Hischier schwärmt vom Nati-Teamgeist
«Bei uns sitzen 25 Leader»

Die Schweizer Nati spielt sich in der WM-Gruppenphase in eine Euphorie – einmal mehr. NHL-Star Nico Hischier versucht zu beschreiben, was die Truppe so besonders macht. Und sagt, dass Ex-Trainer Patrick Fischer den grossen Anteil am verschworenen Teamgeist hat.
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Weil die New Jersey Devils die NHL-Playoffs verpassten, konnte deren Captain Nico Hischier bereits in der letzten WM-Vorbereitungswoche bei der Nati sein.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

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  • Nico Hischier geniesst Heim-WM: «Es macht so viel Spass»
  • Teamgeist bleibt trotz Fischers Entlassung stark: «Sich alle fürs Kreuz auf der Brust zerreissen»
  • Mit 19 WM-Debüt: Heute Leader in Nati mit grosser Verantwortung
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Nicole VandenbrouckReporterin Eishockey

Blick: Nico Hischier, können Sie uns mal Ihre unterschiedliche Gefühlslage von dieser und der letzten WM beschreiben?
Nico Hischier: Ich kann mich noch gut erinnern, ich war enttäuscht und frustriert, dass ich mich in Herning im Spiel gegen die Deutschen verletzt habe. Aber solche Dinge sind ausserhalb meiner Kontrolle. Holz anfassen, jetzt bin ich gesund und geniesse diese Heim-WM sehr. Es macht so viel Spass, dieses Turnier zu spielen.

Sie entschieden damals, trotz Verletzung beim Team zu bleiben. Was war Entschädigung genug dafür, dass Sie der Nati von der Tribüne aus zuschauen mussten?
Ich muss ehrlich sagen, zuzuschauen war wirklich komisch. Eine völlig andere Erfahrung. Ich fieberte zwar mit, wäre aber natürlich lieber selbst auf dem Eis gewesen, um dem Team zu helfen. Ich realisierte, dass ich auf der Tribüne deutlich nervöser bin als auf dem Eis. Ich entschied mich dafür, weil ich in jenem Moment einfach lieber bei der Mannschaft bleiben wollte. Die Zeit mit den Jungs neben dem Eis ist für mich persönlich auch immer ein Grund, wann immer möglich an einem WM-Turnier dabei zu sein. Ich freue mich immer auf alle, wir haben es wirklich super, spielen Brändi Dog und verbringen auch abseits des Eises eine gute Zeit. Deshalb war für mich klar, dass ich bleiben möchte.

Das Team hat Ihnen in dieser Zeit mit Ablenkung geholfen – und umgekehrt?
Das müssten Sie meine Teamkollegen fragen (grinst). Aber ich denke schon, dass ich auch für sie da gewesen bin. Wenn mir in Spielsituationen etwas aufgefallen ist von der Tribüne aus, habe ich dies meinen Teamkollegen mitgeteilt. Das war einer der positiven Aspekte meines Verbleibs. Und ich hoffe schon, dass ein paar Jungs Freude hatten, dass ich da war.

Erzählen Sie, was den Teamgeist dieser Mannschaft so besonders macht?
Das zu beschreiben, ist extrem schwierig. Jeder kommt gerne zur Nati, alle sind gute Typen, keiner denkt zuerst nur an sich, das Team steht an erster Stelle. Wenn man spürt, dass sich alle fürs Kreuz auf der Brust zerreissen, macht es wirklich Spass, so Hockey zu spielen.

Keiner ist grösser als das Team?
Genau.

Was hat die Entlassung von Patrick Fischer mit der Mannschaft gemacht, deren Teamgeist er mit geformt hat?
Was man betonen muss: «Fischi» ist ein grosser Grund für diese Energie, die wir in der Mannschaft haben. Es war eine seiner Stärken, eine Beziehung zu und unter uns Spielern aufzubauen. Daraus ist dieses Miteinander gewachsen. Seine Überzeugung, dass wir mit der Weltspitze mithalten können, war ansteckend. Das nur zu sagen oder wirklich zu glauben, ist ein grosser Unterschied. Er hat das über die Jahre hart mit uns erarbeitet. Ihm verdanken wir im Schweizer Hockey viel. Jan (Cadieux, die Red.) hat unter Fischer gearbeitet und weiss, wie man diesen Teamgeist weiterführt und entwickelt. Der Zusammenhalt ist stark geblieben und wird es auch in den nächsten Jahren sein.

