Darum gehts
- Das WEF startete Montag, Guy Parmelin eröffnet es Dienstag in Davos offiziell
- Trump fordert ab 1. Februar 10% Strafzoll auf europäische Waren
- EU droht mit Gegenzöllen von 93 Milliarden Euro gegen US-Erpressung
Die zentralen Erkenntnisse der ersten WEF-Reden
Am Dienstag wurde das WEF in Davos offiziell eröffnet. Zu Beginn hielt der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin die Eröffnungsrede. Parmelin bedankte sich zunächst für die grosse Solidarität, die die Schweiz aufgrund der Brandnacht in Crans-Montana erhalten hat. Schliesslich betonte er, wie wichtig «freier Handel» und ein «Austausch auf Augenhöhe» für die Schweiz und die Welt seien. US-Präsident Donald Trump erwähnte Parmelin dabei nicht direkt, obwohl die Worte als kleiner Seitenhieb gedeutet werden können.
Als «historisch» bezeichnete WEF-Chef Børge Brende die Rede von Ursula von der Leyen. Die Kommissionspräsidentin hielt ein starkes Plädoyer für ein unabhängiges Europa, das sich der sich verändernden Welt anpassen muss. Dabei sprach von der Leyen auch zwei geopolitische Themen an.
- Ukraine-Krieg: Europa steht bedingungslos an der Seite der Ukraine. Das Töten von Seiten Russlands müsse aufhören.
- Grönland-Streit: Die Arktis-Region müsse gemeinsam mit den USA gestärkt werden. Zolldrohungen seien dabei ein Fehler. «Wir werden unerschrocken und verhältnismässig darauf reagieren.»
An dieser Stelle bedanken wir uns fürs Mitlesen. Blick wird dich weiter über alle wichtigen Auftritte und Statements der Staatschefs auf dem Laufenden halten.
Grönland: «Zölle sind ein Fehler – wir werden entschlossen reagieren»
Es ist der Elefant im Raum: Die US-Ansprüche auf Grönland. Nun spricht die EU-Kommissionspräsidentin das Thema an. Die EU teile die US-Ansicht, dass die Arktis-Region gemeinsam geschützt werden sollte
Angedrohte Zölle für Europa seien jedoch ein Fehler. «Wenn wir uns in eine Abwärtsspirale bewegen, dann spielt das unseren Gegnern in die Hände. Unsere Reaktion darauf wird deshalb entschlossen und angemessen ausfallen.» Das Ziel sei gemeinsam mit den USA zusammenzuarbeiten um die Sicherheit der Nato zu stärken. Deswegen müsse die Arktis-Strategie überarbeitet werden.
Anschliessend schliesst von der Leyen die Rede mit den Worten: «Lang lebe Europa!»
Jetzt geht es um den Ukraine-Krieg
Von der Leyen spricht nun den Krieg in der Ukraine an. «Russland zeigt kein Nachlassen, keine Reue, das Töten von Zivilisten geht weiter.» Dies müsse ein Ende haben, so von der Leyen bestimmt. «Wir alle wollen Frieden für die Ukraine.» US-Präsident Donald Trump nehme bei der Lösung des Konflikts eine wichtige Rolle ein. Seine Bestrebungen unterstütze die EU.
Die EU habe beschlossen, russische Vermögenswerte dauerhaft einzufrieren. «Das ist ein Zeichen an Russland und an die Welt.»
«Europa muss eine Dringlichkeit entwickeln»
«Angesichts des immer härter werdenden Wettbewerbs auf der Welt müssen wir jetzt richtig ehrgeizig werden», sagt von der Leyen. Ein Beispiel sei die Verteidigung. Man habe massiv aufgerüstet. Dies sei eine Chance für Innovationen: Drohnen, KI, neue Prototypen – all das sei vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen. «Es führt uns vor Augen, wie stark nationale Sicherheit und Wirtschaft zusammenhängen.»
«Derzeit müssen zu viele Unternehmen ins Ausland abwandern»
Europa verfüge über alles, was es braucht um wirtschaftliche Investitionen anzuziehen. Sie nennt explizit die KI-Branche. Es müsse ein regulatorisches Umfeld geschaffen werden. «Derzeit müssen zu viele Unternehmen ins Ausland abwandern, dies aufgrund der komplizierten Verfahren.» Das Gewinnpotenzial werde dadurch geschmälert. «Das müssen wir ändern», so von der Leyen.
