Der Sexualstraftäter und sein weltweites Netzwerk
Die lange Liste der Rücktritte im Epstein-Skandal

Nach Enthüllungen über seine Kontakte zu Jeffrey Epstein ist Børge Brende als WEF-Chef zurückgetreten. Es ist nicht der einzige prominente Rücktritt. Die Liste aus Politikern, Wirtschaftsgrössen und Wissenschaftlern wird immer länger.
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Der verurteilte Sexualstraftäter unterhielt ein globales Eliten-Netzwerk.
Foto: Capital Pictures

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • WEF-Chef Børge Brende trat am Donnerstag wegen Epstein-Kontakten zurück
  • Politiker, Wirtschaftsgrössen und Wissenschaftler tauchten teils Hunderte Male in den Akten auf
  • Rücktrittsforderungen gegen Starmer, Lutnick und Jagland
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Marian NadlerRedaktor News

Børge Brende (60) wurde der Kontakt zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein am Donnerstag zum Verhängnis. Der WEF-Chef hat seinen Posten geräumt.

Das war Brendes letzter Auftritt am WEF
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Nach Rücktritt:Das war Brendes letzter Auftritt am WEF

Seit Anfang Februar waren die Kontakte des Norwegers zum US-Amerikaner genau unter die Lupe genommen worden. Jetzt wurde ein Schlussstrich gezogen.

Es ist nicht der einzige Rücktritt einer namhaften Person von einem wichtigen Amt. Mehr als ein Dutzend Politiker, Wirtschaftsvertreter und Prominente mussten wegen ihrer Kontakte zu Jeffrey Epstein gut dotierte Posten abgeben. 

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Nobelpreisträger Richard Axel

Am Mittwoch erklärte der Molekularbiologe Richard Axel (79) seinen Rücktritt als Co-Direktor des renommierten neurowissenschaftlichen Zuckerman Mind Brain Behavior Instituts. Der Nobelpreisträger lehrt seit 53 Jahren an der New Yorker Columbia University, zu der das Institut gehört. 

Axels Name taucht in den Akten mehr als 900 Mal auf, berichtete der «Columbia Spectator». Unter anderem kam ein One-Way-Ticket auf die Insel St. Thomas ans Licht. Von dort war die Reise auf Epsteins berüchtigte Privatinsel nur noch ein Katzensprung. Das Ticket wurde gemäss der Studentenzeitung aber für ungültig erklärt. Die Verbindung zu Epstein sei ein «schwerwiegender Fehler» gewesen, teilte Axel in einer Erklärung mit. 

Promi-Arzt Peter Attia

Ganz frisch hatte der US-Sender CBS den Promi-Arzt Peter Attia (52) eingestellt. Dann kam eine Reihe von E-Mails an Jeffrey Epstein ans Licht. Unter anderem schrieb Attia dem Investmentbanker einen geschmacklosen Witz. «Pussy ist in der Tat kohlenhydratarm», witzelte der Langlebigkeits-Spezialist.

Der Anti-Aging-Influencer entschuldigte sich wiederholt für die Nachrichten und betonte, in keiner Weise an Epsteins kriminellen Machenschaften beteiligt gewesen zu sein.

Botschafterin Mona Juul

Mona Juul (66) hat ihr Amt als norwegische Botschafterin in Jordanien und im Irak niedergelegt. Sie und ihr Mann, der frühere Spitzendiplomat Terje Rød-Larsen (78), sollen in Epsteins Testament mit jeweils umgerechnet 3,8 Millionen Franken bedacht worden sein. 

Top-Anwalt Brad Karp

Brad Karp (66) führte seit fast 20 Jahren die Anwaltskanzlei Paul Weiss in den USA. Sein Name taucht in einer Vielzahl von Dokumenten auf.

Karp beriet mit Leon Black (74) einen der wichtigsten Geldgeber des Sex-Täters Epstein. Einem Bericht der «Financial Times» nach soll Karp Epstein nach einem Abendessen, an dem auch der Filmregisseur Woody Allen (90) teilnahm, als «unglaublich» bezeichnet haben. Zudem soll Karp Epstein gebeten haben, eine Rolle für seinen Sohn in einem Woody-Allen-Film zu finden.

Kulturinstitutschef Jack Lang

Der frühere französische Kultur- und Bildungsminister Jack Lang (86) ist nicht länger Chef des renommierten «Institut du monde arabe». Langs Name findet sich über 800 Mal in den Epstein-Akten. Der Ex-Minister unterhielt offenbar eine sehr enge Beziehung zum amerikanischen Multimillionär. Diese war auch finanzieller Natur. 

Die französische Finanzstaatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Lang und seiner Tochter Caroline werden Geldwäsche und schwerer Steuerbetrug vorgeworfen.