Habt Ihr Euch auch als Spieler explizit vorgenommen, dieser DNA treu zu bleiben?
Ja, einer für alle, alle für einen. Das wird unser Motto bleiben. Das Team kommt an erster Stelle. Sieht das einer anders, wird er aussortiert. Denn es gibt genug Spieler, die Teil dieses Teams sein möchten.

Bei dieser Antwort muss Hischier selber lachen
1:49
Blick macht den Schweiz-Check:Bei dieser Antwort muss Hischier selber lachen

Sie gaben Ihr WM-Debüt mit 19. Wie denkt man als Teenager, wie die Hockey-Welt funktioniert?
Ehrlich gesagt habe ich damals wahrscheinlich wenig darüber nachgedacht, sondern einfach Hockey gespielt. Ich bin sehr dankbar, dass ich schon in so jungen Jahren in der Nati spielen durfte. Eine Nomination ist nie selbstverständlich. Ich kann mich gut an meine erste WM in der Slowakei erinnern. Im Viertelfinal verloren wir knapp gegen Kanada in der Verlängerung (2:3, die Red.), kassierten in der letzten Sekunde den Ausgleich. Das war erstmals ein richtig bitteres Gefühl für mich, diese Niederlage. Doch schon da spürte ich die Bedeutung dieses Teams und dass ich mit ihm eine WM spielen kann. Natürlich verfügte ich damals noch über etwas weniger Erfahrung als heute, aber Hockey ist Hockey geblieben.

Wie sehen Sie sich in diesem Team?
Ich bin mittlerweile Teil der Leadergruppe. Aber wir betonen immer wieder, dass in dieser Garderobe 25 Leader sitzen. Vielleicht ist auch das die Besonderheit von unserem Teamgeist. Ob Captain oder Assistent, die Worte von jedem Spieler haben Gewicht, jedem wird zugehört. Für mich hat sich nicht viel verändert. Ich versuche immer, ich selbst zu sein und mein Bestes zu geben fürs Team. Auf dem Eis oder mit Inputs für Verbesserungen, auch bei Teamkollegen. Das nächste Mal hilft mir jemand. Es ist wirklich ein Geben und Nehmen zwischen uns allen. Das ist das Schöne in der Nati. Und meine Rolle, die ich haben darf, eine Ehre. Ich bekomme viel Verantwortung, auch das ist nicht selbstverständlich.

Hat Sie der frühe Wechsel nach Nordamerika und dort nach einem Junioren-Jahr in die NHL im Schnelldurchlauf reifen lassen?
Ja, ich musste dadurch in gewissen Dingen sicher schneller erwachsen werden als andere. Es waren schon viele wertvolle Erfahrungen, die ich früh in meinem Leben gesammelt habe – sei es auf oder neben dem Eis. Das ist auch eine schöne Seite im Hockey oder im Sport allgemein. Diese Erfahrungen sind fürs Leben, ja, sie sind das Leben. Man lernt aus Positivem oder Negativem etwas und macht es noch besser. Ausgelernt hat man nie.

Was war Ihr grösstes Learning?
Dass man wirklich auf den Körper und die Gesundheit achten muss. Ich wurde lange vor grossen Verletzungen verschont, bis zur Covid-Saison 2020/21, da erlitt ich mehrere Blessuren. Ich war oft weg vom Team, verbrachte die meiste Zeit im Gym oder in der Reha. Da hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Da waren auch schwierige Tage darunter. Mein Bewusstsein für und mein Interesse an einem gesünderen Lebensstil wuchsen. Ernährung, Erholung, was kann ich meinem Körper Gutes tun. Er ist das Kapital von uns Spielern. Gesundheit ist das A und O im Leben, auch neben dem Sport. Es hat mir die Perspektive darauf verändert in jener Zeit. Ein weiteres Learning war für mich, zu separieren zwischen mir als Spieler und Privatperson. Ich sehe den Sport als Sport. Ich spiele zwar Hockey, aber ich bin auch ein Mensch hinter dem Spieler.

