Darum gehts
- Timmys Leiche wurde am Freitag vor der dänischen Insel Anholt entdeckt
- Der Buckelwal strandete seit März mehrmals trotz intensiver Rettungsversuche
- Über 40 Tage dauerte das Drama um Timmy, das Millionen bewegte
Jetzt ist es offiziell. Die Geschichte von Timmy dem Buckelwal endet vor der dänischen Insel Anholt in der Ostsee. Am Freitag wurde der Kadaver eines Wals in der Nähe der Küste entdeckt. Am Samstag bestätigt die zuständige Gesundheitsbehörde nun, dass es sich dabei tatsächlich um Timmy handelt.
Es ist das Ende eines Tieres, dessen Schicksal in den letzten Wochen Millionen von Menschen berührte. Timmys Strandungen in Norddeutschland und die damit verbundenen Rettungsaktionen sorgten weltweit für Schlagzeilen. Seine vielen verschiedenen Rettungstruppen erhielten viel Zuspruch, ernteten aber auch Kritik.
Prolog: Die ersten Sichtungen
Timmys Geschichte beginnt im März. Zweimal wird der Buckelwal vor der Küste des deutschen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern gesichtet. Obwohl er hier noch nicht strandet, kämpft der Buckelwal bereits mit Problemen. Er hat sich in einem Fischernetz verfangen. Rettungskräfte versuchen mehrmals, ihn von den Fetzen zu befreien. Dies gelingt jedoch nur teilweise.
Kapitel 1: Timmendorfer Strand
Am 23. März strandet Timmy dann zum ersten Mal. Mehrere Tage lang bleibt er auf einer Sandbank beim Timmendorfer Strand gefangen. Was folgt, ist eine Woche voller unglücklicher Rettungsversuche mit Schaulustigen, Behörden und Experten.
Timmys Retter versuchen, ihn mit einer Rettungsrinne freizugraben. Mehrere verschiedene Bagger kommen dabei zum Einsatz. Schon damals hinterfragen einige Experten jedoch die Rettungsversuche. Die Option, dem Wal Sterbehilfe zu leisten, wird bereits diskutiert.
In der Nacht auf den 27. März gelingt es dem Buckelwal, sich durch die gegrabene Rinne ins tiefere Wasser zu kämpfen und freizuschwimmen. Doch schon am nächsten Tag strandet das Tier erneut, diesmal in der Wismarbucht südlich der Insel Walfisch. Er kann sich zwar ein weiteres Mal selbst befreien, sitzt aber ab Anfang April scheinbar endgültig vor der Insel Poel fest.
Kapitel 2: Insel Poel
Mehrere Rettungsaktionen scheitern. So versuchen etwa Wissenschaftler und Behörden, den Wal mit Lärm zu aktivieren. Die Rettungsversuche werden Anfang April aufgrund des schlechten Gesundheitszustands von Timmy eingestellt. Naturschützer empfehlen, den Wal in Frieden sterben zu lassen.
Dieser Meinung sind allerdings nicht alle. In Absprache mit dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern eilt Media-Markt-Multimillionär Walter Gunz (79) dem Wal zur Hilfe. Seine gross angelegte private Rettungsaktion versucht wochenlang, Timmy zu befreien.
Dafür wird ein komplexer Rettungsplan geschmiedet: Der Buckelwal soll gen Atlantik geschleppt werden. Eine mehr als 100 Meter lange Rinne sollte gegraben werden, um Timmy in sein Wassertaxi zu verfrachten.
Kapitel 3: Per Wassertaxi durchs Meer
Trotz Unstimmigkeiten innerhalb der Walretter-Truppe und vieler weiterer bürokratischer Hürden gelingt der waghalsige Rettungsplan tatsächlich! Am Dienstag, dem 28. März, schwimmt Timmy durch die Rinne in sein Wasser-Taxi, eine Barge mit ausgehöhltem Innenbereich.
Diese Barge wird dann innerhalb von vier Tagen von mehreren Schlepperbooten einmal quer durch Ost- und Nordsee bis zum nördlichsten Punkt Dänemarks gezogen. Dort soll Timmy dann endlich freigelassen werden.
Doch das Wetter durchkreuzt dieses Vorhaben. Am Freitagmorgen muss der Waltransport wegen des hohen Wellengangs und eines Sturms kurz vor dem Ziel nach Süden abdrehen und zurückfahren. Am Nachmittag kann der Kurs Richtung Norden jedoch wieder aufgenommen werden. Am Abend zeigt Timmy jedoch bereits erste Anzeichen, sich befreien zu wollen. Am Samstagmorgen gelingt es schliesslich tatsächlich, den Wal im offenen Meer freizulassen.
Kapitel 4: Das traurige Ende
Schon kurz nach der Freilassung verdichten sich jedoch die Anzeichen, dass Timmy wohl trotz seiner Rettung nicht mehr lange überleben wird. Die Strapazen der letzten 40 Tage hatten ihre Spuren hinterlassen.
Bevor man ihn davonschwimmen liess, hatten die Retter einen Peilsender am Wal angebracht. Dieser sendete in den Tagen nach der Freilassung laut einer Geldgeberin der Rettungsinitiative offenbar Vitalparameter, aber keine Position des Tieres. Diese Aussagen wurden von Experten jedoch angezweifelt. Das deutsche Meeresmuseum war sich beispielsweise sicher: Timmy ist bereits kurz nach seiner Freilassung verstorben.
Diese Befürchtungen sollten sich bewahrheiten. An diesem Samstag wissen wir definitiv, dass Timmy seine Leidensgeschichte nicht überlebt hat.