Darum gehts
- Der FC Thun wird als Aufsteiger in der Super League sensationell Schweizer Meister
- Trainer Mauro Lustrinelli überzeugt mit Intelligenz, Stolz und Vorbildfunktion
- Thuns Ziel: Stabilität in Super League und gelegentliche internationale Teilnahme
Blick: Hanspeter Latour, Thun ist Meister. Hätten Sie das je für möglich gehalten?
Hanspeter Latour: Ich muss ehrlich sagen: Gerechnet habe ich nicht mehr damit. Aber gehofft immer! Und je länger die Saison ging, desto mehr habe ich daran geglaubt. Die Sensation ist ja nicht nur der Titel – sondern wie sie das gemacht haben. Als Aufsteiger von Anfang an vorne, immer hat man gesagt: Der Einbruch kommt. Der kam nie.
Sie haben das früh anders gesehen.
Ja, nach vier Runden habe ich zu Blick gesagt: Die bleiben vorne. Dafür habe ich auch Gegenwind bekommen. Aber ich hatte das Gefühl, die sind zu schwer zu schlagen. Das hat sich jetzt bewahrheitet.
Sie haben den Klub als Balljunge, Spieler und Trainer erlebt. Was bedeutet dieser Titel für Sie?
Sehr viel. Mein Bubentraum war es, mit Thun ganz oben zu spielen. Als Spieler hat das nicht geklappt, aber als Trainer durfte ich 2002 den Aufstieg feiern. Als der Schiedsrichter abgepfiffen hat, ist etwas aus mir rausgekommen – das war dieser Traum. Und jetzt das noch zu erleben, ist einfach wunderschön. Ich meine, ich werde nächstes Jahr 80!
Wie eng sind Sie heute noch mit dem Klub verbunden?
Der Kontakt ist geblieben. Zu Präsident Andres Gerber, der mich immer wieder einlädt. Und auch zu Trainer Mauro Lustrinelli. Ich wünsche allen Klubs, bei denen ich war, das Beste. Aber Thun wird immer speziell für mich sein.
Was zeichnet Trainer Lustrinelli aus?
Er lebt es seinen Spielern vor. Mit Stolz und Selbstbewusstsein geht er auf den Platz, toll! Und er ist extrem schlau. Als Spieler musste er das auch sein, mit seiner kleinen und schlanken Statur war das nicht einfach. Er hatte oft gegnerische Spieler vor sich wie einen Pascal Zuberbühler, die drei Köpfe grösser waren. Aber er wusste immer genau, wo er stehen muss. Dieses Gespür und die Spielintelligenz hat er heute auch als Trainer.
Der Spieler: Thun (1964–1966, NLB), Le Locle (1966/67, NLB), Thun (1967–1971, NLB/1. Liga), YB (1971–1974, NLA).
Der Trainer: Dürrenast (1974–1978, 1. Liga), Thun (1978–1983, 2. Liga, Aufstieg 1. Liga 1983), Solothurn (1983–1996, 1. Liga/NLB, Aufstieg NLB 1987, Abstieg 1. Liga 1988, Aufstieg NLB 1994), GC (1997/98, Assistent/für zwei Spiele Interimstrainer, NLA, Meister), Baden (1998, NLB), Wil (1999, NLB), Basel (2000–2001, NLA), Thun (2001–2004, NLB/NLA, Aufstieg NLA 2002), GC (2005, NLA), Köln (2006, 1./2. Bundesliga, Abstieg), GC (2007–2009, NLA).
Der Privatmensch: Seit 1972 mit Thilde verheiratet, ein Sohn und eine Tochter (leben beide in Zürich), drei Enkelkinder.
Der Spieler: Thun (1964–1966, NLB), Le Locle (1966/67, NLB), Thun (1967–1971, NLB/1. Liga), YB (1971–1974, NLA).
