattfinden.

Bei den Regionaljournalen von Radio SRF wurden etwa bereits Sparmassnahmen umgesetzt. Und mit der laufenden Transformation wird das Medienhaus über die Regionen hinweg Strukturen bündeln. Einen Abbau des Programmangebots wolle man jedoch noch so weit wie möglich vermeiden.

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Fallen mit der Halbierungsinitiative noch mehr Gebührengelder weg, wirkt sich das auf den internen Finanzausgleich aus. 2024 überwies die Deutschschweizer SRG den anderen drei Sprachregionen insgesamt 370 Millionen Franken. Das SRG-Programm in der Romandie, der italienischen und besonders der rätoromanischen Schweiz bereitzustellen, ist teurer, als es die dortige Bevölkerung ermöglichen könnte.

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