Darum gehts bei der Nachhaltigkeits-Initiative
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10-Millionen-Schweiz:Darum gehts bei der Nachhaltigkeits-Initiative

Blick erklärt die brisanteste Abstimmung des Jahres
Das musst du zur 10-Millionen-Initiative der SVP wirklich wissen

Am 14. Juni entscheidet das Stimmvolk über die 10-Millionen-Initiative der SVP. Ein Ja wäre mit massiven Auswirkungen verbunden. Blick erklärt, worum es geht – und schafft Durchblick in einer aufgeheizten Debatte.
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Die SVP will verhindern, dass die Bevölkerung vor 2050 auf über 10 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner steigt.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

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Ruedi StuderBundeshaus-Redaktor

9,1 Millionen Menschen leben aktuell in der Schweiz – und jedes Jahr kommen knapp 80'000 Leute dazu. Die SVP will diese Zuwanderung drosseln. Am 14. Juni entscheidet das Stimmvolk über die 10-Millionen-Initiative der Partei.

Diese will die Bevölkerungszahl bis 2050 auf maximal 10 Millionen Einwohner deckeln. Eine Forderung, die es in sich hat. Und die jüngsten Umfragen deuten auf ein knappes Rennen hin. Blick beantwortet die wichtigsten Fragen zur heissen Abstimmung. 

Was verlangt die Initiative?

«Zuwanderung treibt Zuwanderung an, weil auch diese Leute versorgt werden müssen. Das ist eine Spirale ins Unendliche», erklärte SVP-Chef Marcel Dettling (45) jüngst im Blick. «Ein derart ungesundes System müssen wir stoppen.»

Stoppen will seine Partei die Entwicklung mit ihrer Volksinitiative. Diese will verhindern, dass die Wohnbevölkerung vor 2050 auf zehn Millionen Menschen ansteigt – danach dürfte die Limite nur noch um einen allfälligen Geburtenüberschuss angepasst werden.

Wird die Obergrenze vor 2050 überschritten, muss der Bund Gegenmassnahmen ergreifen. Notfalls müssten auch bevölkerungstreibende internationale Abkommen gekündigt werden – explizit nennt die Initiative etwa das Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU.

Aktiv werden soll der Bund aber schon vorher: Wird die 9,5-Millionen-Grenze überschritten, muss der Bundesrat das Bevölkerungswachstum mit Massnahmen im Asylbereich oder beim Familiennachzug bremsen. Gleichzeitig soll auch die EU-Personenfreizügigkeit neu verhandelt werden.

Wie entwickelt sich die Zuwanderung?

9'149'100 – so viele Menschen leben gemäss Bevölkerungszähler des Bundesamts für Statistik in der Schweiz (Stand: 4. Mai 2026 um 17 Uhr). Aktuell kommt geschätzt alle 7 Minuten und 12 Sekunden eine weitere Person hinzu. 200 Leute pro Tag. 

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Die Schweizer Bevölkerung ist in den letzten Jahrzehnten fast immer gewachsen. Im Jahr 1900 zählte sie 3,3 Millionen, zur Jahrtausendwende mit 7,2 Millionen mehr als doppelt so viel. Nur 1918 (Spanische Grippe) sowie 1975 bis 1977 (Wirtschaftskrise) ging die Bevölkerung zurück. Seit der Einführung der EU-Personenfreizügigkeit 2002 stieg die Zahl von 7,3 auf nun 9,1 Millionen Menschen. 

Wann greift die Initiative?

Wann der Bund nach einem Ja zur Initiative effektiv eingreifen muss, hängt vom künftigen Bevölkerungswachstum ab. Das Bundesamt für Statistik hat dafür drei Szenarien für die Bevölkerungsentwicklung von 2025 bis 2055 vorgelegt.

Das sogenannte Referenzszenario geht von einem anhaltenden Wachstum aus, wonach die Bevölkerung 2055 etwa 10,5 Millionen Personen umfassen würde. Mit der SVP-Initiative dürfte es aber gar nicht so weit kommen.

Die 9,5-Millionen-Grenze würde in diesem Szenario im Jahr 2031 geknackt, wonach bereits erste Gegenmassnahmen ergriffen werden müssten. Die 10-Millionen-Marke würde 2041 erreicht.

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Schneller geht es, wenn das hohe Szenario mit einem stärkeren Wachstum eintrifft. Dann würde die 9,5-Millionen-Grenze schon 2029 und die 10-Millionen-Marke 2031 fallen.

Im tiefen Szenario hingegen erwartet das BFS ein langsameres Wachstum – gefolgt von einem Rückgang. Die Bevölkerungszahl würde bis 2039 auf 9,34 Millionen steigen und während mehrerer Jahre stagnieren. Ab 2047 würde ein minimer Rückgang einsetzen. Damit würden die in der Initiative postulierten Grenzen gar nie greifen.

Wer ist für die Initiative?

Die SVP hofft, dass sie ihren Abstimmungserfolg von 2014 mit der erfolgreichen Masseneinwanderungs-Initiative nun mit ihrer Nachhaltigkeits-Initiative, wie sie offiziell heisst, wiederholen kann. Unterstützung erhält sie dabei von der EDU. Vereinzelt haben auch kantonale Gewerbeverbände – etwa in Bern oder im Thurgau – die Ja-Parole beschlossen.

