Angezählter WEF-Chef habe um unabhängige Untersuchung zu seinen Epstein-Kontakten gebeten
Brende zeigt Reue

Der Druck auf WEF-Chef Børge Brende wächst: Neue Enthüllungen zeigen, dass er den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein 2018 und 2019 mehrfach traf. Brende bat nun selbst um eine unabhängige Untersuchung, das WEF bestätigt Ermittlungen.
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WEF-Präsident und -CEO Børge Brende unter Druck: Nun hat der Norweger offenbar selber um eine Untersuchung zu seinen Epstein-Kontakten gebeten.
Foto: AFP

Darum gehts

  • Børge Brende, WEF-Chef, steht wegen Treffen mit Jeffrey Epstein unter Druck
  • Brende bat WEF um unabhängige Überprüfung seiner Kontakte zu Epstein
  • Epstein und Brende trafen sich 2018 und 2019 insgesamt dreimal
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Nach jüngsten Enthüllungen zur Bekanntschaft mit dem verurteilten Pädophilen Jeffrey Epstein (1953-2019) wächst der Druck auf Børge Brende (60), Präsident und CEO des Weltwirtschaftsforums (WEF).

Als Reaktion auf Enthüllungen der letzten Tage erklärte Brende am Mittwochnachmittag: «Ich wusste nichts über Epsteins Vergangenheit und seine kriminellen Aktivitäten. Hätte ich seinen Hintergrund gekannt, hätte ich die erste Einladung von Rød-Larsen und eventuelle weitere Einladungen zum Abendessen oder andere Kontakte abgelehnt», schrieb Brende der norwegischen Wirtschaftszeitung «Dagens Næringsliv». Terje Rød-Larsen (78) ist ein ehemaliger norwegischer Diplomat und Politiker.

Brende will unabhängige Untersuchung

Epstein-Akten decken auf, dass Brende den verurteilten Sexualstraftäter 2018 und 2019 mindestens dreimal traf. Epstein war am 6. Juli 2019 erneut verhaftet worden – dies nach seiner ersten Verhaftung 2006 und anschliessender Verurteilung. Am 10. August 2019 starb Epstein in einer New Yorker Zelle – angeblich durch Suizid.

Nun kündigt Brende an, dass er um eine «unabhängige Überprüfung» unter der Leitung des Weltwirtschaftsforums gebeten habe. «Ich gebe zu, dass ich Epsteins Geschichte gründlicher hätte recherchieren können, und ich bereue, dass ich dies nicht getan habe», so der Norweger. «Ich werde aus dieser Erfahrung lernen und freue mich auf die bevorstehende unabhängige Überprüfung, um die ich gebeten habe.»

WEF bestätigt Ermittlungen

Wie die «NZZ» am Mittwochabend berichtete, hat das WEF inzwischen Ermittlungen zu seinem CEO und dessen Epstein-Kontakten eingeleitet. Es ist unklar, ob diese Untersuchungen tatsächlich auf Bitte von Brede zustande kamen. Das WEF bestätigte lediglich: «Momentan werden weder das WEF noch Børge Brende weitere Stellungnahmen abgeben, bis die unabhängige Überprüfung durch externe Rechtsberater abgeschlossen ist.»

Brende betonte gleichentags in seinen Ausführungen an die Zeitung «Dagens Næringsliv», dass er 2018 während eines Besuchs in New York eine Einladung vom ehemaligen norwegischen Uno-Sonderbeauftragten für den Nahen Osten und Nordafrika, Rød-Larsen, erhalten habe. Rød-Larsen habe ihn zu einem Abendessen mit einer Person eingeladen, die ihm als amerikanischer Investor vorgestellt wurde: Jeffrey Epstein.

Unbekannte Frau

«An diesem Abendessen», so Brende, «nahmen mehrere andere Führungskräfte teil. Im folgenden Jahr nahm ich an zwei ähnlichen Abendessen mit Epstein teil. Diese Abendessen sowie E-Mails und SMS waren der Umfang meiner Interaktionen mit ihm.»

Im Juni 2019 war es in Genf zu einem letzten Treffen zwischen Brende und Epstein gekommen. In einer E-Mail vorab schrieb Brende an seine Assistentin: «Ich freue mich schon darauf – Sushi wäre fantastisch gewesen.»

Epstein schickte ihm kurz darauf per E-Mail ein Foto einer Frau, auf das Brende erwiderte: «Ich hatte Recht, nicht wahr? Ein Riesenspass.» Der Kontakt brach am 30. Juni 2019 ab, eine Woche vor Epsteins Verhaftung. Es ist unklar, um welche Frau es sich auf dem Foto handelte, und weshalb Epstein das Bild mit Brende teilte.

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