Darum gehts
- Ein Wal steckt seit Tagen auf einer Sandbank bei Niendorf fest
- Meeresbiologe Lehmann beruhigt und lenkt den Wal mit Berührungen
- In Deutschland arbeiten rund 49'000 Personen in biologischen Berufen
Was für ein Drama! In Deutschland spielt sich aktuell ein Kampf um Leben und Tod ab. Ein Wal, seit Tagen auf einer Sandbank vor Niendorf gefangen, ringt mit den Kräften der Natur – und mit der Zeit. Eine überraschende Wendung bahnte sich an, als sich der Wal für einen Moment befreite. Die Hoffnung wurde kurz darauf niedergeschmettert. Der Wal kehrt wieder zurück an den Ursprungsort in Niendorf.
Während Helfer mit Bagger und anderem schweren Gerät versuchen, den Wal zu befreien, setzt Robert Lehmann auf seine Kenntnisse als Walflüsterer. Der Meeresbiologe kennt sich mit der Unterwasserwelt aus – und er konnte gar eine Beziehung zum Tier aufbauen.
Ein Tierliebhaber, der sich auskennt
Dass das Tier Lehmann am Herzen liegt, ist spürbar. «Er reagiert, er vokalisiert, er reagiert auf Anstupsen und er ist verdammt unsicher und hat einfach Angst», erklärt der Meeresbiologe in einem Interview mit dem NDR. Der Walflüsterer führt aus: «Er weiss ja nicht, was passiert, ich kann es ihm ja nicht erklären. Ich kann nur versuchen, da zu sein.»
Auf Bildern ist zu sehen, wie der Meeresexperte im Neoprenanzug neben dem Tier steht und mit den Händen versucht, es in die richtige Richtung zu lenken – während er zugleich die riesigen Bagger koordiniert. Was an ein klassisches David-gegen-Goliath-Szenario erinnert, ist für ihn Normalität. Wie «L'essentiel» berichtet, vertraut ihm der Wal mittlerweile. «Der wird ganz ruhig, wenn man die Hand auflegt», ergänzt Lehmann.
Wie wird man Walflüsterer?
Lehmanns Leidenschaft für Tiere beschränkt sich nicht auf Wale. Er ist studierter Meeresbiologe, Forschungstaucher und hält seine Abenteuer auf Film und Video fest. Seine Erfolge sprechen für sich: Mehrere Auszeichnungen, Einsätze in über 100 Ländern und über 100 Expeditionen zieren sein Portfolio.
Sein Beruf ist eine Rarität – besonders in Deutschland. Laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit arbeiten in Deutschland ungefähr 49'000 Personen in biologischen Berufen. Doch nur ein kleiner Teil davon ist in der Meeresbiologie tätig.
Der Wal und Deutschlands Problem
Lehmann erklärt in einem Youtube-Video, dass es nicht viele Situationen in Deutschland gebe, in denen ein Wal gesichtet wird. «Es werden immer mehr Vorkommnisse werden.» Grund dafür sei, dass sich die Wale aufgrund guter Schutzmassnahmen vermehren, erklärt der Wal-Kenner. Aufgrund dessen würden sich die Tiere dann auch verschwimmen.
Weiter führt er aus, dass es in Deutschland selten vorkomme, dass Wale stranden. «Es gibt keine Experten für Walstrandungen und keine Walretter», sagt er. «Der Wal ist, wenn er in Deutschland gestrandet ist, geliefert.»