«Ich musste künstlich ernährt werden»
Die unglaubliche Verletzungsserie von HCD-Kämpfer Frehner

Yannick Frehner kämpfte sich nach schlimmen Verletzungen stets wieder zurück – heuer stärker denn je. Der Churer hat sich beim HCD seinen Status hart und mit Härte erarbeitet. Derzeit spielt er die besten Playoffs der Karriere und erklärt, warum er so heiss darauf ist.
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Nicole VandenbrouckReporterin Eishockey

Schnauzer, Zahnlücke, Grinsen. Das trägt Yannick Frehner im Gesicht. Und eine Narbe an der linken Seite des Kinns, eine kleine im Verhältnis zum Ausmass der schlimmen Verletzung, von der sie stammt. Ende November 2021 wird der HCD-Stürmer im Spiel gegen die SCL Tigers vom Puck im Gesicht getroffen, als er einen Schuss blockt. Er spürt in jenem Moment zwar keine Schmerzen, dafür aber, dass sein Unterkiefer nicht mehr so sitzt, wie er sollte.

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Yannick Frehners Markenzeichen: Schnauzer, Narbe und Grinsen.
Foto: keystone-sda.ch

Der Bündner fährt vom Eis und hält sich dabei die Hand vor die Wunde. Als er sie den Ärzten zeigt und sie «Oh, Scheisse!» sagen hört, weiss er sofort, dass es übel ist. Ein Loch klafft am Kinn, «es sah schlimm aus». Frehner wird sofort ins Kantonsspital Chur gefahren, und in derselben Nacht am gebrochenen Kiefer operiert. Zwei Zähne können nicht gerettet werden, ein dritter ist gespalten. «Den hat mir später noch Barandun mit seinem Stock ausgeschlagen.» Sein Verteidiger-Kollege sagt auf MySports über ihn und seinen unbändigen Kampfgeist: «Selbst wenn er ein Bein verlieren würde, würde er noch vier Spiele durchspielen.»

«Mein Spielstil ist nicht der gesündeste»
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Portrait über Yannick Frehner:«Mein Spielstil ist nicht der gesündeste»

Heute kann er darüber lachen. Als der 28-Jährige nach der ersten Kiefer-OP aus der Narkose aufwacht, bekommt er Panik. «Ich konnte den Mund nicht richtig öffnen, da alles verdrahtet war. Zudem hatte ich Schmerzen und musste mithilfe einer Magensonde künstlich ernährt werden», sagte er im Dezember 2021 zu Blick. Frehner muss ein zweites Mal unter Vollnarkose operiert werden. Dabei bekommt er zwei Platten eingesetzt, die auch fünf Jahre später noch drin sind. Einen Monat lang kann der Churer nur weiche Kost zu sich nehmen. Püriertes, Rührei, Kartoffelstock, Polenta oder Risotto stehen auf dem Speiseplan. Trotz dieser Tortur sagt er: «Was den Aufbau für die Rückkehr aufs Eis betrifft, war das die angenehmste der Verletzungen.» Im Januar 2022 gibt er sein Comeback.

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Mit Blessuren kennt sich Frehner aus. Für eine Aufzählung reichen die zehn Finger gerade noch so. Apropos Finger: Als Junior bricht er sich als Erstes den Zeigefinger. Später folgen zwei Finger der rechten Hand. Dann der fatale Puck-Treffer 2021. Von da an ist die Verletzungshexe seine treue Begleiterin. Eine Knieverletzung kostet ihn beinahe die ganze Saison 2022/23, weil er zweimal an der Kniescheibe operiert werden muss. Er kommt nur auf zehn Quali- und fünf (punktelose) Playoff-Spiele.

Die Playoffs im Frühjahr 2024 spielt er mit Einschränkungen, jene im 2025 verpasst der zweimalige Spengler-Cup-Sieger (2023, 2025) komplett. Unfassbar: Beide Male verletzt sich Frehner im letzten Spiel der Regular Season. Vor zwei Jahren geht das Innenband im rechten Knie kaputt, da kann er dank einer Schiene mehr schlecht als recht noch in der Viertelfinal-Serie gegen Lausanne (3:4) auflaufen. Vor einem Jahr ist es die Rotatorenmanschette an der Schulter, und er muss zuschauen, wie sich seine Davoser ein packendes Halbfinalduell (2:4) mit dem späteren Meister Zürich liefern. «Das war hart. Deshalb war ich so froh, dass ich diesmal Spiel 52 überlebt habe», sagt er mit einem Schmunzeln. «Es freut mich, dass ich in den Playoffs endlich wieder voll ein- und angreifen kann.»