Der Trainer: Dürrenast (1974–1978, 1. Liga), Thun (1978–1983, 2. Liga, Aufstieg 1. Liga 1983), Solothurn (1983–1996, 1. Liga/NLB, Aufstieg NLB 1987, Abstieg 1. Liga 1988, Aufstieg NLB 1994), GC (1997/98, Assistent/für zwei Spiele Interimstrainer, NLA, Meister), Baden (1998, NLB), Wil (1999, NLB), Basel (2000–2001, NLA), Thun (2001–2004, NLB/NLA, Aufstieg NLA 2002), GC (2005, NLA), Köln (2006, 1./2. Bundesliga, Abstieg), GC (2007–2009, NLA).
Der Privatmensch: Seit 1972 mit Thilde verheiratet, ein Sohn und eine Tochter (leben beide in Zürich), drei Enkelkinder.
Sind Sie ein bisschen neidisch, dass nicht Sie dieser Meistertrainer sind?
Überhaupt nicht! Das ist nicht meine Art. Ich habe 35 Jahre als Trainer erlebt, so viel gesehen. Ich weiss ganz genau, was hinter diesem Erfolg steckt – darum gönne ich es ihnen von Herzen.
Sie haben ja selbst einmal einen «Kübel» organisiert …
Ja, das war im Training mit den Thunern, da sind wir bei einem Trödelladen vorbeigekommen (lacht). Davor stand ein Zinnkübel mit der Aufschrift: «Gratis zum Mitnehmen.» Ich habe den später geholt und der Mannschaft gesagt: Jetzt haben wir wenigstens schon mal einen Kübel! Der steht heute noch bei uns zu Hause im Garten. Aber dieser hier – der ist natürlich ein anderer.
Was macht Sie an dieser Mannschaft besonders stolz?
Die Werte. Das ist ähnlich wie bei uns damals: Zusammenhalt, Demut, kein Gehabe und keine einzelnen Stars. Sie wissen, was sie können, heben aber nicht ab. Genau so musst du arbeiten.
Was wünschen Sie dem FC Thun für die Zukunft?
Dass sie sich stabilisieren. Im oberen Drittel der Super League bleiben, vielleicht ab und zu internationale Luft schnuppern. Jetzt ist Euphorie – aber Thun ist keine klassische Fussballstadt. Es wird entscheidend sein, ob die Leute auch kommen, wenn es mal nicht so läuft.
Sie sagen: Thun ist keine klassische Fussballstadt. Was braucht es, damit sich das ändert?
Das braucht Zeit. In anderen Städten wie zum Beispiel in St. Gallen ist das über Jahrzehnte gewachsen. Tradition lässt sich nicht erzwingen, die muss entstehen. Und genau deshalb brauchts jetzt über mehrere Jahre diese Stabilität.
Warum gerade St. Gallen?
Das ist einfach eine Fussballstadt. Die können so schlecht spielen, wie sie wollen – die besten Bratwürste haben sie aber trotzdem! (lacht)
Das haben Sie einmal öffentlich gesagt – mit Folgen …
Ja, ich wusste damals nach einem Spiel nicht recht, was ich fussballtechnisch sagen soll, also habe ich das mit den Bratwürsten erwähnt. Und dann ist etwas Lustiges passiert: Jedes Mal, wenn ich später mit einer Mannschaft nach St. Gallen gekommen bin, hat mir der Platzwart nach dem Match eine Bratwurst und ein Bürli gebracht. Immer! Das war so herzig.
Wo sehen Sie jetzt die grössten Herausforderungen für Thun?
Die Erwartungshaltung. Jetzt kommen viele, weil es im Trend ist. Aber der Klub braucht diese Unterstützung und Resonanz immer. Es kostet immer gleich viel, egal, ob du Letzter bist, Fünfter oder Erster.
Was bedeutet dieser Titel für den Schweizer Fussball?
Dass eben doch alles möglich ist. Mit Teamgeist, klarer Idee und Mut. Das ist eine schöne Geschichte – und eine, die man nicht so schnell vergisst.

