Die Medaillen
GOLD Franjo von Allmen/Tanguy Nef (Sz) 2:44,04
SILBER Marco Odermatt/Loïc Meillard (Sz) +0,99
SILBER Vincent Kriechmayr/Manuel Feller (Ö) +0,99
Das Rennen
Zweite Ski-Entscheidung bei den Männern und wieder jubeln die Schweizer! Und das gleich doppelt. Sie feiern in der Team-Kombi einen Doppelsieg. Die Entscheidung ist an Spannung fast nicht zu überbieten. Nach der Abfahrt siehts aus Schweizer Sicht schon gut aus, die Top-Duos liegen auf den Rängen 2 bis 4. Als sie dann im Slalom ins Geschehen eingreifen, liegen die Österreich-Duos Vincent Kriechmayr/Manuel Feller und Raphael Haaser/Michael Matt in Führung.
Tanguy Nef zeigt einen entfesselten Lauf, geht mit fast einer Sekunde Vorsprung in Führung. Eine Zeit, die nicht mehr unterboten wird. Weltmeister Loïc Meillard beisst sich an ihr ebenso die Zähne aus wie Daniel Yule. Während Letzterer weit zurückfällt, rettet Meillard immerhin Rang 2 ins Ziel – zeitgleich mit dem Duo Kreichmayr/Feller liegen er und Odermatt vor dem letzten Fahrer auf dem Silberrang. Nur noch Alex Vinatzer könnte den Schweizer Sieg verhindern. Tut er aber nicht. Auch er fällt zurück.
So jubelt Nef gemeinsam mit Franjo von Allmen über Gold. Von Allmen ist damit Doppel-Olympiasieger. Dahinter gibts mit Meillard/Odermatt sowie Kriechmayr/Feller zwei Silber-Duos. Im Pech sind die Österreicher Raphael Haaser/Michael Matt, die so das Podest um drei Hundertstel verpassen. Odermatt holt seine erste Medaille an diesen Spielen – und erstmals eine, die nicht golden glänzt. Und die Schweiz bleibt nach dem Dreifachsieg an der WM 2025 das Mass aller Dinge in der Team-Kombi.
Nicht mithalten können die anderen Schweizer Duos. Alexis Monney und Daniel Yule werden 13. (+1,95) und Stefan Rogentin wird gemeinsam mit Olympia-Debütant Matthias Itten 18. (+3,04).
Die Ausgangslage vor dem Slalom
Stefan Rogentin eröffnet die Abfahrt. Er zeigt eine solide Fahrt, kommt ohne grosse Probleme durch. Und ist am Ende rund eine halbe Sekunde schneller als noch am Samstag. Das reicht aber nicht, um eine gute Ausgangslage für Teamkollege Matthias Iten zu schaffen. 1,84 Sekunden liegen die beiden hinter der Abfahrtsbestzeit. Diese stellt der Italiener Giovanni Franzoni auf. Dahinter bringen sich drei Schweizer Teams in Position. Alexis Monney hat schon früh in seiner Fahrt einen Schreckmoment zu verdauen. Über den ersten Sprung kann er einen Sturz gerade noch vermeiden, handelt sich so aber einen grossen Rückstand ein. Was danach folgt, ist eine fulminante Aufholjagd. Am Ende liegt er nur 0,17 Sekunden hinter Franzoni auf Zwischenrang 2. Eine gute Ausgangslage für Daniel Yule.
Direkt hinter ihm liegt Marco Odermatt. «Ich glaube, das war eine Versöhnung mit der Stelvio», sagt er nach seiner Fahrt ins SRF-Mikrofon. Aus dem Samstag habe er seine Erkenntnisse gezogen und seine Qualitäten nun ausspielen können. Er schickt Loïc Meillard mit 0,28 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit in den Stangenwald. Auch Franjo von Allmen bringt sich und Teamkollege Tanguy Nef in Position. «Ich habs schlimmer erwartet, als ich ins Ziel gekommen bin», gibt sich der Abfahrts-Olympiasieger selbstkritisch. Trotz grossem Fehler ist er schnell, handelt sich nur 0,42 Sekunden Rückstand ein.
