Das WEF in Zahlen
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Event der Superlative:Das WEF in Zahlen

Machtkampf ums WEF in Davos
Alle wollen das WEF – jetzt schaltet sich auch der Bundesrat ein

Die Luft für Davos wird dünn. Hinter den Kulissen tobt ein erbitterter Kampf um den künftigen Austragungsort des Jahrestreffens des World Economic Forums. Das WEF ist eine Perle, viele Länder würden sich gerne mit ihr schmücken.
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Das WEF in Davos weckt ausländische Begehrlichkeiten.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Das WEF könnte Davos wegen Überlastung und Infrastrukturproblemen verlassen
  • Larry Fink schlägt Detroit, Dublin, Jakarta und Buenos Aires als Alternativen vor
  • Davos plant neues Verkehskonzept, möchte aber noch nicht darüber reden
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Was unter WEF-Gründer Klaus Schwab (87) undenkbar war, ist plötzlich eine Option: Davos – und die Schweiz – könnten das WEF verlieren. Das WEF 2026 hat die Grenzen von Davos aufgezeigt, die Infrastruktur ist am Anschlag. Zu viele Teilnehmer, zu viele Autos, zu viele Nebenveranstaltungen. Stau und Abgaswolken sind auf der Promenade ein Dauerzustand. 

Einige globale Topmanager wollen die Gelegenheit nutzen und spielen mit dem Gedanken, das WEF zu verlegen. Das Getuschel in den Gängen von Davos könnte sich zu einem Sturm für die Schweiz entwickeln. Auch wenn das WEF selbst die Gefahr herunterspielt: «Davos und die Schweiz sind der ideale Ort für das WEF», so das offizielle Statement. Die Zusammenarbeit mit Bund, Kanton und Gemeinde habe sich in den letzten über 50 Jahren sehr bewährt. 

Die Schweiz ist gefordert

Doch kein Geringer als WEF-Co-Präsident Larry Fink (73) hat in der «Financial Times» einige andere Austragungsorte ins Spiel gebracht: Detroit, Dublin, Jakarta oder Buenos Aires. Der Amerikaner Fink ist ein knallharter Manager und der Chef von Blackrock, dem grössten Vermögensverwalter der Welt. Sein Wort hat global Gewicht. 

Deshalb ist nun die Schweiz-Fraktion innerhalb des WEF gefordert, allen voran der andere WEF-Co-Präsident, der Schweizer André Hoffmann (67). Auch wenn das so gar nicht sein Ding ist: Jetzt muss der milliardenschwere Philantrop und Umweltschützer die Ellbogen ausfahren und für den Austragungsort Davos kämpfen. Auch zum Schutz der Natur: Denn in Orten wie Jakarta oder Detroit dürften Umweltauflagen deutlich schwächer sein als in der Davoser Bergwelt.

Ein Hoffnungsschimmer: Als bislang aussichtsreichste Kandidatin für das WEF-Präsidium gilt nach wie vor EZB-Präsidentin Christine Lagarde (70). Ihr einziger «Makel»: Sie ist die Wunschkandidatin des in Ungnade gefallenen WEF-Gründers Schwab. Die mächtige Notenbankerin gilt als grosser Schweiz-Fan – mit ihr wäre der Verbleib des WEF in Davos wohl gesichert. 

Bundesrat will kämpfen

Doch noch ist es nicht so weit. Immerhin: Auch Aussenminister Ignazio Cassis (64) hat die Gefahr erkannt. Es gebe zwar Zusicherungen seitens WEF, aber: «Die Organisation befindet sich in einer Phase des Umbruchs, das verunsichert auch den Bundesrat», sagt Cassis und gibt sich kämpferisch: «Das WEF ist enorm wichtig für die Schweiz. Der Bundesrat ist sich sehr im Klaren darüber, dass er alles machen wird, um das WEF in der Schweiz zu halten.»

Das wissen auch andere Schweizer Politiker, die einerseits die Kontakte am Forum schätzen, anderseits um den Wert der Inhalte an den Sessions im Kongresszentrum wissen. «Eine geschenkte Weiterbildung» nennt einer im vertraulichen Gespräch die WEF-Woche. Nur so viel sei verraten: Er ist kein Bürgerlicher – auch Linke schätzen Davos. 

Die höchste Stadt Europas trägt die grösste Last am WEF, verdient aber auch sehr viel Geld mit der Veranstaltung. Dass diese eines Tages verschwinden könnte, haben die Gemeindeverantwortlichen noch nicht so richtig auf dem Radar. Deshalb muss Davos handeln – das Verkehrsproblem muss gelöst werden. Auf Anfrage von Blick sagt Landamman Philipp Wilhelm (37) lediglich: «Wir arbeiten tatsächlich an verschiedenen Überlegungen. Allerdings gibt es bisher kein genehmigtes Konzept, weshalb ich auch keine Auskunft erteilen kann.»

Blick weiss: Es gibt Pläne, die meisten Autos während der WEF-Woche aus Davos zu verbannen. Wer nicht unbedingt in den Ort muss – wie etwa Einwohner, Lieferanten oder hochrangige Gäste – soll den Wagen bei den Sicherheits-Checkpoints weiter unter im Prätigau abstellen müssen. Hinauf ginge es nur mit dem ÖV oder Shuttle-Transportern – natürlich elektrisch betrieben. Das müsste offensiv kommuniziert werden. 

Klar ist: Wenn die Schweiz die Perle WEF behalten will, muss sie dafür kämpfen. In der Welt von Donald Trump muss auch die Schweiz ab und zu die Muskeln spielen lassen! 

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