Nun also doch: Børge Brende räumt seinen Posten als Chef des Weltwirtschaftsforums. Es war eine Frage der Zeit. Für das WEF war sein Abgang unausweichlich. Wer globale Moral predigt, kann sich keinen Präsidenten leisten, der bei der Wahrheit improvisiert.
Brendes enge Beziehung zu Jeffrey Epstein war unappetitlich: über 100 Kontakte, kumpelhafte Nähe, sexistische Sprüche («Miss Piggy» über Netanjahus Ehefrau), grössenwahnsinnige Fantasien vom WEF als Uno-Ersatz.
Entscheidend war jedoch nicht die Nähe zum Sexualverbrecher. Entscheidend war Brendes Distanz zur Wahrheit.
Erstens behauptete Brende im November, es habe keinen Austausch mit Epstein gegeben. Das stimmt nicht.
Zweitens erklärte er, von Epsteins krimineller Vergangenheit nichts gewusst zu haben – obwohl eine eigene Nachricht genau darauf Bezug nimmt.
Drittens versicherte er dem Stiftungsrat, er habe Klaus Schwab 2019 sofort informiert. Schwab widerspricht. Und Brende widerspricht sich selbst: Wer 2025 noch sagt, es habe keinen Kontakt gegeben, kann 2019 kaum darüber informiert haben.
Drei Unwahrheiten. Drei Eigentore. Der Rücktritt war die Folge.
Für das WEF ist das heilsam. Nach der Ära Schwab stand Brende für ein Davos, das sich zunehmend als amerikanische Machtbühne inszenierte: mehr Show, weniger Dialog.
Nun stellt sich die strategische Frage neu: Schweiz-WEF oder Ami-WEF? Der Stiftungsrat hat es in der Hand, hier die Weichen richtig zu stellen.