Neue Wohnung, neue Freundin – und wieder Siege für Hirschi?
«Es gab Momente, in denen alles scheisse war»

Marc Hirschi war einst die Hoffnung des Schweizer Radsports. Heute, nach Verletzungen und 525 sieglosen Tagen, steht der Berner vor einem Neuanfang. Bei der Tour de France will er zurück zum Erfolg.
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Viel Zeit ist seit dem letzten Sieg vergangen – zu viel. Marc Hirschi will zurück aufs oberste Podest. Am liebsten an der Tour de France.
Foto: Stefan Bohrer

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Marc Hirschi kämpft nach seinen Erfolgen im Jahr 2020 mit sportlicher Krise und Verletzungen
  • 525 Tage ohne Sieg, dennoch optimistisch vor der Tour de France 2026
  • Hirschi: 24 Karrieresiege, finanziell abgesichert, Zukunft offen
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Mathias GermannReporter Sport

Wir schreiben das Jahr 2020. Marc Hirschi ist in aller Munde. U23-Weltmeister, erstes Profi-Jahr, erste Tour de France. Und dann das: Er gewinnt tatsächlich eine Etappe – mit gerade einmal 22 Jahren. Es folgen WM-Bronze und drei Tage später der Sieg der Flèche Wallonne. «Flying Hirschi» und «Hurricane Hirschi» wird er im Ausland genannt. Wahnsinn, sein Gespür fürs Rennen! Erstaunlich, sein Antritt. Und waghalsig, seine Abfahrten. Für viele ist klar: Hirschi wird den Radsport prägen, er ist der neue Schweizer Rad-Star.

Heute, sechs Jahre später, spricht kaum mehr jemand von «Flying Hirschi». Verletzungen, Schmerzen und ausbleibende Siege haben den Berner ausgebremst. «Ich sah mich nie als Supertalent, wurde nie übermütig», sagt er. Vielleicht schätzte man ihn falsch ein, jubelte ihn zu früh hoch. Das Rampenlicht, der Druck, die ständigen Fragen der Medien – Hirschi hat das nie gesucht. «Aber ich würde es auch nicht eintauschen. Der Sieg an der Tour de France ist nach wie vor mein grösster Erfolg.»

Wir treffen Hirschi auf der Schützenmatte in Freiburg. Die Sonne brennt, der Tinguely-Brunnen plätschert, bald reist er mit Tudor Pro Cycling zur Tour de France. An seinen Etappensieg von 2020 denkt er noch oft zurück. «Diese Emotion möchte ich wieder erleben.» Die zweite Etappe rund um Barcelona ist genau nach seinem Geschmack – hügelig, aber nicht zu steil. Im erwarteten Chaos will er sein Gespür fürs Rennen ausspielen.

Aber machen die Beine auch mit? «Ich bin frisch und in Form», sagt er. Dennoch wäre ein Tour-Etappensieg eine Überraschung. «Ich gehe nicht mehr mit dem Gefühl an den Start, dass alles andere eine Enttäuschung wäre.»

Seit 525 Tagen wartet er auf einen Sieg

Hirschi wohnt seit einem Jahr in Schmitten FR, 20 Minuten von unserem Treffpunkt entfernt. Er hat eine Wohnung gemietet und eine neue Freundin. Erstmals lebt er nicht mehr in Ittigen BE, wo er aufwuchs. «Hier hats im Winter weniger Nebel beim Trainieren. Mir gefiel es auch in Ittigen. Aber etwas Neues tut gut, es ist ein Tapetenwechsel.»

Ein Neuanfang hat Hirschi auch sportlich nötig. Seit 525 Tagen hat er kein Rennen mehr gewonnen. Zuletzt bremste ihn ein Schlüsselbeinbruch aus. «Aus sportlicher Sicht stecke ich in einer Krise», sagt er. «Im Leben aber nicht.» Das war auch schon anders – zumindest zwischendurch.

Besonders die Hüfte machte ihm jahrelang zu schaffen. Die Schmerzen kamen, verschwanden wieder und kehrten zurück. Im Herbst 2021 war der Punkt erreicht, an dem nichts mehr ging. «Es hat so wehgetan. Es hat keinen Spass mehr gemacht. Ich habe gesagt: ‹So kann ich nicht weitermachen.›»

In dieser Zeit tauchte auch der Gedanke ans Aufhören auf. «Es gab kurze Momente, in denen alles scheisse war», erzählt Hirschi. Er entschied sich nach langem Zögern für eine Operation. Und wusste: Wenn das nicht hilft, wirds schwierig. «Die Ärzte sagten, dass die Probleme im Gelenk auch nach dem Eingriff zurückkehren könnten.» Die Operation wurde zum Wendepunkt. Die Schmerzen verschwanden.

«Es sind Siege, die mich antreiben»

24 Siege hat Hirschi in seiner Karriere eingefahren. Von den aktiven Schweizern hat nur Stefan Küng (32) mehr – 30. «Es war also längst nicht alles schlecht», sagt er. Aber eben: Hirschi genügt das nicht. «Es sind Siege, die mich antreiben. Am liebsten bei grossen Rennen.» Er teilt mit vielen anderen ein Problem: Tadej Pogacar (27). Wo der slowenische Superstar antritt, bleiben oft nur Brosamen übrig.

Hirschi findet, er sei heute stärker als bei seinem Durchbruch vor sechs Jahren. Allerdings hat sich der gesamte Radsport entwickelt und ist immer schneller geworden. Die Leistung von damals reicht nicht mehr. Immerhin: Wie gut Hirschi sein kann, zeigte er im Herbst 2024. Damals gewann er in Italien bei kleineren Rennen fünfmal nacheinander. Dazu San Sebastián und die Bretagne Classic, zwei wichtige World-Tour-Rennen.

Danach folgte der Wechsel von UAE Emirates zu Tudor, auch weil er aus Pogacars Schatten treten wollte. Und siehe da: erstes Rennen 2026, erster Sieg. Doch seither ging fast nichts mehr: «Ich habe gegenüber dem Team schon ein schlechtes Gewissen, weil sie alles für mich tun. Aber ich arbeite weiter – so hart, wie ich kann.»

Nichts tun? Das könnte Hirschi nicht

Sorgen um die Zukunft muss sich Hirschi nicht mehr machen. Finanziell hat er ausgesorgt, hat mehrere Millionen verdient. Doch daran denkt er nicht. «Ich bin noch nicht fertig, sondern habe noch viel vor.» Wenn alles passt, könnte er sich vorstellen, bis 33 oder 34 weiterzufahren.

Vielleicht schon mit einer Familie. «Ich wäre sehr gerne Vater. Aber noch habe ich dafür Zeit», sagt er. Und was, wenn die Profikarriere eines Tages zu Ende ist? «Dann suche ich neue Herausforderungen. Ich brauche immer ein Ziel. Einfach nichts tun – das wäre nichts für mich.»

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