Tudor-Profi verarbeitet harte Zeit an der Tour de France
Von Teenies verprügelt – sein Vater starb an Krebs

Schmerz und Trauer begleiten Arvid de Kleijn (32) bei der Tour de France. Der Holländer kämpft um die Sprintetappen – trotz des Todes seines Vaters und eines brutalen Übergriffs durch Jugendliche.
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Arvid de Kleijn leidet an der Tour de France. In den letzten Monaten machte der Tudor-Profi aber viel Schlimmeres durch.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Arvid de Kleijn kämpft bei der Tour de France trotz schwerer Schicksalsschläge
  • Sein Vater starb an Krebs, später erlitt de Kleijn einen gewaltsamen Übergriff
  • Mit über 41 Minuten Rückstand erreichte er dennoch die nächste Etappe
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Mathias GermannReporter Sport

Arvid de Kleijn (32) leidet. Kilometer für Kilometer, Minute für Minute, Stunde für Stunde, Tag für Tag. «So sieht Schmerz aus», sagt der Holländer selbst. Der Sprinter des Schweizer Teams Tudor Pro Cycling hat brutale Tage hinter sich. Er kämpfte auf den hügeligen Etappen bis zum Äussersten, um den Kontrollschluss zu schaffen. Zweimal kam er als Letzter ins Ziel, zuletzt mit mehr als 41 Minuten Rückstand. Doch es reichte. Er darf die Tour fortsetzen.

«Während der Etappen musste ich oft an meinen Vater denken», erzählt De Kleijn. Cees de Kleijn starb im Februar an Krebs. «Er hat so viel gelitten. Dagegen verblasst alles. Ich könnte mich selbst bemitleiden, aber das bringt nichts. Mein Schmerz ist ein anderer. Deshalb ist das hier auszuhalten», sagt der Radprofi sichtlich bewegt.

Die schwersten Etappen hat De Kleijn vorerst hinter sich. Von den verbliebenen 181 Fahrern liegt er in der Gesamtwertung auf dem zweitletzten Platz. Das spielt für ihn keine Rolle. Sein Ziel sind die Sprintetappen am Freitag und Samstag. Dort will er angreifen. Genau dort liegen seine Stärken: De Kleijn ist bullig, explosiv und scheut auch bei Tempo 60 keinen Zweikampf.

Sicher ist: Verglichen mit den vergangenen Monaten wirken selbst hektische Massensprints harmlos.

Als er Papi wurde, war sein Vater todkrank

Rückblick. Im Dezember 2025 verschlechtert sich der Gesundheitszustand seines Vaters drastisch. Es folgen Wochen voller Sorge. «Gegen Ende wurde alles sehr hart.» Sein Team unterstützt ihn, wo es kann. Tudor-CEO Raphael Meyer kennt diese Situation. Auch er verlor seinen Vater an Krebs. «Wir haben Arvid gesagt, dass Training und Rennen jetzt keine Rolle spielen. Seine Familie war wichtiger als der Radsport.» De Kleijn sagt: «Ich musste einfach bei meinem Vater sein.»

Trotz allem erlebt er Anfang 2026 auch Glück. Im Januar werden er und seine Frau Céline erstmals Eltern. Tochter Fye verändert alles. «Als wir von der Schwangerschaft erfuhren, war das wunderschön. Gleichzeitig wusste ich, dass mein Vater schwer krank war. Diese beiden Gefühle gleichzeitig zu erleben, war emotional überwältigend.»

Ende Februar stirbt Cees de Kleijn. Die Trauer sitzt tief. Gleichzeitig ist sein Sohn dankbar. Der Grossvater konnte seine Enkelin vor seinem Tod noch in den Armen halten. Das gab ihm Kraft. De Kleijn beginnt wieder zu trainieren.

Teenager beschimpfen und verprügeln ihn

Dann trifft ihn der nächste Schicksalsschlag. Während einer Trainingsfahrt beleidigt ihn eine Gruppe Jugendlicher. Sie rufen ihm auch Sprüche über Krebs nach. De Kleijn hält an und fragt, warum sie das tun. Er erzählt ihnen, dass sein Vater gerade an Krebs gestorben sei. «Danach wurde alles noch schlimmer.»

Er fährt weiter. Doch die Gruppe verfolgt ihn, hält ihn an und schlägt auf ihn ein. Die Angreifer brechen ihm die Nase und flüchten. De Kleijn bleibt bewusstlos auf der Strasse liegen.

Diese Geschichte erzählt er der Zeitung De Telegraaf. Körperlich erholt er sich. Psychisch hinterlässt der Angriff tiefe Spuren. Er zieht sich monatelang zurück.

Vor der Tour de France fragt Blick, ob es eine Erleichterung gewesen sei, die Geschichte öffentlich zu machen. De Kleijn zögert. «Schön war es nicht. Ich spreche eigentlich nicht gern über solche negativen Dinge. Aber manchmal passiert so etwas im Leben.» Er wolle sich nicht in den Mittelpunkt stellen. «Trotzdem habe ich viele berührende Reaktionen erhalten.»

«Respekt vor älteren Menschen verloren»

Einige der Täter wurden inzwischen identifiziert. Derjenige, der ihm die Nase brach, offenbar noch nicht. «Das macht mich traurig. Man hat immer häufiger den Eindruck, dass manche Jugendliche den Respekt vor Älteren verloren haben.»

Gleichzeitig betont De Kleijn, wie dankbar er den Menschen ist, die ihm sofort geholfen haben. Das Verfahren gegen die Jugendlichen läuft. «Es wird dauern. Aber ich bin froh, dass sie für ihre Tat zur Verantwortung gezogen werden.»

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