«Er bezeichnet sich als Zionist bis ins Mark»
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RTS-Kommentator über Edelman:«Er bezeichnet sich als Zionist bis ins Mark»

«Judenhassender Schweizer»
US-Botschafter geht wegen RTS aufs Ganze – die SRG mauert

Ein Schweizer RTS-Kommentator löst mit Aussagen über den israelischen Bobfahrer Adam Edelman Empörung aus. Der Sportjournalist warf dem Athleten Genozid-Unterstützung vor. Nicht nur Mike Huckabee, US-Botschafter in Israel, reagiert heftig auf den Vorfall.
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Während der Fahrt des israelischen Teams um Adam Edelman stellte ein RTS-Journalist die Teilnahme des Bobteams infrage.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • RTS-Kommentator Renna kritisiert israelisches Bobteam bei Olympia in Cortina d’Ampezzo
  • Israelischer Sportminister fordert IOC-Sanktionen gegen SRG wegen Rennas Aussagen
  • SRG entfernt Beitrag und entschuldigt sich, präzisiert Sportkommentar-Richtlinien
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Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Seit dieser Woche ist RTS-Sportkommentator Stefan Renna in den internationalen Schlagzeilen. Seine Äusserungen während der Live-Übertragung des olympischen Bobrennens in Cortina d’Ampezzo sorgen im Netz für gemischte Gefühle.

Was war passiert? Während der Fahrt des israelischen Teams um Adam Edelman (34) stellte Renna die Teilnahme des Bobteams infrage – unter anderem aufgrund Edelmans lautstarker Unterstützung des israelischen Vorgehens in Gaza – und unterstellte ihm, einen Genozid zu unterstützen. Nicht nur aus der israelischen Regierung folgt Gegenwehr, auch US-Vertreter schiessen scharf.

Beitrag rasch gelöscht

Lange war der Beitrag nicht im Netz: Bereits am Sonntagabend entfernte RTS die Sequenz – und hielt in einem Statement fest: Renna habe die Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bezüglich der Aussagen von Edelman hinterfragen wollen. «Die darin enthaltenen Informationen sind jedoch, obwohl faktisch korrekt, aufgrund ihres Umfangs für einen Sportkommentar ungeeignet.»

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Auch Bob-Athlet Edelman äusserte sich über X zu Rennas Äusserungen. Sein Team bestehe aus «sechs stolzen Israelis».

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Israelischer Sportminister fordert Sanktionen

Rückenwind erhält der Bobfahrer auch von den regierenden Rechtspopulisten aus Israel und aus den USA: Wie die US-Nachrichtenagentur Jewish News Syndicate – der Artikel wurde unter anderem vom Portal «New York Post» verbreitet – berichtet, rief der israelische Minister für Kultur und Sport, Miki Zohar (45), das IOC dazu auf, die SRG für den Vorfall zu verurteilen. «Es ist inakzeptabel, dass Rundfunkverbände weltweit israelische Sportler diffamieren, sie als Befürworter von Völkermord darstellen und ihre Disqualifizierung fordern», schrieb Zohar in einem hebräischen Statement auf X.

Mike Huckabee (70), US-Botschafter in Israel, äusserte sich auf X noch deutlicher: Der «judenhassende Schweizer Sportkommentator» habe Vorurteile und Hass verbreitet. Rennas Aussagen seien «mehr als widerwärtig».

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SRG äussert sich nur selektiv

Muss sich die SRG um Direktorin Susanne Wille (51) nun also Sorgen um eine Reaktion des IOC machen? Auf eine weitere Blick-Anfrage folgt erstmals Stille. Nach rund einem Tag – und mehreren Nachfragen – meldet sich doch noch ein RTS-Sprecher: Man habe das Statement nun ein wenig ergänzt.

«Das RTS verpflichtet sich zu wahrheitsgemässer, unabhängiger und respektvoller Berichterstattung», teilt der Westschweizer Sender nun mit. «Im Sinne journalistischer Sorgfalt werden wir das Format für Sportkommentare in unseren Redaktionen präzisieren. Wir entschuldigen uns, falls sich jemand durch diesen Vorfall beleidigt gefühlt hat.» Auf die politischen Reaktionen aus Israel und den USA wird trotz erneuter Nachfrage nicht eingegangen.

Doppelmoral bei Olympia?

Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» stufte die in Genf ansässige Organisation gegen Antisemitismus Cicad die Ausführungen des RTS-Kommentators zwar nicht als antisemitischen Akt ein. Cicad-Generalsekretär Johanne Gurfinkiel sei jedoch «konsterniert». Renna sei «aus seiner Rolle gefallen», Edelman vorzuwerfen, einen Genozid zu unterstützen. Es sei eine absolut falsche und erlogene Anschuldigung.

Für Renna scheint der Auftritt von Edelman als Beweis für eine Doppelmoral innerhalb des IOC: Dessen Regeln besagen, dass Athleten, die Krieg aktiv unterstützen – sei es durch Pro-Kriegs-Events, militärisches Engagement oder Social-Media-Aktivitäten – nicht teilnahmeberechtigt sind.

Allerdings sei diese Richtlinie für russische Athleten formuliert worden, so der RTS-Kommentator. Zudem erinnert der Sportkommentator an den ukrainischen Skeletonfahrer Wladislaw Heraskewitsch (27), den das IOC wegen eines verbotenen Helms mit Bildern von im Krieg getöteten Sportkollegen disqualifizierte.

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