Darum gehts
- Die Tour de France 2026 startet am 3. Juli in Barcelona
- Zum ersten Mal seit 1971 beginnt sie mit einem Teamzeitfahren
- Insgesamt werden 2,6 Millionen Euro Preisgeld ausgeschüttet
Mit welcher Tradition bricht die Tour?
Die 113. Ausgabe des Rennens beginnt in Barcelona (Sp) mit einem Mannschaftszeitfahren. Das ist selten, letztmals war es 1971 der Fall. Speziell: Im Gegensatz zu früher zählt im Ziel nicht die Zeit des Vierten für das ganze Team, sondern jeder wird einzeln gestoppt. Heisst: Topfahrer können sich von ihren Kameraden lösen, um den Sieg und das Maillot Jaune zu holen.
Warum startet die Tour in Spanien?
Der sogenannte Grand Départ findet regelmässig im Ausland statt. Treiber ist der Tourismus. Und das Rennen wird so internationaler. 2027 beginnt die Tour in Edinburgh, Schottland.
Droht wie bei der Tour de Suisse die grosse Langweile?
Vor zweieinhalb Wochen sorgte Tadej Pogacar (27, Sln) schon in der ersten Etappe für die Vorentscheidung. Das wird bei der Tour de France nicht der Fall sein. Erst auf der vorletzten der insgesamt 21 Etappen wird man wissen, wer die Grande Boucle gewinnt – dann steigt die Königsetappe mit 171 Kilometern und 5600 Höhenmetern.
Welche Weltneuheit gibt es?
Die legendäre Alpe d’Huez ist zweimal nacheinander Zielort. Am 24. und 25. Juli. Die Serpentinen hinauf zum Wintersportort dürften sich wie in früheren Jahren zu einer Freiluftarena mit mehreren Hunderttausend Fans verwandeln. Die 21 Tour-Tage beinhalten neben dem Teamzeitfahren ein Einzelzeitfahren, acht Berg-, sieben Flach- und vier hügelige Etappen.
Wer gewinnt?
Wer auf Pogacar (27) tippt, ist entweder ein Angsthase oder grundvernünftig. Der Slowene ist der grosse Favorit auf den Gesamtsieg. Schafft er es, hat er auch fünf Siege – so wie Jacques Anquetil, Bernard Hinault, Eddy Merckx und Miguel Indurain. Sein grösster Herausforderer ist Jonas Vingegaard (29, Dä). Deutschland träumt dank Florian Lipowitz (25) und Belgien mit Remco Evenepoel (26) – beide fahren für Red Bull-Bora-Hansgrohe.
Wie stark sind die Schweizer?
Von den 184 Fahrern kommen nur vier aus der Schweiz: Mauro Schmid (26), Marc Hirschi (27), Yannis Voisard (27) und Silvan Dillier (35). Mit Ausnahme von Dillier hoffen alle auf einen Etappensieg. Ein Schweizer Triumph wäre aber eine Überraschung. Der letzte Radgenosse, der bei der Tour gewinnen konnte, war Hirschi 2020. Bitter: Stefan Küng (32) wurde nach seinem Oberschenkelbruch nicht rechtzeitig fit.
Drohen wieder viele Stürze?
Vielleicht weniger als auch schon, weil das Gesamtklassement bereits nach wenigen Tagen ein Profil haben könnte. Dennoch: Die Flachetappen werden wie immer für Hektik und Nervosität sorgen – und auch für Stürze. Der Schweizer Tour-Neuling Yannis Voisard verrät sein Rezept, um nicht zu Boden zu gehen: «Ich werde versuchen, mich an das Hinterrad von Matteo Trentin zu heften. Er ist 36 und weiss genau, was zu tun ist.»
Wie viel Kohle gibts?
Insgesamt werden 2,6 Millionen Euro ausgeschüttet – minimal weniger als im Vorjahr. Der Gesamtsieger erhält 500’000 Euro, ein Tagessieg spült 11’000 Euro in die Mannschaftskasse. Übrigens: Wer Paris erreicht und in der Gesamtwertung zwischen Platz 20 und 160 liegt, erhält 1000 Euro.
Wovon träumt ganz Frankreich?
Von Paul Seixas. Der Franzose ist mit 19 Jahren und neun Monaten der jüngste Tour-Teilnehmer seit fast 90 Jahren. Doch was heisst Teilnehmer? Seixas gilt als der neue Pogacar. Ein Supertalent, im Frühling Sieger der Baskenlandrundfahrt. Für Velo-Frankreich ist er der neue Messias. Seixas soll Hinault beerben, der 1985 als Letzter der Grande Nation die eigene Rundfahrt gewann. Auf seinen schmalen Schultern lastet enormer Druck. Aktuell im Team Decathlon, soll ihm die Schweizer Equipe Q36.5 ein Angebot gemacht haben – Jahreslohn 13 Millionen Euro. Zum Vergleich: Pogacar hat geschätzt zwischen 8 und 10 Millionen Euro.
Welchen TV-Sender sollte man einschalten?
Geschmackssache. Fakt ist: Auswahl gibts genug. SRF überträgt alle 21 Etappen – meistens im TV, vielleicht auch mal im Stream. Die ersten elf Etappen werden von Marco Felder und Experte David Loosli kommentiert, ab der zwölften Etappe begleiten Claude Jaggi und Mathias Frank die Rennen. Das Teamzeitfahren am Samstag beginnt um 17.05 Uhr, alle anderen Etappen zwischen 12 und 14 Uhr. Eurosport und France 2 sind im Gegensatz zum SRF schon ab dem ersten Kilometer auf Sendung.
Fahren die Frauen ebenfalls?
Noch nicht. Im Gegensatz zur Tour de Suisse ist das Frauenrennen später angesetzt. Der Start erfolgt am 1. August in Lausanne VD. Die Tour de France Femmes umfasst neun Etappen, Marlen Reusser (34) zählt zu den Favoritinnen.