RTS-Kritik an israelischem Olympioniken
«Ich bin mir der Tirade eines Schweizer Kommentators bewusst»

RTS sorgt für einen Eklat: Während der Live-Übertragung des olympischen Bobfahrens beschuldigt der Kommentator den israelischen Athleten Adam Edelman, den Krieg und Genozid in Gaza zu befürworten. Edelman wehrt sich auf X gegen die «Tirade» des Schweizer Senders.
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Der Israeli Adam Edelman grüsst die Zuschauer am Ende eines Zweierbob-Laufs bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Cortina d'Ampezzo.
Foto: AP

Darum gehts

  • RTS-Kommentator kritisiert israelischen Bobfahrer Edelman bei Olympia 2026 politisch
  • Edelman wird Pro-Kriegs-Statements und Spott gegen «Free Palestine» vorgeworfen
  • Israelischer Athlet äussert sich auf X zur «Tirade» in Schweizer Olympia-Übertragung
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Als öffentlich-rechtlicher Sender hat RTS einen besonderen Auftrag zur Ausgewogenheit und Objektivität. Die olympische Bob-Sportberichterstattung vermischte ein RTS-Kommentator live mit politischen Stellungnahmen. Konkret ging es um den israelischen Athleten Adam Edelman (34), der sich auf X selbst als «Israels ersten Olympiateilnehmer in mehreren Sportarten» beschreibt: Skeleton 2018, Bob 2026.

Der RTS-Sprecher zitierte Edelman, der sich selbst als «Zionist bis ins Mark» («sioniste jusqu'à la moelle») bezeichnet habe. Er behauptet, Edelman habe in sozialen Medien mehrere Beiträge veröffentlicht, die den «Genozid in Gaza» befürworten («en faveur du génocide à Gaza»). Zudem zitiert er Edelman mit der Aussage, die israelische Militärintervention sei «der moralisch gerechteste Krieg der Geschichte».

Der RTS-Kommentator erwähnt auch, dass Edelman eine «Free Palestine»-Inschrift verspottet habe und kritisiert Edelman dafür, dass er seine Follower aufgerufen habe, einem israelischen Teammitglied «Kraft zu senden», als dieser 2023 in einer Operation der israelischen Armee im Gazastreifen engagiert war. Tatsache ist, dass fünf Teammitglieder nach dem 7. Oktober 2023 zum Militärdienst eingezogen wurden – was im Kontext der israelischen Wehrpflicht nicht ungewöhnlich ist.

Vergleich mit Russland

Der RTS-Kommentator stellt Edelmans Olympia-Teilnahmeberechtigung infrage, indem er auf Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) verweist. Diese besagen, dass Athleten, die Krieg aktiv unterstützten – sei es durch Pro-Kriegs-Events, militärisches Engagement oder Social-Media-Aktivitäten – nicht teilnahmeberechtigt sind.

Allerdings sei diese Richtlinie für russische Athleten formuliert worden, womit der RTS-Sportjournalist einen Doppelstandard andeutet. Implizit kritisiert er eine ungleiche Behandlung im Vergleich zu russischen Athleten. Zudem erinnert der Sportkommentator an den ukrainischen Skeletonfahrer Wladislaw Heraskewitsch (27), den das IOC wegen eines verbotenen Helms mit Bildern von im Krieg getöteten Sportkollegen disqualifizierte.

Athlet äussert sich zur «Tirade in Schweizer Olympia-Übertragung»

Edelman äusserte sich gleich auf X zum vom Schweizer Kommentator losgetretenen Kontroverse um sich und sein Team von «Shul Runnings» – der Name ist eine Anspielung auf den Film «Cool Runnings» aus dem Jahr 1993 über das jamaikanische Bobteam. Die Geschichten beider Teams sind auf fast magische Weise unwahrscheinlich. «Ich bin mir der Tirade des Kommentators gegen das israelische Bobteam in der heutigen Schweizer Olympia-Übertragung bewusst», schreibt Edelman. «Mir fällt der Kontrast sofort auf: ‹Shul Runnings› ist ein Team aus sechs stolzen Israelis, die es bis zu den Olympischen Spielen geschafft haben. Kein Trainer. Kein ausgeklügeltes Programm. Nur ein Traum, unbändiger Wille und unerschütterlicher Stolz auf unser Land. Gemeinsam arbeiten wir auf ein unglaubliches Ziel hin und erreichen es mit Bravour. Denn genau das tun Israelis.»

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Dann versucht Edelman, die Glaubwürdigkeit des TV-Kommentators zu untergraben: «Ich glaube nicht, dass man das mit ansehen und gleichzeitig dem Kommentar Glauben schenken kann.»

Edelman schliesst mit den Worten: «Wir freuen uns auf unseren letzten Zweierbob-Lauf und darauf, anschliessend im Viererbob, unserer Spezialdisziplin, zu glänzen.»

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