Darum gehts
- Børge Brende tritt am 26. Februar 2026 als WEF-Chef zurück
- Grund: Verheimlichte Kontakte zu Jeffrey Epstein und widersprüchliche Aussagen
- Epstein-Files umfassen 3,5 Millionen Seiten, darunter belastende E-Mails von Brende
«Ich bin so stolz darauf, wie wir das Ding durchgezogen haben»: Am 23. Januar 2026 sieht sich Børge Brende (60) auf dem Höhepunkt seiner Macht. Der Präsident und CEO des World Economic Forum (WEF) beschliesst das Jahrestreffen in Davos mit Dankesworten an die Teilnehmenden und seine Mitarbeitenden.
Was der über beide Ohren strahlende Brende damit zwischen den Zeilen auch meint: Wir haben es ohne WEF-Gründer Klaus Schwab (87) geschafft, ein Jahrestreffen in Davos auf die Beine zu stellen – und erst noch eines mit Rekordbeteiligung.
Wochen später ist die Karriere von Brende ein Scherbenhaufen, der sich nicht mehr kitten lässt. Der Norweger tritt wegen seiner verheimlichten Kontakte zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (1953-2019) von all seinen Ämtern beim WEF zurück. Allerdings ohne wirklich Einsicht zu zeigen.
1. Februar
Zwei Tage zuvor veröffentlicht das amerikanische Justizministerium die Epstein-Files: 3,5 Millionen Seiten Dokumente, Fotos und Videos. Am Sonntag, 1. Februar ist klar: Auch Brende hatte in den Jahren 2018 und 2019 Kontakt mit Epstein. Der WEF-Präsident setzt auf die Verteidigungsstrategie vieler prominenter Epstein-Bekannter: «Ich wusste nichts von seinen kriminellen Machenschaften und seiner Vergangenheit. Hätte ich davon gewusst, hätte ich ihn natürlich nie getroffen», so Brende gegenüber dem norwegischen Wirtschaftsmedium «E24».
Laut den Epstein-Files hat Brende mehrmals Epstein zum Essen getroffen, zudem haben die beiden persönliche Nachrichten ausgetauscht. Nach einem Nachtessen bedankt sich der Norweger artig: «Vielen Dank, mein Freund. Ich habe das Abendessen sehr genossen.»
In einem Mail schreibt Epstein: «Jedes Mal, wenn ich Miss Piggy sehe, werde ich an dich erinnert werden.» Brende antwortete darauf, dass er damit leben könne. «Besser in Erinnerung bleiben als vergessen.»
4. Februar
Sich besser zu erinnern, hätte vielleicht auch Brende geholfen. Denn der WEF-Chef verstrickt sich in Widersprüchlichkeiten. Blick enthüllt, dass Brende es in Bezug auf Epstein mit der Wahrheit nicht ganz genau genommen hat. Noch im November hatte Brende gegenüber der norwegischen Zeitung «Aftenposten» beteuert, er habe nichts mit Epstein zu tun gehabt. Er hätte niemals um ein Treffen mit jemandem gebeten, der wegen sexueller Übergriffe verurteilt worden sei. Diese Aussage ist seit Sonntag widerlegt, auch wenn Brende nun sagt, er habe die Frage damals falsch verstanden.
Aus Norwegen kommen erste Rücktrittsforderungen an den WEF-Chef, aber auch innerhalb des Forums verhärten sich die Fronten, als Brende versucht, seine Kontakte mit Epstein herunterzuspielen und behauptet, diese transparent gemacht zu haben: «Nachdem die gesamte Geschichte über Epstein 2019 ans Licht gekommen war, informierte ich die Führung des Forums.»
Gemeint ist damit Klaus Schwab, der damals als Vorsitzender des WEF-Stiftungsrats Brendes Vorgesetzter war. In einem weiteren Schreiben behauptet Brende, er habe Schwabs «ausdrückliche Unterstützung» erhalten.
Schwab dementiert und widerspricht der Darstellung scharf. Er sei nie über Brendes Kontakte mit Epstein informiert worden – weder mündlich noch schriftlich. «Daran hätte ich mich erinnert. Ich hätte das niemals gutgeheissen», sagt Schwab zu Blick. Schon damals habe man sich von Epstein fernhalten müssen.
Am Abend wird bekannt, dass eine Untersuchung eingeleitet wird, wie die NZZ als Erste berichtet. Das WEF will nun genau wissen, wer in Bezug auf Epstein die Wahrheit sagt!
5. Februar
Aus dem globalen Epstein-Skandal ist am Genfersee eine Affäre Brende geworden. Am WEF-Hauptsitz in Cologny GE hat der Kampf um die Wahrheit die oberste Führungsetage erreicht. In einem Schreiben an Brende, den WEF-Stiftungsrat und die eidgenössische Stiftungsaufsicht stellt Schwab klar: «Ich halte nochmals klar und unmissverständlich fest, dass ich zu keinem Zeitpunkt, weder formell noch informell, informiert wurde.» Auch die angebliche Unterstützung weist er zurück: «Ich habe zu keinem Zeitpunkt und in keiner Form Unterstützung geleistet.»
Brende kontert und schreibt, er habe nach der Verhaftung von Epstein den WEF-Gründer über seine Kontakte informiert. Brende versucht es mit der Flucht nach vorne, greift Schwab frontal an: «Deine während unseres Gesprächs geäusserte Unterstützung liess keinerlei Zweifel zu. Weshalb es beschämend ist, dass du es nun für angemessen hältst, dies zu bestreiten.»
Worauf Schwab von Brende Beweise für seine Aussagen einfordert.
6. Februar
Nun melden sich zum ersten Mal die beiden Co-Vorsitzenden des WEF, André Hoffmann (67) und Larry Fink (73) zu Wort und äussern sich zur eingeleiteten Überprüfung der Aussagen durch einen externen Rechtsbeistand: «Diese Überprüfung soll gründlich und unparteiisch sein, und es ist wichtig, dass alle Parteien während der Dauer der Überprüfung von Spekulationen Abstand nehmen.»
9. Februar
Gemäss verschiedenen Quellen trifft sich die Geschäftsleitung des WEF zu einer Sitzung. Ein unmittelbarer Entscheid wird nicht gefällt. Offenbar will man erst die Ergebnisse der Überprüfung abwarten, bevor es zu weiteren Schritten kommen soll.
26. Februar
Um die Mittagszeit verkündet das WEF den Rücktritt von Brende von seinen Funktionen als Präsident und CEO. In seinem Statement zeigt sich Brende erstaunlich uneinsichtig, verweist lediglich auf seine achteinhalb «erfüllten Jahre» beim Forum und die Rekordteilnehmerzahl am diesjährigen WEF. Ein Wort der Entschuldigung oder zu seinen Kontakten mit Epstein – Fehlanzeige!