Darum gehts
US-Präsident Donald Trump (79) riss am Donnerstagmorgen die Regie an sich und gründete vor laufenden Kameras und versammelten Regierungsvertretern sein «Board of Peace». «Friedensrat» ist zwar ein schöner Name, aber das neue Konstrukt mit auserwählten Staaten ist ein Frontalangriff auf die Vereinten Nationen, die seit Jahrzehnten die Länder weltweit vereinen und für Frieden sorgen.
Trumps sogenannter Friedensrat ist ein politisches Instrument, das weniger auf Ausgleich und Fairness als auf Macht zielt. Denn hier haben jene das Sagen, die bezahlen. Wir beantworten die 7 wichtigsten Fragen.
Was ist der Friedensrat?
Der Friedensrat (englisch: Board of Peace oder BoP) ist ein von Donald Trump gegründetes Gremium aus Staats- und Regierungschefs. Es soll globale Konflikte lösen und die internationale Stabilität fördern. Trump sagte in Davos: «Wir werden Frieden in der Welt haben – und das wird einfach grossartig sein.» Der Rat, von dem Trump zum ersten Mal im Herbst 2025 gesprochen hat, war ursprünglich als Aufsichtsbehörde für den Gazastreifen gedacht und wird nun ausgeweitet.
Welche Länder sind dabei?
Mitmachen darf nur, wer von Trump persönlich eingeladen wird. Die Mitgliedschaft dauert drei Jahre, wer Dauermitglied sein will, muss eine Milliarde Dollar hinblättern. Trump ist Vorsitzender auf Lebzeit und hat als einziger das Veto-Recht. Er kann jederzeit Mitglieder ausschliessen.
Folgende Länder haben in Davos unterschrieben oder zugesagt:
Ägypten
Albanien
Argentinien
Armenien
Aserbaidschan
Bahrain
Belarus
Bulgarien
Indonesien
Israel
Jordanien
Kasachstan
Katar
Kosovo
Kuwait
Marokko
Mongolei
Paraguay
Pakistan
Saudi-Arabien
Türkei
Ungarn
USA
Usbekistan
Vereinigte Arabische Emirate
Vietnam
Trump hat rund 60 Länder eingeladen. Wahrscheinlich wird auch Russland beitreten, China vielleicht. Europäische Länder sind skeptisch: Frankreich, Schweden und Norwegen haben bereits abgelehnt.
Warum ist Trumps jüngster Streich so gefährlich?
Trumps Friedensrat ist ein Angriff auf die Weltordnung. Er ist eine Parallelorganisation zu den Vereinten Nationen, die seit Jahrzehnten die Welt zusammenhalten. Er hält sich weder an völkerrechtliche Leitplanken, sondern alleine an die Befehle aus Washington. Anders ausgedrückt: weg von Regeln, hin zu Deals.
Viele Fragen drängen sich auf: Werden sich die BoP-Staaten aus der Uno zurückziehen? Dann würde Genf – und damit die Schweiz – auf der diplomatischen Bühne massiv an Bedeutung verlieren. Oder was ist, wenn der bald 80-jährige Trump stirbt? Gibt es dann einen Nachfolger mit gleicher Autorität? Die Chancen sind gross, dass das Gebilde nach Trumps Tod geschwächt wird oder sogar zerbricht und ein Chaos auslöst.
Wie reagiert die Schweiz?
Auch die Schweiz hat eine Einladung bekommen. In Bern hiess es, dass man den Plan «sorgfältig» darauf prüfen wolle, ob er mit der Neutralität, dem Völkerrecht und der internationalen Ordnung vereinbar sei.
Es ist eine heikle Frage, der sich die Schweiz stellen muss. Eigentlich möchte sie nicht mitmachen, aber auch Trump nicht verärgern. Kommt es zu einem Mittelweg? Möglich wäre zum Beispiel ein Beobachterstatus oder die diplomatische Begleitung oder Finanzierung gewisser Friedensprojekte.
Wer profitiert vom Friedensrat?
Wer mitmacht, hat den Rückhalt von Trump. Profitieren werden unter anderem:
USA: Der Rat wird zum Instrument amerikanischer Machtpolitik.
Russland: (noch nicht unterschrieben): Ein Beitritt Russlands dürfte dazu führen, dass Trump im Ukraine-Krieg den Wünschen aus Moskau nachgibt, um «Frieden» zu schliessen.
Israel: Der Rat bietet Ministerpräsident Benjamin Netanyahu (76) eine internationale Bühne, auf der er keinem Druck der Uno – etwa wegen Verletzung der Menschenrechte – ausgesetzt ist.
Ungarn: Ministerpräsident Viktor Orbán (62) wird für Trump zum europäischen Ansprechpartner. Er kann damit den Keil zur ihm verhassten EU weiter vergrössern.
Kann der Rat wirklich Frieden sichern?
Wirtschaftliche Drohungen oder militärische Eingriffe: Mit seiner Macht hat Trump tatsächlich die Möglichkeit, Streithähne zum Waffenstillstand zu zwingen und sich als Friedenstifter zu präsentieren. Aber: Wer mit dem Hammer Frieden erzielen will, bekommt selten eine dauerhafte Lösung. Im Vorteil werden immer jene sein, die im Friedensrat mitmachen und zahlen. Wer nicht dabei ist, dürfte das Nachsehen haben und bei Friedensverhandlungen massive Nachteile akzeptieren müssen.
Warum wurde der Rat in Davos gegründet?
Wohin schaut die ganze Welt zurzeit? Nach Davos, wo sich die Mächtigsten aus Politik und Wirtschaft treffen. Die Schweizer Stadt in den verschneiten Alpen bietet dem US-Präsidenten die perfekte Bühne, um sein Baby aus der Taufe zu heben.