Darum geht es bei der Halbierungs-Initiative
2:01
Sparmassnahmen für die SRG:Darum geht es bei der Halbierungs-Initiative

Blick schaut mit Bundesrat Rösti Fernsehen – er ist gegen die SRG-Initiative
«Nie mehr so gute Sendungen wie früher»

Zuerst stutzte Albert Rösti die SRG mit einer Gebührensenkung zurecht. Jetzt verteidigt der einstige SRG-Gegner das Fernsehen gegen die Abbaupläne seiner SVP. Was er früher besser fand – und warum er sich über Büssers Gast aufregte. Ein TV-Abend mit dem Bundesrat.
Kommentieren
1/8
Als Medienminister ist Bundesrat Albert Rösti gegen die Halbierungs-Initiative.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

  • Albert Rösti verbindet Kindheitserinnerungen mit dem Schweizer Fernsehen
  • Die Initiative zur Halbierung der SRG-Gebühren lehnt der Bundesrat ab
  • Rösti erklärt, welche Änderungen es bei der Konzession der SRG braucht
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Als Bub war Albert Rösti (58) vom Schweizer Fernsehen begeistert. Nur die Grossmutter hatte einen Apparat, samstagabends versammelte sich die Familie in ihrer Stube. Es gab nur einen Sender, und die grossen Kisten hiessen «Teleboy» oder «Einer wird gewinnen». Der kleine Albert durfte ausnahmsweise bis zehn Uhr aufbleiben, was fast das Schönste am Fernsehen war. An Silvester konnte er noch länger schauen, es gab Glitzer und Glamour am Bildschirm – und bei Familie Rösti wurden nach Mitternacht immer Wienerli und Pommes-Chips serviert.

Bis heute ist das bei Rösti zu Hause zum Jahreswechsel Tradition. Er findet, dass «es eigentlich nie mehr so gute Sendungen gab wie damals». Allein wegen der ganzen Atmosphäre. Das Fernsehen war ein Ereignis. «Es war das Tor zur grossen weiten Welt», sagt er. 

«Ou, ‹Die Chefin› kommt»

Später machte der Bauernsohn aus dem bernischen Kandersteg Karriere. Er wurde Nationalrat und Präsident der SVP Schweiz. Da war seine Freude am Schweizer Fernsehen nicht mehr so gross. Zwar galt: Auch schlechte Presse ist besser als gar keine Schlagzeilen. Aber Rösti hatte nicht das Gefühl, dass das SRF ausgewogen berichtet. Als seine SVP 2019 bei den Wahlen stark verlor, war Parteipräsident Rösti richtig hässig. 

Das «Staatsfernsehen» habe «aus dem Klimastreik eine nie da gewesene Propagandaschlacht gemacht», sagte Rösti damals. Er gab der SRG eine Mitschuld an der Niederlage und drohte mit einer Initiative zur Halbierung der Rundfunkgebühren, «um die SRG auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen». Und so kam es: Der Berner Oberländer wurde zum Mitinitianten der Halbierungs-Initiative. 

Es ist Dienstagabend, und in seinem Bundesratsbüro schaltet Rösti den Fernseher ein. Die Weibelin hat einen Tee gebracht, im Hintergrund läuft «Schweiz aktuell». Rösti schaut das Programm an. «Ou, ‹Die Chefin› kommt», sagt er. Er kennt und mag die dienstagabendliche Krimiserie. 

Viel Zeit zum Fernsehen hat Rösti in seinem Alltag nicht.
Foto: Philippe Rossier

Rösti und die SRG, das ist jetzt eine komplizierte Beziehung. Der Mitinitiant der Halbierungs-Initiative ist heute Schweizer Medienminister und muss die Initiative bekämpfen. 

«Der Druck ist schon jetzt sehr gross»

Was würde der frühere Albert Rösti zum Bundesrat Rösti sagen? Rösti stellt die Gegenfrage: Würde man über dasselbe diskutieren, wenn jemand anderer Bundesrat geworden wäre? 

Er hat eine Verordnungsänderung durchgebracht, die die Gebühren von 335 auf 300 Franken senkt und die meisten Unternehmen entlastet. Die Initianten hätten viel erreicht, sagt Rösti. Und mit den vom Bundesrat bereits eingeleiteten Änderungen müsse die SRG «beträchtliche Einsparungen» machen. 270 Millionen sind es. «Der Druck ist schon jetzt sehr gross. Er würde noch grösser», sagt Rösti. 