«Uns ist die Kontrolle entglitten»
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Matter wirbt für Initiative:«Uns ist die Kontrolle entglitten»

Drei wichtige Argumente der Befürworter:

  • Dichtestress: Die Initianten erachten die Zuwanderung als zu hoch und diagnostizieren Dichtestress. Darin sehen sie zahlreiche Probleme verbunden: Von der Wohnungsnot über die Zubetonierung der Landschaft bis hin zu Stau und überfüllten Zügen achten sie die hohe Zuwanderung als das Grundproblem. «Uns ist die Kontrolle entglitten», sagt SVP-Nationalrat Thomas Matter (60, ZH). Die Initiative soll die Zuwanderung in «vernünftige» Bahnen lenken.
  • Fachkräfte: Von den heute rund 80'000 Zugewanderten pro Jahr arbeite die Hälfte nicht, und vom Rest arbeite nur jeder Fünfte in einer Branche mit Fachkräftemangel. Auch mit der Initiative könnten jährlich 40'000 Arbeitskräfte ins Land geholt werden.
  • Kriminalität: Mit der Zuwanderung werde auch mehr Kriminalität importiert, so die Initianten. Als Beleg dafür sehen sie auch die jüngste polizeiliche Kriminalstatistik. 2025 wurden über 90'000 Personen einer Straftat beschuldigt – der Ausländeranteil macht dabei rund 58 Prozent aus.

Wer bekämpft das SVP-Begehren?

Eine breite Nein-Allianz stellt sich gegen das SVP-Begehren und spricht von einer «Chaos-Initiative». FDP, SP, Mitte, Grüne, GLP und EVP lehnen die Initiative ab. Ebenso Economiesuisse, Arbeitgeberverband, Gewerbeverband als auch Gastro- und Tourismusverbände. Unterstützt wird das Nein-Lager zudem von den Gewerkschaften.

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«Chaos, Chaos, Chaos»:Das sagen Parlamentarier zur 10-Millionen-Initiative

Drei wichtige Argumente der Gegnerschaft:

  • Fachkräftemangel: Die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge gehen in Rente, zu wenige jüngere Erwerbstätige rücken nach. In zehn Jahren würden unserer Wirtschaft rund 400’000 Angestellte fehlen. Im Gesundheitswesen drohe ohne ausländische Arbeitskräfte sogar ein Notstand. «Die SVP-Initiative ist lebensgefährlich!», sagt GLP-Nationalrat Patrick Hässig (47, ZH).
  • Bilaterale Verträge: Die Initiative gefährde die bilateralen Verträge, so die Gegner. Kommt es zur Kündigung der EU-Personenfreizügigkeit, fallen wegen der Guillotine-Klausel die Bilateralen I dahin. Damit wären auch die Schengen/Dublin-Abkommen infrage gestellt. Falle die Zusammenarbeit mit den EU-Ländern weg, werde die Schweiz zur Asylinsel – mit massiven Folgekosten.
  • Lohndruck: Mit dem drohenden Wegfall der EU-Personenfreizügigkeit wären auch die flankierenden Massnahmen dahin, warnen insbesondere die Gewerkschaften. Damit steige die Gefahr von Lohndumping. «Die Initiative ist radikal und würde Arbeitsplätze und Löhne massiv unter Druck setzen», sagt SGB-Chefökonom Daniel Lampart (57).

Will der Bundesrat die Zuwanderung bremsen?

Ja, auch der Bund will die Zuwanderung besser steuern, allerdings ohne dabei die bilateralen Verträge aufs Spiel zu setzen. SP-Bundesrat Beat Jans (61) sieht die Bilateralen III als eigentliches Gegenprojekt. «Sie beinhalten eine Schutzklausel, welche die Zuwanderung viel besser steuert», sagte er im Blick-Interview.

Zudem will der Bundesrat der SVP-Initiative mit verschiedenen Begleitmassnahmen den Wind aus den Segeln nehmen. Für den Arbeitsmarkt will er das inländische Arbeitskraftpotenzial besser ausschöpfen. So sollen unter anderem Personen, die im Rahmen des Familiennachzuges zugewandert sind, stärker und rascher in den Arbeitsmarkt integriert werden. Das betrifft vor allem Frauen.

Auch im Asylbereich hat er Massnahmen ergriffen, um die Zahlen zu reduzieren. Seit Jans' Amtsantritt vor zwei Jahren ist die Zahl von gut 30'000 auf 26'000 Asylgesuche gesunken. Weitere Verschärfungen sind geplant, um das Asylverfahren zu beschleunigen. 

Aufgegleist ist weiter eine Verschärfung der Lex Koller. Mit verschiedenen Anpassungen werden die Bedingungen strenger geregelt, unter welchen Personen im Ausland Immobilien in der Schweiz kaufen und behalten können. Zudem soll der Fonds de Roulement zur Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus um 150 Millionen Franken zusätzlich aufgestockt werden, damit mehr bezahlbare Wohnungen geschaffen werden können.

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