Neue Hoffnung oder Machtinstrument?
Das steckt hinter Trumps Friedensrat für Gaza

Ein neuer Friedensrat unter Donald Trump soll nicht nur für Stabilität in Gaza sorgen, sondern auch Konflikte weltweit lösen – doch wer entscheidet mit, wie funktioniert die Mitgliedschaft und was steckt wirklich dahinter? Blick beantwortet die wichtigsten Fragen.
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Vorsitzender des neuen Friedensrats ist Donald Trump.
Foto: AP

Darum gehts

  • Donald Trump gründet Friedensrat Januar 2026, Fokus globale Konflikte und Gaza
  • Mitglieder zahlen 1 Milliarde Dollar für dauerhafte Mitgliedschaft im Gremium
  • Kritiker bemängeln Trumps Machtkonzentration und eine mögliche Schwächung der Uno
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Daniel MacherRedaktor News

Nach wie vor ist das Elend in Palästina und im Gazastreifen gross. Trotz eines formellen Waffenstillstands kommt es weiterhin zu Angriffen seitens Israel, und Menschenleben werden täglich bedroht. Gleichzeitig entstehen weltweit immer neue Krisenherde. In diesem Kontext wirkt die Idee eines globalen Friedensgremiums auf den ersten Blick sinnvoll. Doch was steckt tatsächlich hinter dem neu gegründeten Friedensrat von Donald Trump (79)? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist der Friedensrat?

Der Friedensrat (englisch: Board of Peace oder BoP) ist ein von US-Präsident Donald Trump gegründetes Gremium aus Staats- und Regierungschefs. Es soll globale Konflikte lösen und die internationale Stabilität fördern. Ursprünglich als Aufsichtsbehörde für den Gazastreifen gedacht, wurde der Rat inzwischen auf Krisen weltweit ausgeweitet und präsentiert sich als mögliche Alternative zu den Vereinten Nationen. Laut Präambel der Charta soll er ein «agileres und effektiveres» internationales Gremium sein, das pragmatisches Urteilsvermögen und vernünftige Lösungen in den Vordergrund stellt.

Wann und warum wurde er ins Leben gerufen?

Im vergangenen Herbst hat Trump seine Pläne zum ersten Mal angekündigt, damals mit Fokus auf Gaza. Nun soll er mit einer ersten Sitzung am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos eröffnet werden. Sein ursprünglicher Auftrag entstand durch die Uno-Resolution 2803 im November 2025, die den Wiederaufbau Gazas und die Unterstützung einer Übergangsregierung nach der Waffenruhe vorsah. 

Wie wird man Teil des Friedensrats?

Die Mitgliedschaft erfolgt ausschliesslich durch persönliche Einladung von Donald Trump. Die reguläre Mitgliedschaft dauert drei Jahre. Länder, die dauerhaft Mitglied sein wollen, müssen innerhalb eines Jahres 1 Milliarde US-Dollar an den Etat des Friedensrats zahlen, den Trump persönlich verwaltet. Änderungen an der Charta können nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit der Mitglieder und zusätzlicher Zustimmung des Vorsitzenden beschlossen werden. Trump behält sich zudem das Recht vor, Mitglieder jederzeit auszuschliessen.

Wer ist Teil des Friedensrats?

Donald Trump führt den Vorsitz lebenslang als Gründungsvorsitzender mit Vetorecht und umfassenden Entscheidungsbefugnissen. Dem Gremium, das die Übergangsverwaltung des Gazastreifens überwachen soll, gehören an: US-Aussenminister Marco Rubio (54), Sondergesandter Steve Witkoff (68) und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner (45). Hinzu kommen Grossbritanniens Ex-Premier Tony Blair (72), Unternehmer und vermögender Unterstützer der Republikaner Marc Rowan (63) und Ajay Banga (66), Präsident der Weltbank.

Eingeladene Mitglieder sind bisher unter anderem Russland, China, Frankreich, Ungarn, Türkei, Ägypten und Argentinien. Weitere Länder, darunter Saudi-Arabien, wurden kontaktiert. Nur von Trump persönlich eingeladene Staats- und Regierungschefs können Mitglied werden. Der Rat kann sich nach Ermessen des Vorsitzenden auflösen, sobald dieser es für notwendig oder angemessen hält.

Was ist mit der Schweiz?

Auch die Schweiz wurde von Trump eingeladen, dem Gaza-Friedensrat beizutreten. Das Aussendepartement (EDA) prüft derzeit die Einzelheiten der Charta und führt Gespräche mit den beteiligten Parteien, darunter die USA. Grundsätzlich zeige sich die Schweiz offen für Initiativen zur Friedensförderung und überprüft den Vorschlag sorgfältig, heisst es in einer Stellungnahme.

Welche Ziele verfolgt der Friedensrat?

Der Rat soll Übergangsregierungen in Krisenregionen beaufsichtigen, Frieden und Stabilität fördern und globale Konflikte lösen. Den Anfang macht Gaza, wo die Entwaffnung der Hamas und der Wiederaufbau im Fokus stehen – Teil der zweiten Phase von Trumps Friedensplan für den Gazastreifen, die ein dauerhaftes Kriegsende vorsieht, welches die Hamas ablehnt. Der Friedensrat tritt mindestens einmal jährlich oder bei akuten Krisen zusammen. Die Finanzierung erfolgt über Mitgliedsbeiträge.

Gibt es Kritik am Friedensrat?

Kritiker sehen den Friedensrat als direkte Herausforderung der Vereinten Nationen, die Trump häufig als dysfunktional kritisiert. Sie bemängeln, dass Trump weitreichende Macht zentralisiert, Uno-Grundsätze ignoriert und gegen internationales Recht verstösst. Viele Völkerrechtler halten das Gremium für ein Machtinstrument Trumps oder eine PR-Show, während die tatsächliche Effektivität infrage gestellt wird.

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