Das gab zu reden
Bei einem Wechsel vom Schatten ins Licht kassiert Florian Schieder in der Abfahrt einen Schlag. Weil er zudem nicht richtig in Position ist, kann er einen Sturz nicht verhindern. Bei einem Ski löst sich die Bindung, fliegt wild herum, trifft den Italiener zum Glück nicht. Schieder rutscht ein ganzes Stück die Piste runter, steht dann zum Glück aber schnell wieder auf. Dabei ist zu sehen: Sein Renndress hat den Sturz nicht heil überstanden. An seinem Hintern hats ein Loch. Damit ist die Team-Kombi auch für seinen Slalom-Partner Tobias Kastlunger vorzeitig zu Ende. Schieder ist der einzige Abfahrer, der nicht ins Ziel kommt.
Das gab zu reden II
Die Österreicher wollen nach der Abfahrt eine Reaktion zeigen. Ihr bester Athlet war Vincent Kriechmayr auf Platz 6. Das können sie im ersten Teil der Team-Kombi nicht toppen. Erneut ist Kriechmayr der Schnellste, 1,25 Sekunden Rückstand reichen aber nur für Zwischenrang 7. Auffällig: Seine Teamkollegen fahren alle fast genau gleich schnell wie ihr Teamleader. Raphael Haaser und Daniel Hemetsberger büssen jeweils 1,27 Sekunden auf die Bestzeit von Giovanni Franzoni ein, Stefan Babinsky verliert 1,30 Sekunden. Für Kriechmayr ists ein Déjà-vu. Schon an der WM letztes Jahr handelte er als Ausgangslage für Partner Manuel Feller eine Hypothek von 1,31 Sekunden Rückstand ein. Dieser will ihn aufbauen, aber das gelingt nicht. «Ich war richtig sauer, dass ich da noch eine Sekunde drauf krieg», meint Kriechmayr gegenüber ORF. «Es tut mir leid für ihn, da habe ich ihm keinen Gefallen getan.» Feller nimmt die Herausforderung an und bringt – anders als an der WM – seinen Lauf ins Ziel. Für das Ösi-Duo gibts Silber. Während es für Kriechmayr endlich die erste Olympiamedaille ist, ist es für Feller bereits die Zweite. Vor acht Jahren gewann er in der Mannschaft ebenfalls Silber.
Das gab zu reden III
Atle Lie McGrath fährt den Slalom mit Trauerflor am linken Arm, denn der Norweger hat traurige Tage hinter sich. Während der Eröffnungsfeier ist sein Grossvater gestorben. Er durfte friedlich einschlafen, wie McGrath auf Instagram mitteilt. «Es ist unbeschreiblich schmerzhaft, diese Worte schreiben zu müssen», so der Slalom-Spezialist weiter. «Gleichzeitig bin ich so glücklich, dass ich den besten Grossvater hatte und so viel Zeit meines Lebens mit dir verbringen durfte.» McGrath lässt tief blicken, denn er schreibt auch davon, dass er nicht wisse, wie er die Olympischen Spiele ohne seinen Grossvater schaffen soll. «Es fühlt sich so unwichtig an. Das Einzige, was mich aufrecht hält, ist, dass du immer wolltest, dass ich meine Träume verfolge.» Mit dem Trauerflor gedenkt er während der Fahrt seinem Grossvater. Und dieser wäre bestimmt stolz auf das, was sein Enkel zeigt.
Die Bedingungen
Bormio präsentiert sich wieder von seiner schönsten Seite. Das Wetter könnte mit blauem Himmel und Sonnenschein nicht besser sein. Da die Nacht klar war, ist die Piste hart. Diejenige der Abfahrt liegt schon bei Rennstart teilweise im Schatten. Und ist ziemlich unruhig, bereits beim ersten Fahrer rattert es heftig. Die Slalom-Piste präsentiert sich ähnlich. Sie ist eher flach, was im Weltcup selten vorkommt. Zudem konnten die Athleten erst bei der Besichtigung erstmals auf die Strecke.
So gehts weiter
Die zweite von fünf Medaillenentscheidungen bei den Männern ist gefallen. Als nächstes steht der Super-G auf dem Programm. Dieser findet am Mittwoch um 11.30 Uhr statt.