Rösti und die SRG, das war lange eine eher komplizierte Beziehung.
Foto: Philippe Rossier

Und seinen Gegnern gibt er zu bedenken: Beim massiven Abbauprogramm käme es zwangsläufig zu einer Zentralisierung. «Wenn alles nur noch in den Städten produziert wird, weiss ich nicht, ob das Ziel von mehr Ausgewogenheit erreicht wird, das die Initianten wollen.» Einsparungen «müssen aber in einem Mass sein, in dem die SRG ihren Auftrag im Bereich Information und Kultur weiterhin dezentral und in vier Sprachen erfüllen kann».

Hier will Rösti bei der Konzession ansetzen

Der Medienminister lässt aber keinen Zweifel: Es gibt nach der Abstimmung weitere Pläne. Der Bundesrat muss die Konzession erneuern. Die SRG müsse ihre audiovisuellen Inhalte online bringen, findet Rösti. Beliebig lange News-Texte brauche es aber nicht. «Das können die Privaten auch.» Und jedes Sport- oder Unterhaltungsangebot dürfte dort auch keinen Platz mehr finden. 

Und die Ausgewogenheit werde ein Thema, sagt Rösti. «Es gibt Sendungen, die Luft nach oben haben.» Noch immer regt er sich zwischendurch auf. Dass mitten in der heissen Phase des Stadtzürcher Wahlkampfes SP-Lokalmatadorin Jacqueline Badran (64) in der Sendung «Late Night Switzerland» bei Stefan Büsser (40) zu Gast ist, findet Rösti «unausgewogen». 

«Trump mit Primaten zu vergleichen, ist eine Beleidigung an die Primaten»
1:30
«Late Night Switzerland»:«Trump mit Primaten zu vergleichen, ist eine Beleidigung an die Primaten»

Seine Tochter schaue kaum mehr Fernsehen. Gut informiert sei sie dennoch, sagt Rösti. Macht er in der «Arena» oder anderswo eine markige Aussage, weiss sie das über die sozialen Medien rasch. Rösti gehört jetzt zu den Figuren, die öfter auf dem Bildschirm erscheinen, als dass er selbst Fernsehen schauen könnte. 

Er sehe sich nicht allzu gerne im Fernsehen, vor Auftritten sei er nervös. Aber er habe Gelassenheit gelernt, auch bei Kritik. Es sei wichtig, gute und vertrauenswürdige Informationsgefässe zu haben, sagt der Bundesrat. 

Glaubwürdigkeit gewinne gerade in Zeiten von KI an Bedeutung. «Für mich ist es wichtiger, einen Sender zu haben, der Bildung, Information und Kultur auf einer breiten Ebene bringt, was ich sonst vielleicht nicht überall in dieser Konzentration habe.» Die SRG sei ein wesentlicher Sockel in der Schweizer Medienlandschaft, von dem auch andere Medien profitierten.

«Meine Frau ist die Chefin beim Fernsehschauen»

Um 19.30 Uhr erscheint «Tagesschau»-Moderator Florian Inhauser (58) auf dem Bildschirm. Oft kommt Rösti nicht dazu, diese Sendung zu schauen. Das muss er auch nicht: Als Bundesrat wird er von seinem Stab permanent mit den wichtigsten Informationen versorgt. Nach durchgetakteten Sitzungstagen informiere er sich aber gerne per «Tagesschau», sagt Rösti. Im Auto oder vor dem Einschlafen höre er Radio. 

Albert Rösti ist seit Anfang 2023 Mitglied des Bundesrats.
Foto: Philippe Rossier

Albert Rösti hat kein Netflix, sein Medienkonsum ist eher traditionell. Am Wochenende schaue er zum Entspannen ab und zu einen Film. «Nichts Philosophisches», sagt Rösti. Einen schönen Film oder einen Krimi. Die Fernbedienung sei dann oft bei seiner Gattin Theres (57). «Meine Frau ist die Chefin beim Fernsehschauen», sagt er. «Ich zappe zu viel oder drücke versehentlich eine Taste.»

Die «Tagesschau» nähert sich dem Ende. Rösti schaltet den Fernseher in seinem Büro aus. Der Arbeitstag ist noch nicht fertig. «Die Chefin» sieht er auch diesen Abend nicht. 

Hier spielt Albert Rösti Schlagzeug
0:32
In Büssis Late-Night-Show:Hier spielt Albert Rösti Schlagzeug
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen