Darum gehts
Mit einer Louis-Vuitton-Tasche und in ausgefallenen Klamotten tauchte Kastriot Imeri (25) beim FC Thun im ersten Training auf. Das passt so gar nicht zu den Berner Oberländern, die sich oft auch als bodenständig bezeichnen.
Die Bilanz? Der Versuch ist erfolgreich! Imeri zeigt seine beste Saison seit langem, spielt fast immer und hat einen klaren Anteil am sensationellen Thuner Meistertitel. Unmittelbar nach dem Titelgewinn sagt er zu Blick: «Ich kam für Spielpraxis und habe hier viel mehr gewonnen.»
Das kurze Interview während der Feierlichkeiten zeigt eine andere Seite von Imeri. Er ist nicht nur der extravagante Fussballer und Showman, sondern ein Mensch mit einem grossen Herzen. Als sich während des Interviews ein junger Fan zu ihm gesellt, nimmt ihn Imeri während des gesamten Gesprächs in den Arm. Und nach den Spielen ist es jeweils Imeri, der seine Freude über Tore und Assists seiner Mitspieler lautstark kundtut.
Top-Werte bei Torbeteiligungen und entscheidenden Pässen
Man merkt: Imeri fühlt sich wohl beim FC Thun. Schon im Oktober ist er einer der Ersten, der sich auf die Äste hinauslässt. Meister? «Würde ich nicht kategorisch ausschliessen», sagt er selbstbewusst. Nun hat er geliefert und seinen Anteil am sensationellen Coup des Aufsteigers.
Dies äussert sich auch in den Zahlen. Pro Match ist Imeri im Schnitt an 0,8 Toren beteiligt – ein Top-Wert. Der Genfer ist ein Mann für die entscheidenden Momente. Eine andere Statistik zeigt, dass seine Pässe die Gefährlichkeit von Torchancen massiv erhöhen. Er schlägt viele Pässe in den gegnerischen Strafraum, nur Fabio Fehr kommt von den Thunern auf noch mehr pro 90 Minuten.
Und da sind noch die Standards. Vier Abschlüsse gab es in dieser Saison im Anschluss an seine Freistösse, viermal fiel ein Tor! Im Oktober hat er mit einem direkten Freistoss ein knappes Spiel im Alleingang entschieden – das 1:0 auf schwierigem Pflaster auswärts in Sion.
«Da wollte ich alles hinschmeissen»
Bei 6 Toren und 7 Assists steht Imeri in dieser Saison. In den drei Jahren davor bei YB sieht es für den einstigen Super-League-Rekordtransfer ganz anders aus. Zu Beginn verbucht er zwar 5 Tore und 4 Assists, dann kommen dunkle Zeiten auf den Familienmenschen Kastriot Imeri in Bern zu. Verletzungen werfen ihn immer weiter zurück. «Ich war an einem bestimmten Punkt, da wollte ich alles hinschmeissen» – er lässt im September im Blick-Interview tief blicken.
Zum Zeitpunkt dieses Interviews plagen Imeri noch Rückenprobleme. Manchmal muss er aussetzen oder kommt zu Kurzeinsätzen. In den folgenden Monaten steigern sich die Einsatzzeiten stetig, bei den entscheidenden Spielen im Meister-Endspurt steht Imeri viermal in Folge in der Startelf.
Wie hat Thun Imeri wieder zum Glänzen gebracht?
Was man immer wieder hört: Imeri ist ein Spieler, der das Vertrauen spüren muss. Das Gefühl, gebraucht zu werden. Gegen eine übertriebene Darstellung wehrt sich Imeri zwar: «Zu sagen, dass ich in einem gut behüteten Umfeld sein muss, um auf dem Platz stark zu sein? Das würde ich so nicht bestätigen.» Er verweist auf die Zeit bei seinem Heimatklub Servette, als er als junger Profi zwei, drei Jahre auf der Bank auf mehr Spielzeit gewartet und sich dennoch durchgebissen habe. Aber das Phänomen, dass sich in Thun viele Spieler öffnen, hat vor kurzem Leonardo Bertone beschrieben. «Jeder der neu kommt, sagt: ‹Die spinnen ja hier.›» Genau das Umfeld für Imeri.
Gesichert ist der Faktor Mauro Lustrinelli (50). Der Thuner Meister-Trainer spielte eine entscheidende Rolle beim Transfer von Imeri von YB zu den Berner Oberländern. Ohne Lustrinelli wäre es wohl nie zu einem Transfer gekommen. Die beiden kannten sich bereits aus der Zeit bei der Schweizer U21-Nati. Die Söhne von Lustrinelli gratulierten ihrem Vater, als der Transfer bekannt wurde. Und Imeri betonte die spezielle Verbindung zum Coach während der Saison immer wieder.
Nun stehen noch drei Spiele an. Und dann? Imeri ist von YB nur ausgeliehen, Thun besitzt jedoch eine Kaufoption. Diese soll etwas über eine Million Franken betragen. Ob dieser Betrag drinliegt für die Thuner? Das wird zu einer spannenden Frage in den nächsten Wochen.
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 35 | 35 | 74 | |
2 | FC St. Gallen | 35 | 22 | 63 | |
3 | FC Lugano | 35 | 14 | 63 | |
4 | FC Sion | 35 | 21 | 58 | |
5 | FC Basel | 35 | 6 | 56 | |
6 | BSC Young Boys | 35 | 3 | 48 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 35 | 6 | 46 | |
2 | Servette FC | 35 | 4 | 46 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 35 | -9 | 42 | |
4 | FC Zürich | 35 | -21 | 35 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 35 | -28 | 27 | |
6 | FC Winterthur | 35 | -53 | 20 |

