Die Erwartungen waren nach zwei Silbermedaillen vor der Heim-WM riesig. Die Nati lässt sich dadurch nicht beeindrucken. Im Gegenteil: Sie zerlegt die Gegner, als ob es nichts Einfacheres gäbe, und spielt sich und die Fans in einen Rausch.
Nach dem 6:1 gegen Deutschland vom Montag legt das Team von Jan Cadieux ein 9:0 gegen Österreich nach und spielt sich mühelos zum vierten Sieg im vierten Spiel. Auch dieses Jahr ist die Frage nicht, ob sich die Schweizer für die Viertelfinals qualifizieren, sondern nur noch, ob sie dies als Gruppensieger tun.
Wieder feiert die Nati ein Frühlings-Märchen. Vor eigenem Anhang machts noch mehr Laune. Dass man fast nebenbei die beiden deutschsprachigen Nachbarn mit einem Gesamtskore von 15:1 in die Schranken gewiesen hat und dem Heim-Publikum wunderbare Momente mit «Richi» in hoher Kadenz und «Venus von Bümpliz» geboten hat, macht es noch schöner.
«Am Montag hatte ich Gänsehaut und jetzt hatte ich wieder Gänsehaut. Es ist sehr schön», sagt NHL-Star Nico Hischier.
«Wir wissen, dass es ein langer Weg ist»
In den zehn Jahren unter Patrick Fischer hat das Team nicht nur gelernt, gross zu denken, sondern tanzt durch die Gruppenphase. Dabei hat es seit 2022 in 32 Spielen 87 von 96 Punkten geholt und nur dreimal verloren: Letztes Jahr beim Startspiel gegen Tschechien in der Overtime, 2024 gegen Kanada und 2023 gegen Lettland ebenfalls in der Verlängerung, als es für die Nati zum Schluss um nichts und für den Gastgeber um alles ging.
«Die ersten vier Spiele zu gewinnen, ist zwar super für uns. Gleichzeitig ist auch wichtig, dass wir uns weiter verbessern. Das haben wir heute schon gemacht», sagt Captain Roman Josi und schiebt nach: «Wir wissen, dass es ein langer Weg ist. Die letzten paar WM-Turniere hatten wir immer gute Gruppenphasen, wir wissen aber, was das grosse Ziel ist.»
Der Spagat zwischen dem Reiten auf der Welle der Euphorie und die Bodenhaftung nicht zu verlieren, gelingt der Nati. Das sei nicht immer einfach, sagt Hischier. «Aber für uns ist es wichtig, dass wir eine Balance finden. Es ist ein grosser Hype um uns herum.» Sein Klub-Kollege bei den New Jersey Devils, Timo Meier, sagt: «Wir starteten mit der richtigen Mentalität ins Spiel. Es war sehr wichtig, dass wir von Anfang an ein hohes Tempo angeschlagen und gradlinig gespielt haben.»
Cadieux in der Rolle der Spassbremse
Dafür, dass keiner zu hoch fliegt, sorgt Cadieux, der vor fünf Wochen nach der Trennung von Fischer vorzeitig zum Chef aufstieg. Er übernimmt bei Bedarf die Rolle der Spassbremse und betont nach jedem Spiel, dass man demütig bleiben müsse.
Nun folgen die Spiele gegen Aufsteiger Grossbritannien und Ungarn. Da erwartet jeder weitere Schaulaufen. «Es ist ein grosser Fehler, so zu denken», warnt Cadieux. Er weiss auch, dass danach grössere Brocken warten. Am Dienstag kommt es gegen die starken Finnen zum Duell um den Gruppensieg. Den zu holen, könnte sich lohnen. Denn als Zweiter könnte man auf die Schweden treffen, den grössten Party-Crasher den das Schweizer Hockey kennt. Das muss ja nicht sein, auch wenn diese Nati vor niemandem Angst zu haben braucht.
Wo endet dieses Frühlings-Märchen?
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Schweiz | 4 | 18 | 12 | |
2 | Finnland | 3 | 9 | 9 | |
3 | Österreich | 4 | -2 | 9 | |
4 | USA | 4 | -1 | 5 | |
5 | Ungarn | 3 | 0 | 3 | |
6 | Lettland | 3 | -2 | 3 | |
7 | Deutschland | 4 | -10 | 1 | |
8 | Großbritannien | 3 | -12 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Tschechische Republik | 4 | 5 | 10 | |
2 | Kanada | 3 | 12 | 9 | |
3 | Slowakei | 3 | 5 | 8 | |
4 | Schweden | 4 | 7 | 6 | |
5 | Norwegen | 3 | 7 | 6 | |
6 | Slowenien | 4 | -10 | 3 | |
7 | Dänemark | 3 | -11 | 0 | |
8 | Italien | 4 | -15 | 0 |









