Darum gehts
- Buckelwal Timmy wurde am Samstagmorgen ins offene Meer in der Nordsee freigelassen
- Monatelang strandete er wiederholt, immer wieder versuchten die Retter ihn zu befreien
- In der letzten Rettungsphase wurde Timmy in einer Barge per Schlepper in die Nordsee gezogen
Timmy ist frei: Nach einer tagelangen Reise von der deutschen Ostseeküste bis in die Nordsee oberhalb Dänemarks hat der gestrandete Buckelwal endlich seine Freiheit erlangt. Anfang März gelangte der Meeressäuger in die Ostsee bei Mecklenburg-Vorpommern, irrte wochenlang in Küstennähe durch das Gewässer und verhedderte sich dabei immer wieder in Netzen. Am 23. März strandete der Buckelwal dann zum ersten Mal auf einer Sandbank vor dem Timmendorfer Strand. Hier nahm seine Odyssee ihren Lauf. Denn nicht nur Sandbänke wurden dem Wal zum Verhängnis, auch bürokratische Hürden und interne Spannungen machten den Rettern immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Blick zeichnet Timmys langen Weg in die Freiheit nach.
Zahlreiche Strandungen – die Hoffnung schwindet
Was nach Timmys erster Strandung folgte, war eine Woche voller unglücklicher Rettungsversuche mit Schaulustigen, Behörden und Experten. Immer wieder stand auch die Option, dem Wal Sterbehilfe zu leisten, im Raum. Dann befreite sich Timmy am 27. März selbst, um am nächsten Tag wieder festzusitzen. Dieses Mal südlich der Insel Walfisch in der Wismarer Bucht. Unter den Wal-Rettern wuchs die Verzweiflung: War Timmy überhaupt noch zu retten? Doch dann befreite sich der Buckelwal wieder einmal selbst. Um sich kurz darauf erneut festzuschwimmen. Dieses Mal vor der Insel Poel. Eigentlich hätte Timmy dort in Frieden sterben sollen, doch dieser Meinung waren nicht alle.
Die Rettung wird Privatsache
Media-Markt-Multimillionär Walter Gunz (79) eilte dem Wal zur Hilfe. Mit weiteren Initiatoren nahm er die Timmy-Rettung nun selbst in die Hand. Zunächst sollte Timmy mit Luftkissen befreit werden. Doch auch dieser Versuch scheiterte. Zwar schwamm sich der Wal ein Stück frei, steckte jedoch weiterhin in der Kirchsee fest. Schliesslich wurde ein komplexer Rettungsplan geschmiedet: Der Buckelwal sollte gen Atlantik geschleppt werden. Dafür wurde eine mehr als 100 Meter lange Rinne gegraben, um Timmy in sein «Wasser-Taxi» zu verfrachten. Nach tagelangen Vorbereitungen gelang es schliesslich, den Meeresriesen in eine Barge mit einem abgesenkten Stahlbecken zu transportieren. Am Dienstag machte sich der Lastkahn mitsamt des darin dümpelnden Timmys schliesslich auf den Weg zur Nordsee.
Bürokratische Hürden und interne Spannungen
Doch nicht nur fehlgeschlagene Rettungsmassnahmen und Zeitdruck hatten zu diesem Zeitpunkt für Chaos bei der Walrettung gesorgt. Besonders die Bürokratie machte den Wal-Rettern immer wieder zu schaffen und sorgte für Verzögerungen bei den Rettungsaktionen. Immer wieder kritisierten die Tierärzte sowie auch Geldgeber Gunz die bürokratischen Hürden, Anträge für jeden Schritt stellen zu müssen, wodurch sich die Rettung erheblich verzögere. Das Ministerium von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus sah sich dabei wiederholter Kritik ausgesetzt.
Doch auch intern kam es zu Spannungen im Retter-Team. So schoss die extra für die Aktion eingeflogene US-Tierärztin Jenna Wallace immer wieder scharf gegen Mitglieder der Privatinitiative, etwa gegen Sergio Bambarén, den Vizepräsidenten der Umweltschutzorganisation «Mundo Azul» sowie Influencer Danny Hilse. Laut Wallace würden diese die gesamte Rettungsaktion gefährden.
Die verschobene Route
Nachdem Timmy am Dienstagabend erfolgreich in seine mit Wasser gefüllte Barge gelotst worden war, konnte die finale Rettungsphase beginnen. Ursprünglich sollte Timmy von Mecklenburg-Vorpommern aus an der dänischen Ostküste vorbei nach Norden transportiert werden und in der Nacht von Freitag auf Samstag den nördlichsten Punkt Dänemarks, die Küstenstadt Skagen, erreichen. Dort sollte für Timmy ein erneuter Gesundheitscheck eingelegt werden, bis er weiter in die Nordsee und schliesslich in den offenen Atlantik transportiert werden sollte. Zunächst wurde Timmy vom Schlepper «Robin Hood» gezogen, später von der hochseetauglichen «Fortuna B».
Doch das Wetter durchkreuzte dieses Vorhaben und auch Timmy selbst schien andere Pläne zu haben. Am Freitagmorgen hatte der Wal-Transport zunächst die Küstenstadt Skagen erreicht. Doch wegen des hohen Wellengangs und eines Sturms musste die Timmy-Flotte zunächst nach Süden abdrehen und zurückfahren. Am Nachmittag konnte der Kurs Richtung Norden jedoch wieder aufgenommen werden. Am Freitagabend machte Timmy bereits erste Anzeichen, sich befreien zu wollen. Am Samstagmorgen gelang es schliesslich tatsächlich, den Wal freizulassen – rund 70 Kilometer nördlich von Skagen im offenen Meer.
Timmy schwimmt sich frei – und jetzt?
Nun hat sich Timmy 40 Tage nach seiner ersten Strandung freigeschwommen. Doch damit endet die Reise des Wals noch nicht. Denn nach wochenlangem Umherirren in der Ostsee ist das Tier geschwächt, seine Haut durch den geringen Salzgehalt in der Ostsee verletzt. Wie sich Timmy in Zukunft entwickelt, bleibt also fraglich. Im besten Fall erholt sich der Buckelwal schnell, findet selbständig Nahrung und macht sich weiter in Richtung Norden und Polargebiete auf. Doch es könnte auch anders kommen. Immer wieder haben Wal-Experten gewarnt, dass der Meeressäuger nach den langen Strapazen im offenen Meer ertrinken könnte, da er dort keine Möglichkeiten zum Ablegen und Ausruhen findet.