Fico-Berater Miroslav Lajcak

Jeffrey Epstein bot ihm junge Frauen an: Miroslav Lajcak (62) beriet den slowakischen Premier Robert Fico (61). Jetzt nicht mehr. Im Gegenzug für Epsteins Offerte soll Lajcak seine Connections zu Fico angeboten haben.

Botschafter Peter Mandelson

Anfang Februar trat der frühere Botschafter Grossbritanniens in den USA, Peter Mandelson (72), aus dem britischen Oberhaus zurück. Am Montag wurde er vor seinem Londoner Wohnhaus von der Polizei abgeführt, kam wenig später aber auf Kaution wieder frei. Gegen ihn wird wegen mutmasslichen Amtsmissbrauchs ermittelt. Er soll Epstein während seiner Zeit als Finanzminister Ende der 2000er marktrelevante Informationen zugespielt haben.

Starmer-Stabschef Morgan McSweeney

Auch der Stabschef Morgan McSweeney (48) verfing sich im Epstein-Netz. Er hatte Starmer zur Ernennung Mandelsons als Botschafter in den USA geraten. McSweeney selbst unterhielt keine direkten Kontakte zu Epstein.

Hotelerbe Thomas Pritzker

Thomas Pritzker (75) hat seinen Posten als Verwaltungsratspräsident des Hotelkonzerns Hyatt Mitte Februar geräumt. Pritzker nahm laut «Vanity Fair» an mehreren Epstein-Dinnern teil.

Uno-Beamtin Joanna Rubinstein

Zu den Zurückgetretenen zählt auch die schwedische Uno-Beamtin Joanna Rubinstein. Ihr wurde ein Besuch auf Epsteins Insel zum Verhängnis.

Goldman-Sachs-Chefjuristin Kathryn Ruemmler

Zum 30. Juni wird Chefjuristin Kathryn Ruemmler (54) Goldman Sachs verlassen. Vor ihrer Tätigkeit bei dem Kreditinstitut arbeitete sie unter anderem im Weissen Haus für Barack Obama (64).

Ruemmler erhielt von Epstein teure Geschenke und beriet ihn auch in Medienfragen. Eine Sprecherin Ruemmlers erklärte, sie habe lediglich eine berufliche Beziehung zu Epstein gehabt.

Kunstprofessor David A. Ross

Der Kurator David A. Ross lehrt nicht länger an der New Yorker School of Visual Arts. Die Epstein-Akten hatten seine Freundschaft zu dem Finanzier offenbart. «Ich bin immer noch stolz darauf, dich einen Freund nennen zu dürfen», hatte Ross Epstein im Jahr 2009 geschrieben.

In einem Austausch mit Epstein, in dem es laut der Nachrichtenagentur AP um die Schauspielerin Brooke Shields (60) ging, soll Ross behauptet haben, dass diese schon im Alter von 10 Jahren nackt posiert haben soll. «Verdammt, das hast du weder gebraucht noch verdient», schrieb Ross Epstein zudem nach einer Vernehmung.

Logistikkonzernchef Sultan Ahmed bin Sulayem

Über ein Jahrzehnt schickten sich Sultan Ahmed bin Sulayem (71) und Jeffrey Epstein Hunderte von E-Mails hin und her. Nach zunehmendem Druck verliess der emiratische Mogul Mitte Februar den Logistikkonzern DP World, wo er als Verwaltungsratspräsident und CEO amtete. Einem Bericht der BBC zufolge soll Sulayem dafür gesorgt haben, dass Epsteins «private Masseurin», eine Russin, in einem türkischen Hotel in «allen Behandlungsmethoden» geschult wurde.

Harvard-Präsident Larry Summers

Auch Larry Summers besuchte die berüchtigte Privatinsel von Jeffrey Epstein. Diese Woche legte er alle Ämter an der Eliteuniversität Harvard nieder. Epstein und der frühere US-Finanzminister tauschten sich regelmässig über Frauen, Politik und Projekte mit Harvard-Bezug aus.

Weitere Rücktrittsforderungen

Aktuell steht der britische Premier Keir Starmer (63) unter massivem Druck, weil er Mandelson trotz dessen Verbindungen zu Epstein zum britischen Botschafter in den USA ernannte. Teile seiner eigenen Partei und die Opposition fordern seinen Rücktritt.

Zudem wurden gegen US-Handelsminister Howard Lutnick (64) Rücktrittsforderungen laut, nachdem herauskam, dass er länger Kontakt zum Finanzier hatte als bislang eingeräumt. Lutnick sagte bei einer Senatsanhörung, er habe Epsteins Insel in der Karibik 2012 während einer Ferienreise mit der Familie besucht, aber keine Straftaten beobachtet.

In Norwegen wird ausserdem gegen den ehemaligen norwegischen Ministerpräsidenten Thorbjørn Jagland (75) ermittelt. Der sozialdemokratische Abgeordnete wird der schweren Korruption verdächtigt.

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