Darum gehts
- Mountainbiker Filippo Colombo (28) bricht sich im Tessin das Wadenbein
- Trotz Schmerzen will Colombo bei Heim-EM im August antreten
- Colombo 2025: Cape-Epic-Sieg, Weltcup-Podestplatz, nun EM-Traum gefährdet
Für Filippo Colombo (28) sollte die Heim-EM Anfang August im Tessin der Höhepunkt seiner bisherigen Karriere werden. Nun ist der Medaillentraum des Lokalmatadors plötzlich in Gefahr. Der Mountainbike-Star hat sich Anfang letzter Woche bei einem Trainingssturz das Wadenbein (Fibula) gebrochen. Aufgeben kommt für ihn trotzdem nicht infrage. «Mein Ziel ist es, in zwei Wochen an den Schweizer Meisterschaften wieder am Start zu stehen und dann für die EM bereit zu sein», sagt Colombo im Gespräch mit Blick.
Der Unfall ereignete sich am Montagabend auf einem Heimtrail im Tessin. «Ich war etwas müde und nicht mehr ganz konzentriert. Es war einfach ein blöder Sturz», erzählt der Scott-Sram-Profi. Zunächst habe er gar nicht realisiert, dass der Knochen tatsächlich gebrochen sei. «Ich bin später noch mit dem Zug nach Hause gefahren.»
Die Diagnose ist bitter. Operiert werden muss Colombo allerdings nicht. Das gibt Hoffnung. «Grundsätzlich geht das ganze Körpergewicht über die Tibia (Schienbein). Eigentlich könnte ich vieles schon machen. Der limitierende Faktor sind momentan vor allem die Schmerzen», erklärt er.
«Ich hatte schon viel von diesem Scheiss»
Mental sei die Situation natürlich alles andere als ideal. Dennoch versucht Colombo, dem Rückschlag etwas Positives abzugewinnen. «Ich hatte schon viel von diesem Scheiss», sagt er mit Galgenhumor. 2023 etwa erlitt er einen Armbruch, der weite Teile der Saison beeinträchtigte. «Jetzt versuche ich, das als Chance zu sehen. Wenn ich zu Hause gut trainieren kann, könnte das sogar eine gute Vorbereitung auf die EM werden.»
Dabei war die Saison des Tessiners bislang die stärkste seiner Karriere. Im Gesamtweltcup gehörte Colombo zur erweiterten Weltspitze, feierte im Frühjahr 2025 gemeinsam mit Nino Schurter (40) den Gesamtsieg beim prestigeträchtigen Cape Epic und fuhr in Nove Mesto (Tsch) erstmals in dieser Saison aufs Weltcup-Podest.
Umso bitterer kommt jetzt der Unfallzeitpunkt. Die Jagd auf eine Spitzenplatzierung im Gesamtweltcup dürfte praktisch beendet sein. «Der Gesamtweltcup war eines meiner grossen Ziele. Wenn man jetzt mehrere Rennen verpasst, wird das schwierig», sagt Colombo. Seine wichtigsten Saisonziele bleiben jedoch bestehen: die Heim-EM und die WM Ende August.
«So viele Chancen bekomme ich nicht»
Gerade die EM bedeutet dem Mann aus Monteceneri TI besonders viel. Der Anlass findet praktisch vor seiner Haustüre statt. Sein Vater Andrea gehört dem OK an, Colombo selbst fungiert als Botschafter und bringt Inputs zur Strecke ein.
«Ich weiss nicht, wie viele Möglichkeiten ich noch bekomme, direkt vor meinem Haus zu fahren», sagt Colombo. Aufgeben will er diesen Traum auch nach dem Verletzungsschock nicht. Im Gegenteil: Der Wettlauf gegen die Zeit hat für den Tessiner gerade erst begonnen.