Darum gehts
- Buckelwal Timmy wurde am Samstagmorgen in die Nordsee freigelassen
- Vorwürfe: Schiffscrew soll Tierarztkontrolle verhindert und eigenmächtig bei Freilassung gehandelt haben
- Timmys Peilsender liefert keine Daten, Aufenthaltsort und Zustand bleiben unbekannt
Am Samstagmorgen schwamm Buckelwal Timmy nach wochenlangen Rettungsaktionen endlich in seine Freiheit in der Nordsee. Tränen der Erleichterung flossen bei den Walrettern, die Euphorie war riesig. Doch bald sickerten erneut Vorwürfe durch. Nicht nur von Meeresbiologen und Tierschützern, die den Aussetzungsort des geschwächten Timmy in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas kritisierten. Auch innerhalb des Retterteams zeichneten sich schnell Spannungen ab. Denn noch immer ist unklar, wie sich Timmy eigentlich aus seiner Barge befreit hat; schwamm er selbständig in die Freiheit, oder halfen die Seeleute der Fortuna B nach? Die Crew hats sich diesbezüglich bisher noch nicht geäussert.
Die Initiatoren der Rettungsinitiative, Rennpferdebesitzerin Karin Walter-Mommert (62) und MediaMarkt-Gründer Walter Gunz (79), distanzierten sich nun ausdrücklich von der Wal-Freilassung. Sie halten in einem Schreiben, das «Bild» vorliegt, fest: «Wir konstatieren hiermit, dass wir an der heutigen Entlassungsaktion des Wals weder beteiligt waren noch diese aktiv begleitet haben. Etwaige Konsequenzen für nicht abgestimmte Handlungen am und um den Wal haben der Eigner, die Betreiber und uns bekannte Personen der Crew der Schiffe Fortuna B und Robin Hood zu tragen.» Und weiter: «Wir distanzieren uns hiermit ausdrücklich von den Geschehnissen und der Art und Weise, die zur Aussetzung des Wals führten.»
Schleppercrew soll Tierärztinnen vom Wal ferngehalten haben
Von gebrochenen Absprachen, Verheimlichung und Drohung ist die Rede. Konkret werfen die Initiatoren der Schiffsbesatzung vor, dass die zwei begleitenden Tierärztinnen den Wal vor der Freilassung nicht nochmals begutachten konnten. Nur Walexperte Jeffrey Foster, Teil der sogenannten «Free-Willy-Crew», sei per Boot abgeholt worden. An Bord soll ihm jedoch plötzlich untersagt worden sein, sein Handy zu nutzen – bis hin zur Drohung, es ins Meer zu werfen, falls er der Forderung nicht nachkomme. Ohne weitere Prüfung des Zustands von Timmy seien schlussendlich Massnahmen ergriffen worden, «um den Wal von Bord zu bekommen», so der Vorwurf der beiden Geldgeber.
Am Samstagabend liess auch eine der beiden Tierärztinnen, Kirsten Tönnies, auf Facebook ihrer Wut über die Vorkommnisse rund um die Timmy-Freilassung freien Lauf. Mit scharfen Worten kommentierte sie ein Video, das die Schiffscrew bei Timmy zeigt. Sie sagt: «Es ist eine unfassbare Frechheit, was hier abgeht.» Auch sie kritisiert, dass nur die Crew der Reederei noch einmal zur Barge gefahren sei. Helfer Jeffrey Foster habe nur auf wiederholten Druck seinerseits mitfahren können.
«Die machen mit Timmy, was sie wollen»
Tönnies erklärt weiter, die Seeleute hätten nur zu Timmy fahren wollen, um nachzusehen, ob er noch da ist. Die Anwesenheit der Seeleute auf der Barge hätte Timmy verängstigen können. «Sie geben keine Informationen. Es ist dort kein Tierarzt vor Ort», kommentiert die Tierärztin weiter. Ausser Foster habe niemand kontrollieren können, «was dort los ist. Alles vor dem Geschwafel-Hintergrund, dass sie Angst vorm Filmen haben.» Tönnies bezieht sich dabei auf den Einsatz einer Drohne über der Barge durch das Team von News5. Die Tierärztin schloss mit einem schweren Vorwurf: «Die machen mit Timmy, was sie wollen. Unfassbar, unfassbar. Ich bin so wütend!»
Tönnies ist nicht die erste Tierärztin, die sich echauffiert über die Entscheidungen innerhalb der Rettungsaktion äussert. Auch die extra für die Aktion eingeflogene US-Tierärztin Jenna Wallace hatte immer wieder scharf gegen Mitglieder der Privatinitiative, etwa gegen Sergio Bambarén, den Vizepräsidenten der Umweltschutzorganisation Mundo Azul, sowie Influencer Danny Hilse geschossen. Ihr Vorwurf: Gefährdung der Rettungsaktion und Inszenierung. Helfer Charles Vinick von der Organisation The Whale Sanctuary Project hatte Wallace gar als «Betrüger» bezeichnet. «Das Einzige, was er kann, ist Spenden zu sammeln und dann nichts zu tun. Er liess Wale verhungern, bei denen er vorgab, sie retten zu wollen.»
Die aktuellen Vorwürfe zeigen: Innerhalb der privaten Rettungsinitiative scheint die Freilassung in dieser Form nicht mit allen abgesprochen worden zu sein. Tierärzte hätten Buckelwal Timmy ohnehin lieber noch weiter Richtung Atlantik transportiert. Ein weiteres Problem: Bisher liefert Timmys Peilsender keine verlässlichen Daten. Wo sich Timmy befindet und wie es ihm geht, ist daher unklar. Wie das geschwächte Tier im offenen Meer ohne Ablagemöglichkeiten und in einer Region, in der Orcas jagen, nun zurechtkommt, bleibt daher fraglich.