«Schmeckt Ihr Brot besser, als das vom Grossverteiler?»
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Bäcker Hofmann im Interview:«Schmeckt Ihr Brot besser, als das vom Grossverteiler?»

Herzblut-Beck trotzt Niedergang in der Branche
«Arbeitstage von bis zu 20 Stunden – trotzdem geiler Beruf»

Nicht jede Bäckerei ist vom Untergang bedroht. Kevin Hofmann zeigt, wie mit viel Liebe und Leidenschaft ein bedrohtes Handwerk eine grosse Zukunft haben kann. Eine Erfolgsgeschichte aus dem Zürcher Limmattal.
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Nehmen einen weiten Weg bis zur Bäckerei Hofmann in Kauf: Ehepaar Nicolina (63) und Francesco (69) Borrelli.
Foto: Siggi Bucher

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bäckerei Hofmann in Urdorf ZH trotzt dem Bäckereisterben seit 2024 erfolgreich
  • Inhaber Kevin Hofmann arbeitet bis zu 20 Stunden täglich mit Leidenschaft
  • Anzahl Bäckereien in der Schweiz hat sich in 25 Jahren halbiert

Solche Kunden sind die besten Werbeträger: Das Ehepaar Nicolina (63) und Francesco (69) Borrelli nimmt den weiten Weg vom Sihl- ins Limmattal in Kauf, um Brot und Gipfeli bei der Bäckerei Hofmann in Urdorf ZH zu kaufen.

Der Grund ist simpel: «Wir haben in unserem Dorf keine Bäckerei mehr», sagen die beiden. Damit sind sie nicht allein. Das Bäckereisterben hat dazu geführt, dass viele Dörfer oder Stadtquartiere ohne eigene Bäckerei dastehen, man das tägliche Brot nur beim Grossverteiler beziehen kann. In den letzten 25 Jahren hat sich die Zahl der Bäckereien in der Schweiz halbiert: Kostendruck, ein schlechter Standort oder Nachfolgeprobleme sind einige der Gründe. 

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Wie die Geschichte von Kevin Hofmann (33) zeigt, kann eine gut geregelte Nachfolge der Anfang einer neuen Erfolgsgeschichte sein. Im Sommer 2024 übernimmt der Stadtzürcher Hofmann die Bäckerei Lehmann in Urdorf und führt das über 100 Jahre alte Geschäft unter seinem Namen weiter. 

Lange Arbeitstage

Hofmann hat das Handwerk von der Pike auf gelernt, sich vom Lehrling zum Bäcker- und Konditormeister weitergebildet. Genau wie sein Vater Erwin (73), der auch noch heute täglich mit dem Velo sechs Kilometer in die Backstube radelt, um dem Sohn unter die Arme zu greifen.

Die ganze Familie ist involviert: Gattin Nerma (26) arbeitet ebenfalls im Verkauf und in der Bäckerei. «Ich zahle allen Angestellten einen fairen Lohn – auch den Familienmitgliedern», betont Kevin Hofmann. Einzig Tochter Aleyna (1) als kritische Gipfelitesterin arbeitet noch umsonst.

Wenn Hofmann jemanden ausbeutet, dann sich selbst. Vor dem Besuch von Blick steht er seit acht Uhr abends in der Backstube, nur unterbrochen von zwei Stunden Schlaf. «Arbeitstage von bis zu 20 Stunden sind für mich keine Seltenheit», so Hofmann.

Doch das steckt er mit Herzblut und viel Liebe und Leidenschaft für seinen Beruf weg: «Bäcker ist ein geiler Beruf, ein kreatives Handwerk», so Hofmann. «Es gibt nichts Schöneres, als jemandem ein frisches Brot zu verkaufen. Das ist ein Grundnahrungsmittel.» 

Gebacken mit Zutaten und Rohstoffen aus der Region. Alle zwei Tage bringt ein Bauer aus Urdorf frische Milch vorbei: «Damit kochen wir unter anderem die Vanillecreme für unsere Patisserie», erklärt Hofmann stolz. «Fertigpulver kommt mir nicht in die Backstube.» Die Kunden würden es sehr schätzen, dass alles aus einem Betrieb komme, und seien bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen. «Preislich bewegen wir uns im Mittelfeld.» Also irgendwo zwischen dem Gipfeli vom Grossverteiler und den stolzen Preisen der Hipster-Bäcker in der Grossstadt. 

Prominente Kundschaft

Auch an einem normalen Freitagmorgen ist der Laden immer wieder gut gefüllt. Die Kunden müssen etwas Geduld haben, bis sie bedient werden. «Am Wochenende gibt es vor dem Laden ein Verkehrschaos, trotz der neun Parkplätze bei der Bäckerei.» Das Angebot weiss auch die Prominenz zu schätzen: Ex-Natistar Hakan Yakin (49), der in Unterengstringen ZH auf der anderen Seite des Limmattals wohnt, gehört gemäss Hofmann zu den Stammkunden. 

Ein weiteres Erfolgsrezept der Bäckerei Hofmann: Expansion in kleinen Schritten. Auf Drängen der Kunden produziert und verkauft der Betrieb in Urdorf seit Januar an sieben Tagen in der Woche frische Backwaren. Zudem hat der Jungunternehmer eine der sechs Filialen des konkursiten Limmatbecks in Spreitenbach AG übernommen und diese im April wieder eröffnet.

Und träumt von einer Filiale in der Stadt Zürich. Allerdings nicht um jeden Preis. «Das Angebot und der Standort müssen stimmen, dann werde ich mir das gut überlegen», sagt Hofmann. Es ist wie bei einem guten Brotteig: Auch ein Ausbauschritt muss erst ruhen, damit die Qualität stimmt und sich der Erfolg einstellt. 

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