Kurioser Olympia-Schlafplatz
Schweizer Skispringer leben in Italien hinter Gittern

Das Olympische Dorf in Predazzo entspricht von aussen so gar nicht den Vorstellungen. Wie lebt es sich im Hochsicherheitstrakt? Mehrere Schweizer Athleten berichten.
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In die Kaserne in Predazzo kommt niemand einfach so hinein.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

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Nicola AbtReporter Sport

Freiwillig betritt man diesen Ort nicht. Ein hoher Metallzaun zieht sich entlang der Strasse, dahinter stehen beigefarbene Gebäude mit kleinen Fenstern. Über dem Eingangstor prangt der Schriftzug einer italienischen Militärschule. Mehrere Polizisten sichern den Eingang.

Kameras und Warnschilder machen klar, dass es sich hier um einen Hochsicherheitstrakt handelt. Umso erstaunlicher wirken die Szenen davor. Immer wieder spazieren Menschen lachend auf das Sicherheitsdispositiv zu. Nach einem kurzen Austausch werden sie kontrolliert und freundlich durchgewinkt.

Erst mit der Zeit wird klar, was hier vor sich geht. Es wird keine geheime Militäroperation vorbereitet, und es sind auch keine Häftlinge untergebracht. Vielmehr handelt es sich um das Olympische Dorf in Predazzo, in dem auch die Schweizer Skispringer untergebracht sind. 

Flughafen-Feeling in der Kaserne

Auf die spezielle Schlafstätte angesprochen, muss Felix Trunz (19) schmunzeln. «Von aussen sieht es tatsächlich schlimm aus», sagt der Teenager. Hinter den Gitterstäben wirke es jedoch nicht wie eine klassische Kaserne.

Trunz und Teamkollege Sandro Hauswirth (25) teilen sich ein Zimmer. Das WC und die Dusche haben sie für sich. Also keine Massenschläge, wie man das vom Militär kennt. «Es ist wie im Hotel», schildert Trunz. Hauswirth ergänzt: «Es wirkt alles neu – auch das Bad.» 

Einzig der Empfang sei etwas speziell gewesen. «Man musste wie am Flughafen mit all seinen Taschen durch die Sicherheitskontrolle», so Hauswirth. Einmal drin, fühlten sie sich schnell wohl. Ihre Zimmer wurden unter anderem mit Schweizer Fahnen dekoriert. Da sich die Spiele über ganz Norditalien erstrecken, hat jeder Wettkampfort sein eigenes Olympisches Dorf. 

Österreicher schotten sich ab

In den Genuss eines Einzelzimmers kommt Teamleader Gregor Deschwanden (34). Wie seine Kollegen ist auch er mit der Unterkunft zufrieden. Die Zimmer seien rund zwölf bis dreizehn Quadratmeter gross, schätzt der Luzerner. «Ähnlich wie in Sotschi 2014, in Südkorea und China glichen die Unterkünfte zuletzt eher kleinen Wohnungen.»

Besonders froh sind die gross gewachsenen Skispringer über die ausreichend langen Betten. Sonst wäre es ihnen wohl gleich ergangen wie Freestyle-Star Andri Ragettli (27), der auf dem Boden schläft. «Unsere Betten kann man sogar noch ausziehen», sagt Deschwanden.

Für einen guten Schlaf ist genauso gesorgt wie für eine anständige Verpflegung. In der Kantine steht ein grosses Buffet bereit – mit mehrheitlich italienischen Spezialitäten. «Es ist grossartig. Ausser man mag kein al dente, dann wird es schwierig.» Etwas abgeschottet haben sich die Österreicher. Sie verzichten auf das Olympia-Feeling in der Kaserne und wohnen wenige Meter entfernt in einem Hotel.

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