Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Børge Brende (60), CEO des Weltwirtschaftsforums (WEF), tritt zurück. Dies geben André Hoffmann (67) und Larry Fink (73), die Co-Präsidenten des Forums, in einer Stellungnahme bekannt. Interimistisch springt ein alter Bekannter ein: Direktor Alois Zwinggi (63) übernimmt die Leitung, bis eine Nachfolge gefunden ist.
«Wir möchten Børge Brende unseren aufrichtigen Dank für seine bedeutenden Beiträge zum Weltwirtschaftsforum aussprechen», lassen sich die Co-Präsidenten in der Mitteilung zitieren. «Sein Engagement und seine Führungsqualitäten sind von grosser Bedeutung gewesen und haben zu einer erfolgreichen Jahrestagung in Davos geführt. Wir respektieren seine Entscheidung, zurückzutreten.»
Forum soll «Arbeit ohne Ablenkungen fortsetzen»
Brende kommt in der Mitteilung auch selbst zu Wort: «Meine achtjährige Tätigkeit ist eine äusserst bereichernde Erfahrung gewesen», so der Norweger. Am diesjährigen WEF seien so viele Regierungschefs aus aller Welt zusammengekommen wie noch nie. «Ich bin dankbar für die unglaubliche Zusammenarbeit mit meinen Kollegen, Partnern und Mitgliedern und glaube, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für das Forum gekommen ist, seine wichtige Arbeit ohne Ablenkungen fortzusetzen.»
Mit keinem Wort ist in der Mitteilung der wahre Grund für Brendes Abgang erwähnt: Ihm ist der Kontakt zum verurteilen und verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (1953-2019) zum Verhängnis geworden. Anfang Februar gab das WEF bekannt, dass es die Kontakte seines nun Ex-CEO und -Präsidenten zum US-Amerikaner genauer unter die Lupe nehmen lässt. Die Zürcher Kanzlei Homburger sollte prüfen, wie eng der Austausch zwischen den beiden genau war.
Justiziabel sind Brendes Kontakte zu Epstein nicht. Vielmehr untersucht die Kanzlei, ob Brende seine WEF-Vorgesetzten rechtzeitig über die Verbindungen informierte. Genau dieser Punkt hat einen Keil zwischen den Norweger und den WEF-Gründer Klaus Schwab (87) getrieben. In seiner Erklärung an den Stiftungsrat schrieb Brende, er habe 2019 «die Führung des Forums» informiert. Gemeint ist eben Schwab. Doch dieser widerspricht dem scharf. Er sei nie informiert worden – weder schriftlich noch mündlich, sagte Schwab zu Blick.
In den letzten Wochen ist bekannt geworden, wie eng die Verbindung des nun Ex-WEF-Chefs zum verstorbenen US-Geschäftsmann Jeffrey Epstein war. Die Epstein-Files zeigen: Brende traf sich zwischen 2018 und 2019 mehrmals mit dem verurteilten Sexualverbrecher, tauschte sich mit ihm in lockeren SMS-Nachrichten und E-Mails aus. Die Nachrichten sind in einem freundschaftlichen Ton gehalten, der WEF-Chef nannte Epstein «mein Freund» und einen «brillanten Gastgeber». Brende feierte sogar seinen 53. Geburtstag mit Epstein in dessen Apartment in New York.