Darum gehts
Die letzten Olympischen Spiele in Italien? 2006. Eine triste Zeit der Schweizer Ski-Profis. Nur 3 Medaillen. Die einzige bei den Frauen holte Martina Schild. Was macht sie heute? Klar, Eringerkühe züchten. Wir haben sie in Grindelwald besucht und waren mit ihr auf dem Friedhof. Dort ruht ihre Grossmutter, Hedy Schlunegger – Olympiasiegerin 1948.
Es sind dunkle Jahre für den Schweizer Skisport. Kaum vorstellbar heute. 2006 ist die einst stolze Skination ein Häufchen Elend. Rang fünf im Nationencup, Österreich hat fast viermal so viele Punkte. Im ganzen Winter holt Swiss-Ski nur sechs Podestplätze. Bei der WM ein Jahr zuvor bleibt das Team sogar ohne Medaille.
Die Erwartungen vor den Olympischen Spielen in Turin sind entsprechend tief. Immerhin: Bruno Kernen und Ambrosi Hoffmann gewinnen Bronze. Und dann gibt es diese eine Medaille, die heller leuchtet. Martina Schild fährt in der Abfahrt zu Silber. Eine Sensation. Ein Lichtblick in einem tristen Winter.
Lava war 780 Kilo und Schilds Liebling
Zwanzig Jahre später ist alles anders. Die Schweiz ist die Nummer eins im Skisport. Wir treffen Martina Schild (44) dort, wo sie aufgewachsen ist: in Grindelwald BE. Die beiden Söhne sind gerade in der Schule. Und wenn sie nach Hause kommen? «Ich wärme etwas vom Vortag auf. Das reicht zum Zmittag», sagt sie. Wobei: Seit vielen Jahren heisst sie Borra-Schild.
Claudio Borra war einst ihr Servicemann. Dann wurde er ihr Mann und zog nach Grindelwald. Ein Walliser im Berner Oberland? Sie schmunzelt. «Seine Bedingung war, dass er seine Eringer Kühe mitnehmen durfte.» Das passte. Sie hatte den elterlichen Hof übernommen.
Heute halten sie 32 Tiere und haben zahlreiche Preise gewonnen. «Mein Liebling war Lava. 780 Kilo schwer, verschmust. Nur in der Arena nicht – dort gewann sie fast alles.» Die vielen Glocken über dem Sofa erzählen davon.
«Am Anfang galten wir als Exoten»
Im Sommer lebt die Familie Borra-Schild auf der Alp, in einer einfachen Hütte. Dann pausiert Claudio mit seiner Arbeit als Zimmermann. Hoch über Grindelwald betreuen sie zusätzlich 120 Kühe anderer Bauern. Die Kinder gehen täglich hinunter zur Schule und wieder hinauf. Ausser in den Ferien.
«Am Anfang galten wir als Exoten mit unseren Eringern. In der Region züchtet sonst niemand. Akzeptanz mussten wir uns erarbeiten. Heute sind die Tiere eine Attraktion, Kinder staunen immer wieder. Das freut uns.»
Schild verfolgt Olympia-Rennen ganz genau
Zurück zum Sport. Schon Borra-Schilds Grossmutter Hedy Schlunegger (1923–2003) gewann Olympiagold. 1948 in St. Moritz, in der Abfahrt. Sie stürzte – und stand trotzdem zuoberst. Am Grab ihrer Grossmutter erzählt sie: «Ich wusste das lange nicht. Für mich war sie einfach das Grosi. Sie hat nie geprahlt.»
So wie sie selbst nicht. «Meine Buben haben meine Silberfahrt noch nie gesehen. Vielleicht zeige ich sie ihnen bald einmal am Computer.» Und nun, 20 Jahre nach ihrem grössten Ski-Erfolg? Borra-Schild: «Ich liebe Olympia, schaue gerne. Mit Corinne Suter fuhr ich noch, ich finde sie super. Aber ich drücke allen Schweizern die Daumen.»