Nico Hischier persönlich

Nico Hischier (27) stammt aus Naters VS. Mit 15 wechselte er vom EHC Visp zum SC Bern, wo er sein NL-Debüt gab. In der nordamerikanischen Junioren-Liga entwickelte sich der Center bei den Halifax Mooseheads weiter. 2017 wurde er im NHL-Draft von den New Jersey Devils als erster Schweizer als Nummer 1 gewählt und debütierte noch in der gleichen Saison. Als Rookie schaffte Hischier auf Anhieb 52 Skorerpunkte (20 Tore).

2019 unterschrieb der Walliser einen Siebenjahres-Vertrag über 50,75 Millionen US-Dollar. Vor seinem Comeback nach einer Fussverletzung wurde Hischier im Febuar 2021 zum Devils-Captain ernannt. Er ist nach Mark Streit (NY Islanders) und Roman Josi (Nashville) erst der dritte NHL-Schweizer mit dem C auf der Brust. In seiner bisherigen Zeit mit New Jersey schaffte der Stürmer mit dem Team dreimal die Playoffs.

Sein WM-Debüt gab der NHL-Star bereits mit 19 Jahren, diese Heim-WM ist das siebte Turnier von Hischier. Bereits seit 2020 gehört er – wenn er dabei ist – zum Leader-Team, führte die Nati schon zweimal als WM-Captain an. Mittlerweile ist er zweifacher WM-Silberheld (2024, 2025).

Getty Images

Nico Hischier (27) stammt aus Naters VS. Mit 15 wechselte er vom EHC Visp zum SC Bern, wo er sein NL-Debüt gab. In der nordamerikanischen Junioren-Liga entwickelte sich der Center bei den Halifax Mooseheads weiter. 2017 wurde er im NHL-Draft von den New Jersey Devils als erster Schweizer als Nummer 1 gewählt und debütierte noch in der gleichen Saison. Als Rookie schaffte Hischier auf Anhieb 52 Skorerpunkte (20 Tore).

2019 unterschrieb der Walliser einen Siebenjahres-Vertrag über 50,75 Millionen US-Dollar. Vor seinem Comeback nach einer Fussverletzung wurde Hischier im Febuar 2021 zum Devils-Captain ernannt. Er ist nach Mark Streit (NY Islanders) und Roman Josi (Nashville) erst der dritte NHL-Schweizer mit dem C auf der Brust. In seiner bisherigen Zeit mit New Jersey schaffte der Stürmer mit dem Team dreimal die Playoffs.

Sein WM-Debüt gab der NHL-Star bereits mit 19 Jahren, diese Heim-WM ist das siebte Turnier von Hischier. Bereits seit 2020 gehört er – wenn er dabei ist – zum Leader-Team, führte die Nati schon zweimal als WM-Captain an. Mittlerweile ist er zweifacher WM-Silberheld (2024, 2025).

Als Devils-Captain werden Sie als Figur enorm hervorgehoben. Können Sie in der Nati eher Sie selber sein?
Der Vergleich ist schwierig. Eine WM dauert zwei Wochen, eine NHL-Saison sieben, acht Monate. Auch in New Jersey kann ich meistens so sein, wie ich bin. In der Nati, umgeben von nur Schweizern, ist es aber schon anders. Während einer langen Saison gibt es mehr Hochs und Tiefs als während eines kurzen Turniers. Und die NHL ist ein Business, als Captain muss ich immer hinstehen und Erklärungen liefern, wenn es unseren Devils nicht gut läuft. Verlieren macht mir persönlich auch keinen Spass, vielleicht wirke ich deshalb etwas weniger relaxt dort.

