Der Wasserpegel ist über Nacht gestiegen. Dem vor der deutschen Küste gestrandeten Wal Timmy hat das offenbar geholfen. Wie Livestream-Bilder zeigen, konnte er sich freischwimmen. Um 7.15 Uhr schwamm er aus dem Bild des Streams, berichtet «Focus».
Er bewegte sich durch die Bucht der Insel Poel, wie Kamerabilder zeigen. Dabei schwamm er allerdings zunächst in Richtung Hafen, statt auf das offene Meer hinaus. Später korrigierte er seinen Kurs. Boote der Wasserretter der DLRG und die Wasserschutzpolizei begleiteten das Tier.
Timmy schwimmt hin und her
Kurz vor 9.30 Uhr deutete sich dann ein weiteres Drama an: Timmy hatte es fast aus der Bucht raus geschafft, gelangte aber neben die Fahrrinne, wo er nicht mehr weiterzuschwimmen schien. Das berichtete der Norddeutsche Rundfunk.
Eine enorme Herausforderung für Timmy: Der Ausgang der sogenannten Kirchsee ist teilweise sehr flach, sagte ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums dem Rundfunksender. Das Fahrwasser ist bis zu drei Meter tief, ansonsten ist die Bucht nur zwischen 90 Zentimetern und 1,10 Meter tief. In der sich anschliessenden Wismarbucht ist das Fahrwasser deutlich tiefer. Schafft Timmy das?
Greenpeace: «Megastress für das Tier»
Die Umweltorganisation Greenpeace sieht den Rummel um den Wal kritisch. «Das ist natürlich ein Megastress für das Tier», sagte ein Sprecher dem NDR. Der Wal habe die vergangenen Jahre ohne Kontakt zu Menschen verbracht, nun gebe es ständig Aktivitäten. Das Tier müsse sich erst einmal von den vergangenen Tagen erholen und sei nun Motorenlärm von den Booten ausgesetzt.
Der Schriftsteller und Umweltschützer Sergio Bambaren gab gegen Mittag ein Update zum Wal. «Heute früh konnte sich Hope aufgrund der extrem starken Gezeiten befreien und begann, frei zu schwimmen. Wir beobachten ihre Bewegungen mit fünf Booten», schrieb er in einem Post auf Instagram. «Sie wirkt ruhig und macht einen guten Eindruck, doch ihre Überlebenschancen stehen nach wie vor bei 50:50.»
Wir führen sie an einen sichereren Ort, bevor wir in den nächsten Tagen versuchen, sie ins offene Meer zu bringen
In den vergangenen Tagen hatte eine private Rettungsinitiative den Transport des vor der Küste des Bundeslands Mecklenburg-Vorpommerns gestrandeten Tieres vorbereitet. Die Durchführung wurde aber immer wieder vertagt.
GPS-Sender für Timmy
Jetzt greift ein «Plan B»: «Das heisst, die DLRG-Boote sind auf Stand-by, dass für den Fall, dass er losschwimmt, wir ihn guiden können. Und es ist sichergestellt, dass wir ihn dann auch bis in die Nordsee und dann über die Nordsee in den Atlantik leiten können», sagte Rechtanwältin Constanze von der Meden vor Medienvertretern.
Wie die leitende Tierärztin der Initiative, Janine Bahr-van Gemmert, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte, ist geplant, den Wal, sollte er sich komplett befreien, mit einem GPS-Sender zu versehen. So kann sein Standort dauerhaft nachvollzogen werden – selbst beim Abtauchen.