Darum gehts
- Streit zwischen WEF-Chef Brende und Schwab über Epstein-Kontakte eskaliert
- Schwab fordert Beweise und droht mit Klage gegen Brende
- Brende traf Epstein dreimal und tauschte 27 Nachrichten aus
Was mit Jeffrey Epstein begann, ist zur Affäre Brende geworden. Zunächst bestritt der WEF-Chef jeglichen Kontakt zu Epstein. Als Beweise auftauchten, erklärte er, nichts von dessen krimineller Vergangenheit gewusst zu haben. Jetzt behauptet er gegenüber dem WEF-Stiftungsrat, Schwab unmittelbar nach Epsteins Verhaftung informiert zu haben. Der habe ihm Unterstützung geleistet. Schwab dementiert – und droht mit rechtlichen Schritten, wie Blick bereits berichtete.
Der Streit um die Wahrheit tobt. Der Mailwechsel zeigt: Beide stehen sich unversöhnlich gegenüber.
Schwab: «Zu keinem Zeitpunkt Unterstützung geleistet»
In einem Schreiben an Brende, den WEF-Stiftungsrat und die eidgenössische Stiftungsaufsicht stellt Schwab klar: «Ich halte nochmals klar und unmissverständlich fest, dass ich zu keinem Zeitpunkt, weder formell noch informell, informiert wurde.» Auch die angebliche Unterstützung weist er zurück: «Ich habe zu keinem Zeitpunkt und in keiner Form Unterstützung geleistet.»
Schwab stellt Brendes Darstellung frontal infrage – der Konflikt erreicht die höchste Ebene des WEF. Der Ton ist scharf, juristisch brisant. Schwab wirft Brende vor, falsche Behauptungen aufzustellen, die seinen Ruf massiv schädigen könnten.
Dass das Schreiben auch an die Stiftungsaufsicht ging, zeigt: Jetzt geht es um die Glaubwürdigkeit des WEF.
Brende: «Beschämend, dies zu bestreiten»
Der WEF-Chef kontert. In seiner Antwort schreibt er: «Ich habe dich in deinem Büro informiert, nachdem die Angelegenheit öffentlich geworden war.» Mit «Angelegenheit» meint er Epsteins Verhaftung. Und er legt nach: «Deine während unseres Gesprächs geäusserte Unterstützung liess keinerlei Zweifel zu. Weshalb es beschämend ist, dass du es nun für angemessen hältst, dies zu bestreiten.»
Brende behauptet also: Schwab wusste nicht nur Bescheid, sondern billigte seine Kontakte zu Epstein. Schwab fordert nun Beweise: «Solltest du an dieser Position festhalten, musst du konkrete und überprüfbare Belege vorlegen – Daten, Kommunikationsinhalte, beteiligte Personen.»
Brende bleibt bei seiner Darstellung. Schwab verschärft den Ton – und droht mit Klage. In einer weiteren Mail spricht er von Verletzungen seiner Persönlichkeitsrechte. Es sei «die letzte formelle Aufforderung».
Zwei Männer. Zwei Versionen. Eine Wahrheit
Vieles spricht für Schwabs Version. Er hat sich stets von Figuren wie Epstein distanziert. Er betont: Kontakte zu einem Mann wie Epstein würden seinen ethischen Standards widersprechen. Eine Erinnerungslücke schliesst er aus.
Was aber vor allem gegen Brendes Version spricht: Wenn er Schwab 2019 wirklich informiert hat – warum behauptete er im Herbst 2025 gegenüber der norwegischen Zeitung «Aftenposten», nichts von Treffen mit Epstein gewusst zu haben? Auf mehrfache Nachfrage antwortete er am 20. November: «Ich hatte nichts mit Epstein zu tun und hätte selbstverständlich niemals um ein Treffen mit jemandem gebeten, der wegen sexueller Übergriffe verurteilt wurde.»
Belegt ist: Brende war dreimal bei Epstein in New York zu Gast. Zwischen 2018 und 2019 tauschten sie mindestens 27 Nachrichten aus – im vertrauten Ton. Brende hat die Treffen inzwischen eingeräumt. Er betont aber, nichts von Epsteins Taten gewusst zu haben.
Das WEF hat eine interne Untersuchung eingeleitet. Sie soll Brendes Kontakte zu Epstein neu bewerten. Ob dabei viel Neues ans Licht kommt, ist unklar. Entscheidend wird nun: Hat Brende den Stiftungsrat angelogen, als er sagte, Schwab informiert zu haben? Kann er seine Version nicht beweisen, wird die Luft in der Schweiz dünn für den Norweger.