Wie anstrengend ist es, dass immer Sie sich nach Kanterniederlagen erklären müssen?
Es ist nicht immer einfach, aber es gehört für mich dazu. Wenn ich mal keine Antworten habe, ist es für mich auch okay. Würde ich alle Antworten immer kennen, wäre das schön. Aber das geht nicht. Wichtig ist, sich auf jene Dinge zu fokussieren, die ich selbst kontrollieren kann. Bei so vielen Spielen und dem hohen Rhythmus der Saison ist man in einem Flow, in dem man die Emotionen nicht immer gleich zeigt.

Und dass bereits jetzt Ihr Vertrag thematisiert wird, obwohl er noch bis 2027 läuft?
Ja, das gehört genau auch zu diesem NHL-Business. Da versuche ich, noch keine Energie darauf zu verschwenden. Ich persönlich weiss ja immer, was vom Geschriebenen der Wahrheit entspricht und was nicht. Darum lasse ich mich davon nicht ablenken und lese möglichst wenig über mich (schmunzelt). Für mich ist das noch kein Thema.

Haben Sie sich mittlerweile daran gewöhnt, dass man im Internet Ihren Lohn nachlesen kann? Oder stört es Sie noch?
Am Anfang war es komisch, vor allem hier in der Schweiz. Aber drüben ist das normal, und ich kann es nicht ändern.

Die regelmässige Playoff-Abwesenheit oder das frühe Out der Devils macht Sie schon zum 7-fachen WM-Teilnehmer für die Schweiz. Was bedeutet das für Sie?
Einerseits ist der Stanley Cup ein grosses Ziel von mir. Es war eine enttäuschende Saison der Devils, und ich wäre gerne noch in den Playoffs dabei. Aber über die Jahre hat sich gezeigt, dass es kein leichtes Unterfangen ist. Von 32 Teams erreichen 16 die Playoffs. Es ist ein Kampf über 82 Spiele, die Saisons sind emotionale Achterbahnfahrten. Die Herausforderung ist, dass man da mental und körperlich die Balance hält. Die Zeit wäre reif in New Jersey, um auch in den Playoffs konstant sein zu können. Darum gab es im Klub Änderungen, und ich bin gespannt, welche Ideen der neue GM (Sunny Mehta, die Red.) mitbringt. Jetzt ist mein Fokus hier bei der Nati. Aber im Sommer wird mich das beschäftigen, auch meine persönliche Ausgangslage. Da werden wir Kontakt haben.

WM-Gold oder Stanley Cup?
Beides (lacht). WM-Gold wäre etwas Riesiges für uns, kann man aber nicht vergleichen mit dem Stanley Cup, für den man als Team über Monate alles gibt und vier Playoff-Serien gewinnen muss.

Wie fühlt sich diese Heim-WM bisher an für Sie?
Es macht Spass, das ist das Wichtigste, wenn man Hockey spielt. Es würde jeder Spieler bestätigen, dass es während einer Saison auch Momente gibt, in denen das nicht der Fall ist. Aber hier mit den Jungs, den Fans, das ist für mich grossartig, ich geniesse es. Die Freude daran darf man nie vergessen. Es ist meine siebte WM, die Zeit vergeht so schnell. Ich gehe schon auf die 30 zu. Als ich mit 18 in die NHL kam, sagten mir die älteren Jungs: «Du wirst sehen, wie schnell es geht.» Jetzt, neun Jahre später, weiss ich, was sie gemeint haben. Aber man realisiert es erst danach.

Eishockey-WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
6
30
18
2
Finnland
Finnland
5
19
15
3
Österreich
Österreich
5
-6
9
4
Deutschland
Deutschland
6
-2
7
5
Lettland
Lettland
5
-6
6
6
USA
USA
5
-3
5
7
Ungarn
Ungarn
5
-13
3
8
Großbritannien
Großbritannien
5
-19
0
Playoffs
Abstieg
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kanada
Kanada
5
15
14
2
Tschechische Republik
Tschechische Republik
5
6
13
3
Slowakei
Slowakei
5
8
11
4
Norwegen
Norwegen
5
7
10
5
Schweden
Schweden
6
9
9
6
Dänemark
Dänemark
5
-11
3
7
Slowenien
Slowenien
6
-16
3
8
Italien
Italien
5
-18
0
Playoffs
Abstieg
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