Darum gehts
- Gregor Deschwanden (34) holt Olympia-Bronze im Skispringen
- Früher als «Pseudo-Profi» kritisiert, heute erfolgreicher Spitzensportler
- Einen grossen Anteil an seinem Aufstieg hatte Weltmeister Andreas Küttel
Es fehlte nicht viel und Gregor Deschwanden (34) hätte 2018 seine Karriere beendet. Acht Jahre später fliegt der Luzerner sensationell zu Olympia-Bronze. Und verblüfft damit nicht nur die Schweiz, sondern auch sich selber. «Ich hatte nicht einmal die richtige Jacke für die Medaillenfeier dabei», erklärt er lachend im SRF-Interview.
Verübeln kann man ihm das nicht. Sein bestes Resultat in diesem Winter? Ein zehnter Rang. Unter anderem Regeländerungen im Materialbereich bereiteten ihm Probleme. «Es ist wirklich frustrierend», sagte er noch vor wenigen Wochen. Nun springt er mit einem Schanzenrekord aufs Olympia-Podest. Wahnsinn!
Freude herrscht nicht nur in Italien und in der Schweiz. Auch in Dänemark dürfte gejubelt werden. Denn da lebt mit Andreas Küttel (46) der Mann, dem Deschwanden verdankt, dass er noch immer durch die Luft fliegt.
Ein vernichtendes Fazit
Den wegweisenden Anruf tätigte der ehemalige Nationaltrainer Berni Schödler (54) im Anschluss an die Olympischen Spiele 2018. Küttel sollte den Schweizer Springern als Mentor zu Seite stehen.
Nach einer schonungslosen Analyse des Trainingsalltages von Deschwanden fällte der Weltmeister von 2009 ein vernichtendes Fazit: «Gregor was bis dahin ein Pseudo-Profi.» Was er damit meinte? «Ihm fehlte die Struktur in seinen Tagen. Er musste die Basics des Lebens als Spitzensportler lernen. Gregor glaubte, wenn er einmal am Tag trainiert und daneben chillt, kommt das Bestmögliche heraus.»
Dank den klaren Worten von Küttel realisierte Deschwanden, das sich etwas ändern musste. Zudem ermutigte er ihn, ein Studium zu beginnen. Deschwanden entschied sich für Betriebsökonomie. «So wird er auch geistig gefordert. Dann studiert er nicht immer am Skispringen herum.»
Ein Satz als grosse Motivation
Weil die guten Resultate ausblieben, kämpfte Deschwanden zu dieser Zeit nicht nur um das sportliche, sondern auch um das finanzielle überleben. Nach den Olympischen Spielen lebte er zwei Jahre lang vom Erspartem. Er sprach damals von einem «tiefroten Geschäft».
Auch deshalb überlegte er sich lange, ob er nicht besser einem «normalen» Job nachgehen sollte. In dieser Phase motivierte ihn Küttel mit dem Satz: «Du kannst nicht aufhören, bevor du aufs Podest gesprungen bis.» Im Weltcup gelang Deschwanden dies in der letzten Saison gleich mehrfach.
Teamkollege war sich bereits sicher
Doch in diesem Jahr kam der Luzerner nie so richtig ins Fliegen. Bis es im Probesprung vor dem Wettkampf plötzlich Klick machte. «Da spürte ich, dass heute etwas möglich ist.» Dieses Gefühl hatte auch sein Teamkollege Felix Trunz (19).
Der Teenager sprang bei seiner Olympia-Premiere auf den starken 18. Rang. Als er in der Mixed Zone ankommt, stehen noch acht Athleten oben. «Gregor packt das. Er fliegt heute brutal stark», war sich der Ostschweizer da schon sicher. Trunz sollte recht behalten.
Olympiasieger hat Verbindung zur Schweiz
Nach Walter Steiner (74) und Simon Ammann (44) ist Deschwanden der dritte Schweizer Skispringer, der an Olympischen Spielen eine Medaille holt. Und das punktgleich mit dem Japaner Ren Nikaido (24). Silber geht an den Polen Kacper Tomasiak (19). Der Olympiasieger kommt aus Deutschland und heisst Phlipp Raimund (25).
Sein Triumph freut auch das Schweizer Team. Zumindest jemanden aus der Delegation. Schliesslich ist sein Vater Christian Cheftrainer der Frauen. Nun dürfte eine wilde Party folgen. Schliesslich versprach Deschwanden vor den Spielen: «Wenn ich eine Medaille hole, dann wird so richtig gefeiert.» Na dann, Prost!