«Daran wollen wir anknüpfen»
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HCD-Frehner mit Drohung:«Daran wollen wir anknüpfen»

Und wie er das tut. Frehner ist auf dem Weg zu den besten Playoffs seiner Karriere – was Tore, Punkte und Einfluss aufs Geschehen anbelangt. Denn: Ein wichtiges Puzzleteil im Davoser Gesamtpaket ist der Flügelstürmer schon längst. Frehner ist ein Energiespieler, ein Hockeyarbeiter, wie er über sich selbst sagt: «Ich bin kein Filigrantechniker oder mit Ausnahme-Übersicht gesegnet, sondern ein Hockeyarbeiter, und diese Spielweise bringt nun mal ein Verletzungsrisiko mit sich.» Seine Kernkompetenzen? Vor dem gegnerischen Tor für Wirbel sorgen, sich im Slot behaupten, den Goalies die Sicht nehmen, Zweikämpfe gewinnen, ein Rabauke sein, wenn es dieses Element braucht. «Ich muss so spielen, wenn ich in der National League auf diesem Level bestehen will.»

Dass er diese Nische für sich gefunden hat, verdankt er auch dem Rat von Marc Haueter (53), mit dessen Sohn Wesley (28) er 2014/15 in der U17 des HCD spielte. Der Ex-ZSC-, Chur- und Lakers-Verteidiger war damals der Assistenzcoach des Teams. «Er sagte mir damals, dass jedes Team solche Spieler für die Dinge braucht, die andere meist nicht tun wollen.» Jene, die wehtun können. Frehner realisiert, dass er es so zum Profi schaffen kann. «Damit habe ich mir Zeit gekauft, um spielerische Fortschritte zu machen.» Das tat er in den letzten Jahren.

Wertschätzung für seinen Spielstil

Der Bündner hat sich so im Team einen Status erarbeitet, seine Qualitäten sind von Bedeutung. Das untermauerte der Klub Mitte März mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2031. «Das ist eine Wertschätzung für meinen Spielstil», sagt Frehner. Der HCD ist sein Herzensklub. «Meine Eltern leben in Chur und waren schon vor meiner Zeit hier Davos-Fans. Einen Klubwechsel könnte ich ihnen nicht antun. Auch ich kann mir nicht vorstellen, irgendwo anders zu spielen. Ich bin in den Bergen zu Hause.» Frehner liebt das Idyllische und die Nähe im Team, weil alle Spieler in Davos leben.

Er selbst mauserte sich in den letzten Jahren zur HCD-Identifikationsfigur und verkörpert den Kampfgeist der Truppe. «Er hat die HCD-DNA», lobt Trainer Josh Holden. Dazu entwickelt sich Frehners Spiel weiter. Er verdient sich mehr und wichtige Eiszeit, bekommt auch aktuell in den Playoffs Verantwortung im Powerplay. Jüngst darf er in der Ausländer-Linie ran mit Simon Ryfors (Sd) und Adam Tambellini (Ka). Auch dies ist ein Lohn für seine harte Arbeit vor dem gegnerischen Kasten, die sich immer öfter auszahlt. «Vor dem Tor das richtige Timing zu haben, ist eine Kunst. Sich da zu behaupten, ist nicht immer angenehm.» Es hagelt Stockschläge und Checks. Er hat seine Emotionen im Griff, auch wenn er malträtiert wird. «Aus diesen Battles hole ich Energie.» Darum ist es die perfekte Rolle für ihn, er ist sich für nichts zu schade und polyvalent.

Was Frehner allerdings aus seiner Leidenszeit mit den vielen Verletzungen gelernt hat: Er verhält sich im Off-Ice-Training smarter und übertreibt es nicht. «Ich versuche, die Balance zu finden. Denn auch die Mobilität muss stimmen.» Doch wie geht Freundin Sina (27), mit der er seit bald sechs Jahren zusammen ist, damit um, dass man ihm aufgrund der Zahnlücke den Hockeyspieler schon von weitem ansieht? Er grinst nur: «Seit wir uns kennen, musste sie schon einige Abschreibungen machen.» Frehner hat nicht vor, seine kräftezehrende Spielweise zu ändern, trotz des Raubbaus am Körper. «Ich überlege nicht, was in zehn Jahren ist.» Sein Hockey ist jetzt.

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