Darum gehts
- US-Tierärztin Jenna Wallace verlässt Wal-Rettungsteam in der Ostsee und erhebt Vorwürfe
- Walflüsterer sollen Rettung durch Selbstinszenierung und Regelbrüche behindert haben
- Buckelwal Timmy ist seit über drei Wochen in der Ostsee gestrandet
Eigentlich ist sie eine Spezialistin für Wale und die Rettung der riesigen Meeressäuger. Trotzdem verliess Jenna Wallace am Montagabend das Rettungsteam rund um den gestrandeten Buckelwal Timmy und reiste zurück nach Hawaii. Die US-Tierärztin erhebt schwere Vorwürfe gegen die Timmy-Truppe.
Besonders im Streit liegt sie mit den beiden selbst ernannten Walflüsterern des Rettungsteams, dem Buchautor und Tierschützer Sergio Bambaren und dem Ex-Rocker mit Hells-Angels-Vergangenheit Danny Hilse. In einem Interview mit dem Norddeutschen Rundfunk NDR nennt Wallace die beiden «zwei komplett lächerliche Menschen, die auf keinen Fall in dieses Team gehören».
Laut der US-Tierärztin sei den beiden Walflüsterern Selbstinszenierung scheinbar wichtiger, als Timmy bei seiner Flucht zu unterstützen. Besonders Hilse, der sich selbst Danny «Firstclass» nennt, nimmt sie aufs Korn. Wenn sich der Ex-Rocker in der Nähe von Timmy aufhielt, habe er «mit seinem Handy hantiert und sich den Grossteil der Zeit selbst gefilmt», so Wallace. Auch hätte Hilse mit der Schiffsschraube seines Bootes beinahe die Schwanzflosse des Wals verletzt.
«Schande über die beiden!»
Auch Bambaren kommt im Interview mit dem NDR nicht ungeschoren davon. Die US-Tierärztin wirft ihm vor, Timmys «erste echte Chance auf Freiheit direkt vor meinen Augen zunichtegemacht» zu haben. Am Montagmorgen konnte sich der Wal für kurze Zeit freischwimmen. Bambaren hätte trotzdem angeordnet, dass die Boote der Rettungstruppe noch warten und sich im entscheidenden Moment nicht nähern sollten.
Wallace erzählt, die beiden Männer hätten ihre Anweisungen während der Rettungsmission regelmässig ignoriert und sich stattdessen selbst als Anführer aufgespielt. «Schande über die beiden! Die Welt soll ihre Namen kennen, damit sie nie wieder an einer Tierrettungsmission teilnehmen dürfen.»
Rücktritt vom Rücktritt
Die Aussagen und Vorwürfe der US-Tierärztin sind aber nur ein Hinweis darauf, dass es in der Timmy-Truppe kriselt. So gab etwa Pressesprecherin Christiane Freifrau von Gregory am Dienstagmorgen ihren Rücktritt bekannt. «Die aktuellen Entwicklungen und die Dynamiken vor Ort entsprechen nicht mehr den Grundwerten und Standards, für die ich persönlich und wir als Team stehen», begründete sie ihre Entscheidung in der «Bild».
Am Nachmittag verschickte die Pressesprecherin dann aber trotzdem ein Update zu Timmys Gesundheitszustand. Eine Stunde später verkündete sie den Rücktritt vom Rücktritt. Vor Ort herrschte laut mehreren Medienberichten grosse Verwirrung über die Situation.
Es ist nicht das erste Mal, dass unter den Walrettern ein heftiger Zoff zu toben scheint. Timmy steckt schon seit über drei Wochen in der Ostsee fest. Bereits Ende März erhob Walflüsterer Robert Marc Lehmann schwere Vorwürfe gegen die damalige Rettungstruppe. Der Experte fühlte sich «aktiv ausgeschlossen von der Rettungsmission».