Darum gehts
- Bäckerei Gasser in Suhr AG schliesst per 30. Juni 2026
- Kleine Bäckereien kämpfen zunehmend mit steigenden Kosten und Personalmangel
- Vegane Kette Bakery Bakery trotzt dem Trend und generiert 2025 Umsatz von 10 Millionen Franken
Schweizer Bäckereien machen gerade schwere Zeiten durch. Jüngst gab die Bäckerei Müller aus Root LU die baldige Schliessung bekannt. Die Zürcher Traditionsbäckerei Fleischli oder die Bäckerei Frei aus Nussbaumen AG mussten ihr Filialnetz eindampfen. Der Limmatbeck aus dem Zürcher Limmattal ist bereits seit letztem Jahr von der Landkarte verschwunden. Gefühlt vergeht kaum eine Woche, in der nicht mindestens ein Beck den Bettel hinschmeisst.
Nun trifft es auch die Bäckerei Gasser aus Suhr AG. Ende Juni stellt das Traditionsgeschäft den Betrieb ein, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet. Ein Aushang im Laden informiert die Kundschaft: «Mit gemischten Gefühlen möchten wir Ihnen mitteilen, dass unsere Bäckerei am 30. Juni endgültig ihre Türen schliessen wird. Wir nehmen unvergessliche Erinnerungen und grosse Dankbarkeit mit», heisst es darin.
Besitzer suchen Nachmieter für Lokal
Dabei hatte der derzeitige Chef Markus Nadler (46) grosse Pläne mit dem Beck. 2023 vom langjährigen Betreiberpaar – es hatte das Geschäft seit 1999 geführt – übernommen, war der langjährige Mitarbeiter voller Tatendrang: ein grösseres Sortiment, mehr Brotsorten und Patisserie, längere Öffnungszeiten. Jetzt, drei Jahre später, ist der Traum vom eigenen Beck verpufft.
Wie Nadlers berufliche Zukunft nun aussieht, was mit den Mitarbeitenden passiert oder welche Gründe zur Schliessung geführt haben, ist nicht klar. Eine Anfrage von Blick lässt der Bäckerei- und Konditormeister unbeantwortet. Was Suhrer und Suhrerinnen aber leise Hoffnung geben dürfte: Auf der Immobilienplattform Homegate suchen die Eigentümer der Liegenschaft – Nachkommen des Gründers Gasser – einen Nachmieter.
Einzelbetriebe hadern mehr als Ketten
Nadler war sich bereits bei der Übernahme bewusst: Einen Bäckereibetrieb aufrechtzuerhalten, ist kein Leichtes. Heutzutage gutes Personal zu finden, sei schwierig, sagte er damals gegenüber der «Aargauer Zeitung». Dieses Problem hatte Christof Müller (49), Geschäftsführer der Bäckerei Müller aus Root LU, zwar nicht. Auch er musste den 1911 gegründeten Familienbetrieb aufgeben. «Wir haben viele, jahrelang treue Mitarbeiter», sagte dieser vergangene Woche zu Blick. Vielmehr wurden ihm die anhaltende Teuerung und steigende Kosten zum Verhängnis – besonders die Zutaten für Brot und Gebäck und das Verpackungsmaterial gingen ins Geld. «Als kleiner Bäcker hat man es nicht einfach», bilanziert Müller. Man bekomme nicht dieselben Konditionen wie eine grosse Kette.
Das dürfte mitunter ein Grund für den Erfolgskurs der noch jungen veganen Bäckerei Bakery Bakery aus Bern sein. Anders als viele Einzelbetriebe kann das Unternehmen die Vorteile einer wachsenden Kette nutzen. Mittlerweile führen die Jungunternehmer Lycra Stattmann (33) und Kevin Schmid (33) zwölf Filialen in fünf Deutschschweizer Städten. Allein dieses Jahr hat das Gründerpaar drei Neueröffnungen gefeiert, fünf weitere sollen noch dazukommen. Auch die Romandie haben die beiden bereits im Visier. Die Expansionsoffensive zahlt sich aus: Letztes Jahr fuhren Stattmann und Schmid einen Umsatz von knapp 10 Millionen Franken ein.