«Jeden Tag chrampfe ich mehr und mehr und mehr»
Luzerner Traditionsbäckerei gibt auf – nach 115 Jahren

Christof Müller führt den Beck Müller in Root LU in vierter Generation. Jetzt hat er genug – und gibt den Familienbetrieb auf. In einem Monat ist Schluss. Zuletzt musste er bis zu 13 Stunden pro Tag chrampfen, nur um knapp über die Runden zu kommen.
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Die Bäckerei Müller in Root LU schliesst nach 115 Jahren die Türen.
Foto: Beck Müller AG/Indoorviews360

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Bäckerei Müller in Root LU schliesst am 18. Juli endgültig
  • Steigende Kosten und hoher Arbeitsaufwand zwingen Inhaber Christof Müller zur Aufgabe
  • Nach 115 Jahren übernimmt Bäckerei Brunner, behält die meisten Mitarbeiter
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Bernadette HoggRedaktorin Wirtschaft

115 Jahre Tradition gehen zu Ende: Der Beck Müller in Root LU muss schliessen. Am 18. Juli machen die 1911 gegründete Bäckerei und das Café endgültig zu, wie die «Luzerner Zeitung» zuerst berichtet hat. Geschäftsführer Christof Müller (49) führt den Familienbetrieb schon in der vierten Generation – und zieht nun den Schlussstrich. «Auf die Dauer kann es so nicht sein», sagt er am Telefon gegenüber Blick.

Der Aufwand sei für ihn als kleiner Betrieb stetig grösser geworden. «Und Ende des Jahres schaut nichts mehr raus», so der konsternierte Beck-Inhaber, der jeden Tag selbst in der Backstube steht. «Du bist froh, dass die Mitarbeiter ihren Lohn haben und dass alle Rechnungen gezahlt sind.» Jeden Tag chrampfe er mehr und mehr und mehr – täglich bis zu 13 Stunden. 

Auch höhere Preise helfen nicht

Finanziell kam Müller also nur noch knapp über die Runden – auch weil ihm die Teuerung immer mehr zu schaffen gemacht hat: «Ich musste letztes Jahr zweimal die Preise erhöhen, das habe ich jahrelang nie gemacht. Zum Glück haben wir aufgeschlagen, sonst sähe es noch düsterer aus», sagt Müller. Nur so habe er die steigenden Kosten kompensieren können. Besonders die Grundzutaten für Brot und Gebäck sowie Verpackungsmaterial seien teurer geworden. «Da ist es nicht einfach als kleiner Bäcker», sagt Müller. Man bekomme nicht dieselben Konditionen wie eine grosse Kette.

An seinen insgesamt 15 Angestellten sei es nicht gelegen, betont Müller. «Am Wochenende, Samstagsarbeit, hast du zwar schon gemerkt, dass es manchmal ein bisschen schwieriger wird», gibt er zu. Aber: «Wir haben viele, jahrelang treue Mitarbeiter», zeigt er sich dankbar.

Bäckerei Brunner übernimmt Betrieb

Die meisten Mitarbeitenden haben Glück im Unglück. Sie haben eine Anschlusslösung bei der Bäckerei Brunner aus Dierikon LU, die auch die Bäckerei und das angeschlossene Café übernimmt. «Die anderen hören ganz auf oder machen was anderes», sagt Müller. Er selbst hat noch keinen Plan für seine berufliche Zukunft. «Ich will zuerst mal für zwei oder drei Monate ausspannen, dann schaue ich weiter.» 

Die neuen Besitzer gestalten die traditionsreiche Bäckerei Müller und das Café nun um, damit sie zu dem Konzept der Bäckerei Brunner passen. Für die Übernahme hat sich der Richtige gefunden: «Wir kennen uns gut. Er ist auch ein Dorfbäcker, obwohl er mittlerweile mehrere Filialen hat», sagt Müller.

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Für ihn ist es ein Abgang mit viel Wehmut. Viele Stammkunden hätten sich bei ihm bedankt. Für deren Treue ist Müller sehr dankbar. «Ich bin zuversichtlich, dass die Bäckerei Brunner unsere Kundschaft behalten kann.» Und wie begeht er selbst seinen Abschied? «Bis jetzt hatte ich noch gar keine Zeit», um eine Feier zu planen, sagt Müller. Noch packt er jeden Tag in seinem Beck an – wie das schon sein Urgrossvater vor 115 Jahren getan hat.

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