Kaum ist der Rauch um Klaus Schwabs unrühmlichen Abgang verzogen, brennt es schon wieder beim World Economic Forum. Im Zentrum: Präsident Børge Brende – und seine erschreckend vertrauten Kontakte zu Jeffrey Epstein.
Zur Klarstellung vorab: Es gibt keinerlei Hinweise auf strafbares Verhalten. Brende war nicht Teil von Epsteins kriminellem Netzwerk. Aber sein Umgang mit Epstein – und mit der Wahrheit – wirft Fragen auf.
Die neuen Akten zeigen: Brende fantasierte mit Epstein über ein WEF als Uno-Ersatz, liess sich auf sexistische Sprüche ein und bestritt zunächst jeglichen Kontakt. Erst als Beweise auftauchten, räumte er Treffen ein und erklärte, er habe Epsteins Vergangenheit nicht gekannt.
Am brisantesten aber: Brende behauptet, sein damaliger Vorgesetzter Klaus Schwab sei informiert gewesen – und habe das akzeptiert. Schwab dementiert empört. Und wer ihn nur halbwegs kennt, kann sich kaum vorstellen, dass das stimmt.
Jetzt steht mehr auf dem Spiel als Brendes Ruf. Es geht um die Glaubwürdigkeit des WEF. Und um den Stiftungsrat, der in Sachen Ethik, Transparenz und Verantwortung höchste Ansprüche an sich stellt. Er muss jetzt zeigen, dass es ihm ernst ist damit.
Bei Schwab lösten anonyme Vorwürfe sofort eine Untersuchung aus – obwohl sie sich als haltlos erwiesen. Im Fall Brende mauerte das WEF zunächst. Nun heisst es plötzlich, man prüfe doch.
Wir sind gespannt, wie ernst es die Stiftung diesmal meint. Es wäre in ihrem eigenen Interesse. Denn: So leicht kommt sie nicht davon.