«Nostalgie bringt die alte Weltordnung nicht zurück»
Von der Leyen stellt klar: «Nostalgie wird die alte Weltordnung nicht zurückbringen.» Man müsse sich anpassen und die Chancen eines langfristigen Wandels nutzen. Die EU-Kommissionspräsidentin betont, dass man sich zusammenraufen müsse. «Handel statt Zölle», heisse die Devise. «Wir müssen ein unabhängiges Europa schaffen», so von der Leyen.
Jetzt betritt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Bühne
Es geht direkt weiter mit der Rede von Ursula von der Leyen. Die EU-Kommissionspräsidentin steht seit 2019 an der Spitze der 27 EU-Staaten.
«Die ursprüngliche Idee des WEF war es, eine Plattform zu organisieren, die Dialog und Austausch ermöglicht», sagt von der Leyen zu Beginn. Zwar habe sich die Welt seit der Gründung des WEFs stark verändert, sie sei aufgeteilter denn je, der «Spirit des Dialoges» müsse aber weiter aufrechterhalten werden. «Die Lektion ist dieselbe geblieben.»
«Wir glauben an freien Handel»
Der Bundespräsident streicht heraus, was unser Land stark macht: «Die Schweiz bezieht ihre Stärke aus der Stabilität.» Das bedeute aber keinen Stillstand. Unser Land sei ein wichtiger Teil der Weltwirtschaft. Und das soll es auch bleiben.
«Wir glauben an freien Handel.» Um das zu erreichen, brauche es Austausch auf gleicher Augenhöhe. Ein kleiner Seitenhieb gegen Donald Trump? Den US-Präsidenten erwähnt Parmelin aber nicht direkt. Persönliche Kontakte und die Bereitschaft zum Dialog seien dafür unerlässlich, sagt der Bundespräsident.
Bundespräsident Guy Parmelin zu Crans-Montana
Guy Parmelin ist der letzte Redner, der eine Begrüssungsrede hält. Zuerst erwähnt er die Tragödie von Crans-Montana. Er bedankt sich bei den Anwesenden für die Unterstützung, die die Schweiz in den letzten Tagen erhalten habe. Es sei beeindruckend zu sehen, wie eine Katastrophe Energien mobilisieren könne.
André Hoffmann sorgt für Lacher
Nun spricht der zweite Co-Stiftungsratspräsident, André Hoffmann: «Die grossen Fragen der Menschheit brauchen Dialog. Das ist heutzutage noch entscheidender.» Es brauche Raum, um sich in Sicherheit auszutauschen. «Darum gibt es das WEF.»
Plötzlich unterbricht Hoffmann seine Rede. Nach einer kurzen Pause wendet er sich an seine Frau: «Kann ich bitte Seite 4 meiner Rede haben?» Und danach: «Manchmal sind wir etwas tollpatschig.» Etwas Slapstick während sehr ernsten Worten. Das Publikum reagiert mit Lachen.
Das WEF ist am Montag bereits gestartet, viele der fast 3000 Teilnehmenden aus über 130 Ländern sind nach Davos gereist. Der richtige Start erfolgt am Dienstag: Bundespräsident Guy Parmelin (66) eröffnet das Wirtschaftstreffen in den Bündner Bergen um 10.30 Uhr offiziell. Eine Begrüssungsrede halten im Davoser Kongresszentrum auch WEF-Chef Børge Brende (60) und die beiden Stiftungsrats-Co-Präsidenten André Hoffmann (67) und Larry Fink (73). Blick tickert die Eröffnung live.
Gleich anschliessend an die Eröffnung folgt bereits der nächste wichtige Programmpunkt des zweiten WEF-Tags: Um 10.50 Uhr spricht Ursula von der Leyen (67), Präsidentin der EU-Kommission. Ihre Rede wird – einen Tag vor dem Auftritt von Donald Trump (79) in Davos – mit grosser Spannung erwartet.
Der US-Präsident lässt den Handelsstreit mit Europa wieder eskalieren. Per 1. Februar verlangt er einen zusätzlichen Strafzoll von 10 Prozent auf Warenimporte aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, den Niederlanden und Finnland. Allesamt Länder, die gegen die Grönland-Gelüste von Trump aufbegehren. Dieser Tarif ist fällig und zahlbar, bis eine Vereinbarung über den vollständigen und umfassenden Kauf Grönlands erzielt wird», so der amerikanische Präsident.
Damit setzt Trump die EU und damit auch von der Leyen mächtig unter Druck. «Wir sind entschlossen, unsere Souveränität zu wahren», heisst es aus Brüssel. Die Europäische Union wehrt sich gegen den offenen Erpressungsversuch – und droht mit Gegenzöllen im Wert von 93 Milliarden Euro. Welchen Ton wird die EU-Kommissionspräsidentin am WEF anschlagen?