Darum gehts
- Schweiz zwischen USA und EU: Trump provoziert, EU reagiert scharf
- Parmelin könnte WEF nutzen, klare Haltung gegen Trump zu zeigen
- Umfrage: 48 Prozent wünschen Klartext, 34 Prozent Diplomatie und Neutralität
Auch US-Präsident Donald Trump (79) wird diese Woche zu Gast beim Weltwirtschaftsforum sein. Allerdings wird sein Besuch von Drohungen gegenüber Grönland und der EU überschattet. Wo positioniert sich die Schweiz in dem Konflikt?
Bisher sind wir eher zurückhaltend, nicht zuletzt wegen der Verhandlungen zum Zolldeal, die am diesjährigen WEF abgeschlossen werden sollen. Bundespräsident Guy Parmelin (66) hätte jedoch vor Ort die Möglichkeit, sich gegen Trumps Aktionen zu stellen und eine klare Linie für die Schweiz zu setzen.
Die Schweizer Politik ist sich uneinig über das beste Vorgehen. Bei der SP rufen Stimmen im Bundesrat zur Konfrontation auf, bei der FDP und SVP will man unter Trumps Radar durchfliegen. Wir haben unsere Leserinnen und Leser gefragt.
Wie soll Parmelin laut der Community mit Trump umgehen?
In einer nicht repräsentativen Umfrage mit über 1300 Teilnehmern wünschen sich 48 Prozent von Parmelin Klartext, auch wenn es ungemütlich werden könnte.
Auf der anderen Seite gibt es 34 Prozent, die an die Neutralität und Diplomatie appellieren. 18 Prozent sind sogar dafür, dass sich die Schweiz schweigend «durchwurstelt». Hauptsache, der Zolldeal kommt durch. In den Kommentaren sieht es nicht anders aus.
«Das ist kein neutrales Verhalten, sondern feige»
Viele Leserinnen und Leser fordern, dass Parmelin Trump in die Schranken weist. Jörg Bühler gehört dazu: «Ich finde schon die Frage, ob man Grönland ansprechen soll oder nicht, sehr speziell.» Man müsse dies unbedingt tun, so seine Meinung. Er fügt an: «Die Schweiz sollte auch als neutraler Staat nicht mit der Vorgehensweise von Trump einverstanden sein.»
Martin Bachmann schliesst sich an: «Der erpresserische Umgang von Trump mit anderen Staaten ist inakzeptabel. Warum sich raushalten? Nur, damit man dann selber erpresst wird?» Ueli Zweifel wird noch direkter: «Sprecht endlich die Wahrheit aus, ihr Angsthasen, die Trump gegenübersitzen!»
Viele sind alarmiert von der Haltung der Politiker. Daniel Buholzer schreibt: «Der Bundesrat braucht dringend Rückentraining, damit sie wieder gerade stehen können.» Martin Rettenmund ist beunruhigt: «Nichts zu sagen, heisst billigen und mitverantwortlich am Untergang der Weltordnung sein. Das ist kein neutrales Verhalten, sondern feige.»
«Wir mischen uns nicht in fremde Kriege ein»
Trotzdem ist der Wunsch nach Zurückhaltung genauso oft in den Kommentaren zu finden. Paul Portmann rät Parmelin für das Treffen: «Er soll so weitermachen wie bis anhin. Sich nicht zu wichtig nehmen und ruhig verhandeln.» Lars Von der Heide schreibt ebenfalls: «Zurückhaltung ist die richtige Strategie. Mit Trump kann man nicht reden, also sollte man es gar nicht erst versuchen.»
Einige fürchten um den Zolldeal mit den USA. So Andreas Nobel: «Man soll sich hier nicht einmischen, sonst ist der Zolldeal wieder in Gefahr.» Lorenz Meier kommentiert mit demselben Gedankengang: «Lieber nichts tun und abwarten. Alles Proaktive wird mit Verschlechterungen beantwortet.»
Die Neutralität der Schweiz wird von einigen Leserinnen und Lesern besonders betont. Regula Hiltebrand etwa schreibt: «Wir Schweizer bleiben neutral. Das heisst, wir mischen uns nicht in fremde Kriege ein.» Peter Beyeler ebenso: «Die Schweiz muss neutral bleiben. Und zwar richtig.»