Darum gehts
- Die Schweiz stimmt am 8. März über SRG-Initiative zu Gebührenreduktion ab
- Private Sender zweifeln an Fähigkeit, SRG-Angebot vollständig zu ersetzen
- Radio- und TV-Gebühren könnten auf 200 Franken pro Jahr gesenkt werden
Die SRG zittert. Am 8. März stimmt die Schweiz über die SRG-Initiative ab. Diese will die Radio- und Fernsehgebühren auf 200 Franken senken. Damit wäre «eine deutliche Reduktion der Programme zwingend und Sendungen müssten gestrichen werden», warnte Medienminister Albert Rösti (58, SVP).
Private Anbieter müssten wohl einspringen. Doch ist das realistisch? Und wo könnten sie übernehmen? Blick hat bei rund einem Dutzend Radio- und Fernsehstationen nachgefragt.
Regionale News
Viele halten sich bedeckt. Zahlreiche Lokalsender – wie zum Beispiel das Ostschweizer TVO oder Tele M1 aus den Kantonen Aargau und Solothurn – gehören zum Medienhaus CH Media. Blick-Fragen zum Lokaljournalismus beantworten nicht die Chefredaktoren, sondern die Konzernzentrale. Schon heute leiste man einen wichtigen Beitrag zum Service public. Dazu gehören News- und Talksendungen, aber auch regionaler Sport wie Schwingen.
«Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung prüft CH Media auch im regionalen Fernsehen kontinuierlich neue Sendungen.» Entscheidend sei, dass sich die SRG in Zukunft stärker auf ihre Kernbereiche konzentriere und beim Sport und der Unterhaltung «vermehrt Rücksicht auf private Anbieter nimmt». Das decke sich aber mit den Plänen für eine neue Konzession.
Die Radiostationen äussern Zweifel. Radio Südostschweiz würde zwar die Berichterstattung gerne ausbauen, scheitert aber an den Ressourcen. Neues Personal einzustellen, sei in absehbarer Zukunft «nicht realistisch».
Ähnlich klingt es bei Radio Beo: Einen Wegfall der SRG würde man sehr bedauern. Es sei eine gute Ergänzung zum Programm. Um neue Journalistinnen und Journalisten einzustellen, sei das Budget zu beschränkt. Und auch bei Radio Fribourg heisst es: «Dies wäre nur denkbar, wenn wir auf dem Werbemarkt von einem massiven Anstieg unserer Einnahmen profitieren würden – was bei weitem nicht garantiert ist, ganz im Gegenteil.»
Randregionen: Werbemarkt reicht nicht
Das Tessin wäre von einer SRG-Kürzung besonders betroffen. Die SRG verteilt die Gelder nämlich zwischen den Sprachregionen. Ins Tessin fliesst mehr Geld, als über die Gebühren hereinkommt. Der Lokalsender Tele Ticino könnte nicht gross einspringen, um die SRG zu ersetzen. «Der regionale Werbemarkt ist nicht in der Lage, eine strukturelle Erweiterung dieser Grössenordnung zu tragen», erklärt Direktor Sacha Dalcol.
Man könne sich zwar weiterentwickeln, aber nicht das SRG-Angebot ersetzen. Auch zusätzliches Personal sei finanziell nicht machbar. Dalcol: «Ausserdem ist derzeit noch nicht einmal klar, wie das Profil der RSI im Falle einer Annahme der Initiative aussehen würde, sodass jede operative Hypothese verfrüht wäre.»
Sport: Fussball ja, Rest unsicher
Im Sportbereich bietet der Sender Blue eine Alternative. Er zeigt beispielsweise die Spiele der höchsten Schweizer Fussballliga. Blue schreibt knapp: «Wir evaluieren unabhängig von dieser Initiative den Sportrechtemarkt laufend. Zusätzliche Übertragungen müssen unser Angebot passend ergänzen und wirtschaftlich sein.»
Doch für Randsportarten sieht es schlecht aus – denn an diesen dürften auch Private kaum Interesse zeigen. Bei SRF liefen zum Beispiel 2025 auch die Orientierungslauf-Weltmeisterschaften. Ob diese wirtschaftlich genug sind, darf bezweifelt werden.
Unterhaltung – es muss sich rechnen
In der Unterhaltungsbranche gibt es mit 3+ aus dem Hause CH Media einen weiteren Sender. Man setze bereits auf aufwendig produzierte Formate und Livesendungen, heisst es dort. «Private Anbieter können solche Sendungen grundsätzlich produzieren. Voraussetzung dafür ist, dass diese Produktionen über Werbung oder Sponsoring finanziert werden können.»
Beim Schweizer Fenster von ProSieben und Sat.1 würde die Berichterstattung nach den Kriterien «Zuschauerinteresse und Wirtschaftlichkeit» geplant. Man habe auch schon Liveshows speziell für den Schweizer Markt produziert: «Solche Programm-Entscheide fällen wir unabhängig von der SRG-Initiative.»
Initianten: «Es gibt kein Recht auf Übertragung»
Für SVP-Nationalrat Gregor Rutz (53) ist die Diskussion hypothetisch. «Die SRG hat vielerorts faktisch ein Monopol. Die privaten Sender können gar nicht überlegen, wie es ohne sie wäre.» Informationssendungen brauche es weiterhin bei der SRG, sagt der Zürcher. «Dort ist das Geld richtig eingesetzt. Sparen kann man an anderer Stelle, etwa im Unterhaltungsbereich oder bei Social Media.»
Dass Randsportarten nicht mehr übertragen werden, nimmt Rutz in Kauf. «Es gibt kein Recht auf Übertragung.» Bei Unterhaltung könne die SRG mehr den Privaten überlassen. Doch diese finanzieren sich über Werbung – schwierig, wenn immer mehr Geld an die US-Konzerne Google und Meta fliesst. «Statt immer neue Werbeverbote zu fordern, müssen wir die Werbebeschränkungen in der Schweiz lockern. Dann können Private leichter Shows übertragen.»
Fazit: Es kommt drauf an
Egal, wie die Abstimmung ausgeht: Die SRG wird einen neuen Leistungsauftrag bekommen – die sogenannte Konzession. Dort dürfte sie sich stärker auf die Information konzentrieren müssen – mit mehr oder weniger Geld. Doch für die privaten Sender wird sich nicht viel ändern. Dass sie bei der Unterhaltung und beim Sport voll in die Bresche springen könnten, darf bezweifelt werden.
Klar ist auch: Das lineare Fernsehen und das Radio haben längst nicht mehr die Bedeutung, die sie einst hatten. Wenn nicht gerade Olympia läuft, schauen viele Junge höchstens zeitversetzt fern und informieren sich stattdessen auf Newsportalen oder in sozialen Medien. Dort ist die Auswahl nochmals grösser.